• Regen, Ruinen und rote Felsen

    June 24 in Latvia ⋅ ☁️ 18 °C

    Die ganze Nacht spielte der Regen sein ganz eigenes Konzert auf Grisu. Mal ganz sanft und leise wie eine beruhigende Einschlafmelodie, dann wieder mit voller Lautstärke und großer Trommel. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Dirigent da oben wollte unbedingt noch eine Zugabe geben.

    So fiel uns der Abschied von Pärnu am Morgen nicht allzu schwer. Nachdem wir uns herzlich von Gabi und Rainer verabschiedet hatten, machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Lettland.

    In Cēsis angekommen, stand zunächst eine der weniger spektakulären, aber umso wichtigeren Camper-Disziplinen auf dem Programm: Wäsche waschen. Wir fanden eine geöffnete Wäscherei und nutzten die Gelegenheit, unseren Kleiderschrank wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Schließlich möchte man ja nicht, dass die Kleidung irgendwann von allein zum Lüften aus dem Schrank krabbelt.

    Nachdem die Pflicht erfüllt war, ging es in die Altstadt von Cēsis.

    Cēsis, das frühere Wenden, zählt zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Städten Lettlands. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum des Livländischen Ordens und besitzt bis heute eine sehr charmante Altstadt mit historischen Gebäuden, kleinen Gassen und einem gemütlichen Marktplatz.

    Leider hatten wir bei unserem Besuch das Talent, ausgerechnet an einem lettischen Feiertag hier aufzutauchen. Das Ergebnis: Fast alles hatte geschlossen. Geschäfte geschlossen. Kirchen geschlossen. Und zu unserem Bedauern auch die berühmte Schwertbrüderordensburg Wenden.

    Die Burg zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Festungen des Baltikums. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Livländischen Orden errichtet und war über viele Jahrhunderte eines der wichtigsten Machtzentren der Region. Die mächtigen Mauern und Ruinen prägen bis heute das Stadtbild und locken normalerweise zahlreiche Besucher an.

    Nur leider nicht an unserem Feiertag.

    Also begnügten wir uns mit einem kleinen Spaziergang durch die schöne Altstadt und beschlossen anschließend, weiterzufahren. Man muss schließlich immer einen Grund haben, irgendwann noch einmal zurückzukommen.

    Da es mittlerweile schon etwas später geworden war, suchten wir uns einen Platz für die Nacht und wurden am Gauja-Fluss fündig. Unser Ziel waren die Ķūķu Cliffs.

    Diese beeindruckenden Sandsteinfelsen gehören zu den schönsten Naturdenkmälern im Gauja-Nationalpark. Über Jahrtausende hat der Fluss die bis zu mehreren Dutzend Meter hohen Sandsteinwände geformt. Die rötlich-gelben Felsen leuchten je nach Sonnenstand in unterschiedlichen Farben und bilden einen wunderschönen Kontrast zum dunklen Wald und dem ruhigen Fluss.

    Direkt dort fanden wir einen herrlichen Stellplatz mitten im Wald. Nach den vielen Kilometern, der Wäscheaktion und dem Feiertags-Pech in Cēsis fühlte sich dieser Ort wie die perfekte Belohnung an.
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