• Vom Waldsee zum Wasserfall

    June 11 in Estonia ⋅ ☁️ 17 °C

    Die Nacht an unserem Stellplatz mitten im Wald war herrlich ruhig. Kein Verkehr, keine Nachbarn, kein Lärm – nur das leise Rascheln der Bäume und gelegentlich das Gequake irgendeines Bewohners des Sees. So lässt es sich aushalten.

    Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Jägala-Wasserfall, dem größten natürlichen Wasserfall Estlands.

    Schon beim ersten Blick wird klar, warum dieser Ort so beliebt ist. Der Wasserfall ist rund 50 Meter breit und etwa 8 Meter hoch. Besonders auffällig sind die braunen Wasserstreifen, die sich über die Felskante ziehen. Diese Färbung stammt vom Moorwasser, das reich an Huminstoffen ist und dem Wasser seine typische bernsteinbraune Farbe verleiht. Dadurch wirkt der Wasserfall fast so, als hätte jemand mit einem riesigen Pinsel braune Streifen in die Landschaft gemalt.

    Auch wenn er nicht mit den gigantischen Wasserfällen anderer Kontinente mithalten kann, besitzt der Jägala-Wasserfall seinen ganz eigenen Charme. Die breite Wasserkante, das tosende Wasser und die umliegende Natur bilden ein wunderschönes Gesamtbild. Im Winter friert der Wasserfall teilweise zu und verwandelt sich in eine riesige Eiswand – heute waren wir allerdings froh, dass das Wasser noch flüssig war.

    Nach unserem Besuch ging es weiter nach Tallinn.

    Dort wartete bereits ein Wiedersehen, auf das wir uns schon lange gefreut hatten. Monika und Otto, die wir auf einer unserer Marokko-Reisen kennengelernt haben, sind ebenfalls hier. Es ist schon erstaunlich, wie viele nette Bekanntschaften man auf Reisen macht – und wie schnell man sich wieder fühlt, als hätte man sich erst gestern gesehen.

    Die Begrüßung fiel entsprechend herzlich aus, und wir freuten uns schon auf ein paar gemeinsame Tage in Estland.

    Leider hatte das Wetter mal wieder andere Pläne.

    Am Nachmittag zog sich der Himmel zu und kurz darauf begann es zu regnen. Und diesmal war es kein kurzer Schauer, sondern eher die Kategorie „Ich habe heute frei und bleibe den ganzen Tag“.

    So mussten unsere gemeinsamen Unternehmungen zunächst verschoben werden. Statt Stadtbesichtigung und Erkundungstouren gab es erstmal gemütliches Beisammensein, Reisegeschichten und die Hoffnung auf bessere Wetterbedingungen.

    Aber immerhin: Schlechte Tage mit Freunden sind deutlich angenehmer als schlechte Tage ohne Freunde.

    Und die Wettervorhersage macht Hoffnung. Morgen soll die Sonne wieder das Kommando übernehmen.

    Bis dahin genießen wir die Vorfreude auf Tallinn, auf die gemeinsame Zeit mit Monika und Otto und hoffen, dass der Regen heute Nacht endlich genug getrommelt hat. Grisu hat schließlich schon ein komplettes Baltikum-Konzert erlebt.
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