• Ein Abend auf dem heiligen Berg Grabarka

    May 25 in Poland ⋅ ⛅ 24 °C

    Am frühen Abend erreichten wir einen ganz besonderen Ort unserer Reise:
    Krzyże pątnicze na Górze Grabarce – den heiligen Berg Grabarka.

    Schon bei der Ankunft merkten wir sofort, dass dieser Ort eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Direkt in der Nähe des heiligen Berges fanden wir einen wunderschönen Stellplatz mitten im Wald. Ruhig, grün und genau die Sorte Platz, bei der man sofort denkt: „Hier bleiben wir.“

    Natürlich zog es mich direkt hinauf zur berühmten Pilgerstätte. Und ganz ehrlich: Der erste Blick auf die unzähligen Kreuze ist wirklich überwältigend. Tausende Holzkreuze stehen dicht an dicht zwischen den Bäumen verteilt. Kleine Kreuze, große Kreuze, verwitterte, neue, schiefe und kunstvoll geschnitzte Kreuze – überall Kreuze. Ich war wirklich total erstaunt über diese gewaltige Menge.

    Der heilige Berg Grabarka gilt als wichtigster orthodoxer Wallfahrtsort Polens. Seine Geschichte reicht mehrere hundert Jahre zurück. Besonders bekannt wurde der Ort Anfang des 18. Jahrhunderts während einer Choleraepidemie. Der Überlieferung nach sollen Menschen hier Heilung gefunden haben, nachdem sie mit einem Kreuz auf den Berg gepilgert waren und aus der Quelle am Berg getrunken hatten. Seitdem bringen Gläubige aus Dankbarkeit, Hoffnung oder zum Gebet ihre Kreuze hierher. Jedes einzelne Kreuz erzählt dabei vermutlich seine ganz eigene Geschichte.

    Mitten zwischen all diesen Kreuzen steht die wunderschöne orthodoxe Holzkirche. Leider war sie bereits geschlossen, als ich ankam. Aber allein von außen ist sie beeindruckend. Die Kirche wurde komplett aus Holz gebaut und besitzt diese typische orthodoxe Bauweise mit dunklem Holz, kunstvollen Details und den markanten Zwiebeltürmen. Sie wirkt fast ein wenig wie aus einem alten Märchenfilm – still, geheimnisvoll und perfekt passend zu diesem mystischen Ort.

    Und mystisch ist Grabarka wirklich. Besonders am Abend, wenn kaum noch Menschen dort sind und nur der Wind durch die Bäume rauscht. Da der Souvenirshop bereits geschlossen hatte – natürlich gibt es auch hier einen Souvenirshop, schließlich endet selbst Spiritualität irgendwann an der Kasse – hatte ich den gesamten Kreuzberg fast für mich alleine.

    Zwischen den tausenden Kreuzen herrschte eine unglaubliche Ruhe. Irgendwie gleichzeitig friedlich, ehrfürchtig und leicht geheimnisvoll. Ehrlich gesagt hätte es mich nicht überrascht, wenn plötzlich irgendwo ein orthodoxer Mönch mit Laterne aus dem Wald aufgetaucht wäre.

    Nach dem Besuch ging es zurück zu Grisu wo Andrea schon auf mich wartete. Dort hieß es erstmal: Außenküche aufbauen und Abendessen kochen. Und genau dafür lieben wir solche Stellplätze. Mitten im Wald kochen, die Ruhe genießen und den Tag langsam ausklingen lassen – viel besser kann Reisen eigentlich nicht werden.

    Während irgendwo die Vögel ihr Abendkonzert gaben und der Duft vom Essen durch den Wald zog, waren wir uns einig: Dieser Ort gehört definitiv zu den außergewöhnlichsten und eindrucksvollsten Stationen unserer Reise.
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