Von Papiermachern und Rittern
June 25 in Latvia ⋅ ⛅ 22 °C
Nach einer absolut ruhigen Nacht mitten im Wald wachten wir heute Morgen bestens erholt auf. Kein Verkehr, keine Nachbarn, keine Regentrommler auf dem Dach – nur Vogelgezwitscher und die Gewissheit, dass wieder ein spannender Reisetag vor uns lag.
Unser erstes Ziel war das nur wenige Kilometer entfernte Līgatne. Der kleine Ort ist eng mit der Papierherstellung verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert entstand hier eine der bedeutendsten Papierfabriken Lettlands. Das Wasser des Flusses Līgatne lieferte die nötige Energie für die Produktion, und rund um die Fabrik entwickelte sich nach und nach eine ganze Arbeitersiedlung.
Besonders sehenswert sind die historischen Holzhäuser, die für die Fabrikarbeiter gebaut wurden. Viele davon sind bis heute erhalten. Berühmt ist Līgatne außerdem für seine in den Sandstein gehauenen Höhlenkeller. Diese wurden ursprünglich als Lagerräume für Lebensmittel genutzt und halten das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur. Wer keinen Kühlschrank hatte, hatte eben eine Sandsteinhöhle.
Wir schlenderten durch das alte Dorf, schauten uns die Höhlen und die ehemalige Papierfabrik an und konnten uns gut vorstellen, wie hier einst das Leben rund um die Fabrik pulsiert haben muss.
Danach ging es weiter nach Sigulda, das oft als die „Schweiz Lettlands“ bezeichnet wird. Nach einem kurzen Pflichtstopp bei Lidl – schließlich lebt auch ein Camper nicht nur von Sehenswürdigkeiten – fuhren wir in die Stadt und fanden an der Gondelstation einen passenden Parkplatz.
Fahrräder runter und los ging die Erkundungstour.
Als Erstes stand das Schloss Segewold auf dem Programm. Das heutige Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil als Herrenhaus der Fürstenfamilie Kropotkin erbaut. Mit seinen Türmen, Zinnen und dem gepflegten Park wirkt es fast wie aus einem Märchenbuch. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Graf um die Ecke kommt und nach dem Zustand seiner Ländereien fragt.
Direkt daneben befinden sich die Ruinen der alten Schwertbrüderordensburg Segewold. Die mächtige Festung wurde Anfang des 13. Jahrhunderts vom Schwertbrüderorden errichtet und gehörte zu den wichtigsten Burgen der Region. Obwohl heute nur noch Teile der Anlage erhalten sind, vermitteln die dicken Mauern und Türme noch immer einen guten Eindruck davon, wie beeindruckend die Burg einst gewesen sein muss.
Eigentlich wollten wir anschließend noch zur Burg Treyden fahren. Doch wie so oft auf Reisen hatten wir die Rechnung ohne die Zeit gemacht. Die Stunden vergingen schneller als gedacht, und irgendwann mussten wir einsehen, dass der Tag leider keine Verlängerung vorsieht.
Da wir ohnehin schon vieles gesehen hatten und Sigulda für uns keine weiteren großen Überraschungen mehr bereithielt, beschlossen wir kurzerhand, bereits heute nach Riga weiterzufahren.
Und so endete der Tag schließlich an einem wunderschönen Stellplatz direkt an der Düna.Read more
























