• Riga – Tag 2: Allein auf Entdeckungstour

    June 27 in Latvia ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute Morgen ging es für mich ausnahmsweise allein los. Andrea hatte sich gestern beim Fahrradfahren das Knie etwas lädiert und legte deshalb einen wohlverdienten Ruhetag ein. Während ich durch Riga radelte, machte sie es sich im Schatten unter einem Baum direkt an der Düna gemütlich. Gar kein schlechter Platz, um das Knie zu schonen.

    Meine erste Station war die Lettische Nationalbibliothek. Das markante Gebäude fällt sofort ins Auge und ist eines der modernsten Wahrzeichen Rigas. Wegen seiner markanten Form wird es auch „Das Schloss des Lichts“ genannt. Die Architektur erinnert an einen gläsernen Berg und basiert auf einer lettischen Sage, nach der ein Berg das Wissen des Landes bewahrt. Besonders bei Sonnenschein wirkt das Gebäude beeindruckend.

    Von dort rollte ich weiter zum Riga Rise Observation Wheel. Das moderne Riesenrad ist eine der neuesten Attraktionen der Stadt und bietet aus rund 65 Metern Höhe einen fantastischen Blick über Riga, die Düna und die Altstadt. Heute blieb es allerdings beim Blick von unten – schließlich wollte ich noch ein paar Kilometer in den Beinen sammeln.

    Am Lettischen Eisenbahnmuseum musste ich mich dann wirklich zusammenreißen. Schon beim Blick auf die alten Lokomotiven war klar: Hier könnte ich locker einen halben Tag verbringen. Aber manchmal muss man als Reisender Prioritäten setzen... auch wenn es schwerfällt.

    Über die beeindruckende Vanšu-Brücke ging es weiter. Von hier oben hat man einen tollen Blick über den Hafen. Heute lagen dort "nur" zwei Kreuzfahrtschiffe. Das ließ hoffen, dass Riga heute etwas entspannter sein würde als gestern.

    Also nichts wie hinein in die Altstadt.

    Vorbei am Rigaer Schloss, dem mächtigen Dom, durch die kleinste Gasse Rigas und über den Rathausplatz radelte ich kreuz und quer durch die Straßen. Und tatsächlich – heute war richtig angenehmes Stadtbummeln möglich. Die Menschenmassen hielten sich in Grenzen und das Beste: Es war weit und breit keine Fahrradrallye mit fünfzig Kreuzfahrtradlern in Sicht. Man konnte also ganz entspannt fahren, ohne ständig Angst haben zu müssen, von einer internationalen Radtour überrollt zu werden.

    Am Freiheitsdenkmal legte ich eine kurze Pause ein, studierte den Stadtplan und tat so, als hätte ich jederzeit gewusst, wo ich gerade bin.

    Die nächste Station war die Rigaer Christi-Geburts-Kathedrale. Doch bevor es hinein ging, meldete sich mein Magen beziehungsweise meine Kaffeelaune.

    Direkt neben der Kathedrale fand ich einen kleinen Kiosk. Ein leckerer Cappuccino und ein paar hervorragende Teilchen später war die Welt wieder in Ordnung. Gut gestärkt konnte die Besichtigung beginnen.

    Die orthodoxe Kathedrale ist die größte ihrer Art im Baltikum und wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Schon von außen beeindrucken die goldenen Zwiebeltürme, doch auch innen ist sie wunderschön gestaltet. Prunkvolle Ikonen, reich verzierte Wandmalereien und der Duft von Weihrauch schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Hier setzte ich mich erst einmal für ein paar Minuten hin und genoss einfach die Ruhe.

    Danach machte ich noch einen kleinen Abstecher in die Neustadt, bevor es durch den Bastejkalna-Park weiterging. Mit seinen kleinen Wasserfällen, Brücken, Skulpturen und dem gemütlich dahinfließenden Stadtkanal gehört er sicherlich zu den schönsten Parkanlagen Rigas. Anschließend führte mich der Weg weiter durch den Kronvalda-Park, dessen große Bäume an diesem heißen Tag wohltuenden Schatten spendeten.

    Die Fahrt durch die grünen Parkanlagen war fast genauso schön wie die Altstadt selbst. Man vergisst dabei völlig, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet.

    Irgendwann meldete sich dann allerdings mein Popometer unmissverständlich zu Wort. Es war der festen Überzeugung, dass für heute ausreichend Kilometer gesammelt worden waren – und diesem Argument konnte ich mich nur schwer widersetzen.

    Also machte ich mich gemütlich auf den Rückweg zu Grisu, wo Andrea bereits entspannt im Schatten saß. Sie hatte einen ruhigen Tag, ich einen erlebnisreichen – und am Ende waren wir beide mit unserem Tagesprogramm mehr als zufrieden.
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