• Auf Kuhjagd in Ventspils

    June 29 in Latvia ⋅ ☀️ 23 °C

    Das Gewitter der letzten Nacht hatte tatsächlich etwas Abkühlung gebracht. Trotzdem war es heute Morgen schon früh wieder so warm, dass an Ausschlafen nicht zu denken war. Also hieß es erst einmal alle Fenster auf, Grisu ordentlich durchlüften und anschließend in aller Ruhe frühstücken. Danach begann die tägliche Camper-Routine: Fahrräder abladen und los geht's!

    Heute sollte Ventspils erobert werden.

    Unser erster Weg führte uns am großen Hafen vorbei bis zum langen Sandstrand. Ventspils gehört zu den wichtigsten Hafenstädten Lettlands. Der eisfreie Hafen spielt seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle für den Handel an der Ostsee und zählt auch heute noch zu den größten Industrie- und Frachthäfen des Baltikums. Zum Glück trennt die Stadt Industrie und Erholung geschickt voneinander – nur wenige Minuten vom Hafen entfernt beginnt bereits der breite, feine Sandstrand.

    Von dort radelten wir gemütlich zurück in die Innenstadt. Ventspils ist eine sehr gepflegte und grüne Stadt mit vielen kleinen Parkanlagen, Blumenbeeten und liebevoll angelegten Plätzen. Spektakuläre historische Bauwerke sucht man zwar eher vergeblich, dafür punktet die Stadt mit ihrer entspannten Atmosphäre.

    Und dann wären da natürlich noch... die Kühe!

    Überall in der Stadt stehen kunstvoll bemalte Kuhskulpturen in allen erdenklichen Farben und Formen. Das Kunstprojekt entstand 2002 im Rahmen der internationalen Ausstellung CowParade. Viele der bunt gestalteten Kühe blieben anschließend in Ventspils und sind heute ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Jede Kuh wurde von einem Künstler individuell gestaltet und erzählt ihre eigene kleine Geschichte.

    Eine der besonders großen Exemplare begrüßte uns sogar direkt neben Grisu auf unserem Stellplatz. Da war sofort klar: Heute steht keine Schnitzeljagd auf Zwerge an – heute gehen wir auf Kuhjagd!

    Also radelten wir durch die Stadt und hielten Ausschau nach möglichst vielen dieser originellen Kunstwerke. Und wie bei den Zwergen in Breslau entwickelte sich daraus schnell ein kleiner Wettbewerb: "Da vorne steht noch eine!" – "Nein, schau mal links, da ist auch eine!" Irgendwann achteten wir fast mehr auf Kühe als auf Straßenschilder.

    Am Nachmittag war dann Schluss mit Kulturprogramm. Die Sonne meinte es inzwischen wieder ausgesprochen gut mit uns, und so verlegten wir unsere Aktivitäten in den Schatten. Dort ließ es sich hervorragend entspannen und den Tag gemütlich ausklingen.

    Man muss schließlich auch einmal Kraft sammeln – man weiß schließlich nie, welche Tiere in der nächsten Stadt auf uns warten. Nach Zwergen und Kühen rechnen wir inzwischen mit allem.
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