• Morgengesang auf dem heiligen Berg

    May 26 in Poland ⋅ 🌬 24 °C

    Da die Kirche auf dem heiligen Berg Grabarka gestern Abend leider geschlossen war, ließ mir das Ganze keine Ruhe. Also machte ich mich heute Morgen ganz früh noch einmal alleine auf den Weg den Berg hinauf. Und diesmal hatte ich Glück.

    Schon bevor ich die Kirche erreichte, hörte ich wunderschönen Gesang aus dem Inneren. Als ich vorsichtig die Tür öffnete, saßen dort drei Nonnen und ein orthodoxer Priester hielt gerade die Messe. Also setzte ich mich still ganz nach hinten und lauschte einfach nur.

    Und was soll ich sagen: Das war wirklich etwas ganz Besonderes.

    Eine orthodoxe Messe unterscheidet sich deutlich von dem, was man aus katholischen Kirchen kennt. Es wird erstaunlich wenig gesprochen – stattdessen wird fast alles gesungen. Die Gebete, die Antworten, die Liturgie… alles klingt wie ein durchgehender Gesang. Dazu dieser mehrstimmige Choral der Nonnen, der komplett ohne Instrumente die kleine Holzkirche erfüllte. Das Ganze hatte etwas unglaublich Ruhiges und Feierliches.

    Durch den Weihrauch, das warme Licht und die alten Ikonen wirkte die Atmosphäre fast zeitlos. Obwohl ich kein Wort verstanden habe, war die Stimmung unglaublich beeindruckend. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinschauen… am Ende blieb ich die komplette Messe dort sitzen und hörte einfach zu.

    Und ganz ehrlich: Selten hat mich eine Messe so ruhig und beeindruckt zurückgelassen.

    Nach diesem besonderen Erlebnis ging es zurück zu Grisu, wo erstmal Frühstück angesagt war. Anschließend machte ich mich gemeinsam mit Andrea noch einmal auf den Weg den Berg hinauf – schließlich sollte sie diesen besonderen Ort auch noch erleben.

    Danach fuhren wir weiter nach Białystok, der Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien im Osten Polens. Dort schauten wir uns als erstes den beeindruckenden Branicki-Palast an.

    Der Palast wird oft als das „polnische Versailles“ bezeichnet – und wenn man davorsteht, versteht man auch warum. Das prachtvolle Gebäude mit seinen eleganten Fassaden, den Türmen und den kunstvoll angelegten Gärten wirkt unglaublich majestätisch. Besonders der Park rund um den Palast ist wunderschön gestaltet: Symmetrische Wege, Blumenbeete, Figuren und perfekt angelegte Grünflächen. Man merkt sofort, dass hier früher nicht einfach gewohnt, sondern ordentlich repräsentiert wurde.

    Danach besuchten wir noch die Cathedral Basilica of the Assumption of the Blessed Virgin Mary. Leider wird die Kirche außen momentan renoviert, weshalb sie teilweise hinter Gerüsten verschwindet. Trotzdem beeindruckt der riesige Bau aus roten Ziegelsteinen sofort.

    Im Inneren wirkt die Kirche deutlich schlichter als manche der prunkvollen Kathedralen, die wir bisher gesehen haben. Aber genau das macht ihren besonderen Charme aus. Besonders die hohen Säulen und die harmonische Architektur wirken sehr elegant und ruhig. Keine völlige Goldexplosion, kein barocker Überfall auf die Augen – sondern einfach eine sehr schöne und beeindruckende Kirche.

    Nach einem kleinen Rundgang über den Marktplatz machten wir uns schließlich auf den Weg ins nahe gelegene Supraśl.

    Und natürlich fanden wir auch dort wieder einen herrlich ruhigen Platz direkt am Fluss unterhalb des Klosters. Langsam entwickeln wir wirklich ein Talent dafür, die schönsten Stellplätze aufzuspüren.

    Jetzt sitzt Grisu wieder gemütlich zwischen Bäumen und Wasser, während der Abend langsam ruhig wird. Und nach einem Tag voller Gesänge, Kirchen, Paläste und Eindrücke genießen wir einfach die Ruhe am Fluss.
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