• Zwischen Gutshaus, Moor und Waldsee

    June 10 in Estonia ⋅ ☁️ 18 °C

    Vom Kloster aus ging es für uns weiter durch die typisch estnische Bilderbuchlandschaft. Sanfte Hügel, endlose Wälder und überall blühende Wiesen, die gerade in voller Pracht standen. Besonders die Wildblumen entlang der Straßen haben es uns angetan – Estland wirkt im Moment wie ein einziges, großflächiges Naturgemälde.

    Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Palmse und damit eines der bekanntesten Gutshäuser des Landes: das barocke Gut Palmse.

    Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und war einst im Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von der Pahlen. Diese Familie gehörte zu den einflussreichen Gutsbesitzern in der Region und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung des Landguts. Das Ensemble wurde im typisch barocken Stil angelegt: ein repräsentatives Hauptgebäude, symmetrische Nebenbauten und ein großzügiger Park.

    Heute ist das Gut sorgfältig restauriert und gilt als eines der schönsten Gutshäuser Estlands. Es vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie der baltische Adel einst lebte.

    Nach einem entspannten Rundgang und einer wohlverdienten Kaffeepause setzten wir unsere Fahrt fort.

    In der Nähe von Kolga erreichten wir schließlich den Nationalpark Lahemaa, einen der ältesten und größten Nationalparks Estlands. Besonders bekannt ist er für seine ausgedehnten Moorlandschaften, die hier fast schon mystisch wirken.

    Über gut angelegte Holzbohlenwege ging es hinein ins Moor. Links und rechts nichts als Wasserflächen, Moospolster und kleine Kiefern, die sich tapfer an das karge Leben in dieser Landschaft angepasst haben. Ein Moor ist im Grunde ein riesiges, langsam wachsendes Ökosystem aus Torf, Wasser und Geduld – sehr viel Geduld.

    Vom Aussichtsturm aus hatten wir schließlich einen beeindruckenden Blick über das gesamte Gebiet. Von oben wirkt das Moor fast wie eine fremde Landschaft: endlos, ruhig und irgendwie zeitlos. Kein Straßenlärm, kein Stress, nur Natur in ihrer ganz eigenen Geschwindigkeit.

    Nach dieser kleinen Wanderung ging es für uns weiter auf Stellplatzsuche. Und wie so oft in Estland wurden wir auch diesmal fündig.

    Mitten im Wald, direkt an einem See, fanden wir wieder einen dieser Plätze, bei denen man sofort weiß: Hier bleiben wir.

    Keine Nachbarn, kein Lärm, nur Wasser, Bäume und absolute Ruhe. Grisu hat seinen Platz gefunden, wir haben unseren Frieden gefunden – und das Moor scheint noch ein bisschen in unseren Gedanken nachzuwirken.

    So endet ein Tag, der eigentlich alles hatte: Barock, Geschichte, Holzstege im Moor und einen See mitten im Wald als Abschluss.

    Man könnte fast sagen: Estland hat heute wieder ein bisschen übertrieben.
    Read more