Von Spionen, Geisterstädten und einem Wiedersehen
June 28 in Latvia ⋅ ⛅ 28 °C
Da Andreas Knie leider immer noch nicht ganz mitspielen wollte und außerdem für den Nachmittag noch höhere Temperaturen angekündigt waren, beschlossen wir heute, Riga hinter uns zu lassen und unsere Reise in Richtung Westen fortzusetzen.
Vorher stand allerdings noch ein kurzer Pflichtstopp beim Lidl auf dem Programm. Brot, Brötchen und die Wasservorräte mussten dringend aufgefüllt werden. Ein Camper weiß schließlich: Ohne Wasser geht gar nichts – und ohne frische Brötchen beginnt der Tag auch nur halb so schön.
Unser erstes Ziel war Irbene. Dort wollten wir das berühmte Radioteleskop besichtigen. Leider erfuhren wir vor Ort, dass Besichtigungen nur nach vorheriger Anmeldung per E-Mail möglich sind. Schade – wir hätten die Anlage wirklich gerne aus der Nähe gesehen.
Die Anlage blickt auf eine spannende Geschichte zurück. Während des Kalten Krieges war sie Teil eines streng geheimen sowjetischen Militärgeländes. Offiziell existierte hier praktisch nichts. Tatsächlich diente die riesige Antennenanlage der Funkaufklärung und dem Abhören westlicher Satelliten- und Funkverbindungen. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde das Gelände für wissenschaftliche Zwecke umgebaut. Heute betreibt die Universität Ventspils hier ein modernes Radioastronomie-Zentrum. Die beiden großen Teleskope sollen sogar durch einen rund 700 Meter langen Tunnel miteinander verbunden sein – ob das tatsächlich stimmt, bleibt allerdings eines der vielen kleinen Geheimnisse dieses Ortes.
Nur wenige Kilometer weiter wurde es dann fast schon gespenstisch.
Wir kamen an der sogenannten Ghost City Irbene vorbei. Zwischen Bäumen stehen dort noch die Überreste ehemaliger Plattenbauten. Kaum zu glauben, dass hier früher einmal eine ganze Stadt lebte.
Die Siedlung wurde ausschließlich für Angehörige des sowjetischen Militärs und ihre Familien errichtet. Da sich hier das geheime Spionagezentrum befand, war das gesamte Gebiet Sperrgebiet und auf keiner Landkarte eingezeichnet. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee Anfang der 1990er-Jahre wurde der Ort innerhalb kürzester Zeit verlassen. Heute holt sich die Natur langsam alles zurück. Zerfallene Wohnblocks, leere Fenster und überwucherte Straßen erinnern daran, wie vergänglich selbst scheinbar bedeutende Orte sein können. Irgendwie faszinierend – und gleichzeitig ein wenig unheimlich.
Nach so viel Geschichte und ein bisschen Gänsehaut ging es weiter nach Ventspils.
Dort wartete die nächste Überraschung auf uns.
Auf unserem ausgewählten Stellplatz am Hafen standen doch tatsächlich Lisa und Ingo – die beiden hatten wir bereits auf Saaremaa in Kuressaare kennengelernt. Die Freude über das unerwartete Wiedersehen war natürlich groß.
Wie das unter Reisenden so ist, wurden erst einmal die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht. Aus fünf Minuten wurden ganz entspannt zwei Stunden.
Anschließend gingen wir gemeinsam lecker essen und ließen den Abend gemütlich vor den Wohnmobilen ausklingen. Es wurde viel gelacht, erzählt und natürlich schon wieder über neue Reiseziele philosophiert.
Es ist schon erstaunlich: Man fährt mehrere tausend Kilometer durch das Baltikum und trifft unterwegs immer wieder dieselben netten Menschen. Entweder ist die Welt doch kleiner als gedacht... oder Camper haben einfach ein eingebautes Wiederfindungs-Navi.
So ging ein Tag voller spannender Geschichte, geheimnisvoller Orte und schöner Begegnungen zu Ende – und genau diese Mischung macht unsere Reise immer wieder so besonders.Read more











