• Liepāja

    June 30 in Latvia ⋅ ☀️ 23 °C

    Nachdem wir uns heute Morgen von Lisa und Ingo verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg nach Liepāja. Dort angekommen wurden erst einmal die Fahrräder abgeladen – schließlich erkundet man eine Stadt am besten auf zwei Rädern.

    Da wir am Ende des Liepājas Jūrmalas Parks geparkt hatten, führte unser erster Weg durch die weitläufige Parkanlage. Eine schöne Gelegenheit, langsam in den Tag zu starten und schon einmal die frische Ostseeluft zu genießen.

    Als wir anschließend in die Stadt abbogen, steuerten wir – rein zufällig... oder vielleicht doch vom Marktmagneten angezogen – als Erstes den Libauer Petermarkt an. Und wie das nun einmal bei Andrea ist: Man kann ja nicht einfach mal kurz hineinschauen. Nein, selbstverständlich mussten sämtliche Gänge der Markthalle gründlich inspiziert werden. Irgendwo könnte schließlich noch eine Ecke sein, die wir beim ersten Durchgang übersehen hätten. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt: Geduld ist eine Tugend – besonders auf Märkten.

    Nach der erfolgreichen Marktexpedition machten wir uns auf den etwa sechs Kilometer langen Weg in den Stadtteil Karosta. Die Strecke führte uns an zahlreichen Baustellen vorbei. Straßen und Bürgersteige werden hier umfassend erneuert – inklusive durchgehender Blindenleitsysteme. Es ist schon beeindruckend, wie viel Wert im Baltikum auf Barrierefreiheit gelegt wird. Das ist uns nicht nur hier in Lettland, sondern bereits in den anderen baltischen Staaten positiv aufgefallen.

    Der Weg nach Karosta führt über die Oskaras-Kalpaks-Brücke. Diese historische Drehbrücke wurde 1906 eröffnet und zählt zu den ältesten Metallbrücken Lettlands. Sobald sich ein Schiff nähert, drehen sich die beiden Brückenteile jeweils um 90 Grad zur Seite und geben den Kanal frei – Technik von vor über 100 Jahren, die bis heute zuverlässig funktioniert.

    Unser erstes Ziel war die imposante orthodoxe Marinekathedrale von Karosta. Die zwischen 1901 und 1903 im neobyzantinischen Stil errichtete Kathedrale beeindruckt schon von außen mit ihren goldenen Kuppeln und ihrer gewaltigen Größe. Sie war einst die Hauptkirche des russischen Marinehafens. Im Inneren wird derzeit umfangreich renoviert, sodass wir leider nur den Eingangsbereich besichtigen konnten. Trotzdem spürt man sofort die besondere Atmosphäre dieses beeindruckenden Bauwerks.

    Anschließend ging es weiter zum Karosta-Gefängnis. Ursprünglich war das Gebäude als Militärkrankenhaus geplant, wurde jedoch noch vor der Eröffnung in ein Militärgefängnis umgewandelt. Bis in die 1990er-Jahre diente es als Haftanstalt – zunächst für das Zarenreich, später für die Sowjetarmee und schließlich für das lettische Militär. Heute ist das Gefängnis ein Museum. Bei einer spannenden Führung erfährt man viel über den harten Alltag der Gefangenen. Wer möchte, kann hier sogar freiwillig eine Nacht in einer Zelle verbringen. Nach der Führung waren wir uns allerdings beide einig: Das Museum war interessant – übernachten möchten wir dann doch lieber in Grisu.

    Nach so viel Geschichte und Kultur schwangen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und machten uns auf den Rückweg.

    Zum Abschluss des Tages suchten wir uns einen Stellplatz direkt am Meer.
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