• Boxenstopp, Bunker und ein Kanal ohne Schiffe

    4 Julai, Poland ⋅ 🌬 18 °C

    Da uns der Wetterbericht heute Morgen mit reichlich Wolken statt Sonnenschein begrüßte, beschlossen wir kurzerhand, den Tag sinnvoll zu nutzen. Für Grisu stand nämlich ein Reifenwechsel auf dem Programm.

    Alle vier Räder mussten von vorne nach hinten und gleichzeitig von rechts nach links getauscht werden. Also ab in die Werkstatt.

    Dort hieß es allerdings erst einmal: Warten. Zwei Lkw waren noch vor uns an der Reihe. Also machten wir es uns gemütlich und beobachteten das Werkstattleben. Nach gut zwei Stunden waren wir endlich dran.

    Und dann ging alles erstaunlich schnell. Kaum stand Grisu, flogen die Räder nur so durch die Luft. Fast wie bei einem Formel-1-Boxenstopp – nur dass niemand mit Champagner wartete. Nach gerade einmal 30 Minuten waren alle Räder getauscht und Grisu rollte wieder vom Hof.

    Gut anderthalb Stunden später erreichten wir unser erstes Tagesziel: den SS-Führungsbunker Hochwald bei Pozezdrze.

    Da uns ausgerechnet bei der Ankunft ein Regenschauer begrüßte, legten wir erst einmal eine gemütliche Kaffeepause ein. Irgendwann hatte selbst die Regenwolke genug von uns und zog weiter.

    Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald erreichten wir die weitläufige Bunkeranlage. Der SS-Führungsbunker Hochwald wurde zwischen 1940 und 1944 als streng geheimes Hauptquartier der SS errichtet. Die Anlage gehörte zum militärischen Führungsnetz in Ostpreußen und bestand aus einem massiven Hauptbunker sowie zahlreichen kleineren Bunkern, Schutzräumen und Versorgungseinrichtungen. Beim Rückzug der deutschen Truppen im Jahr 1945 wurden die gewaltigen Stahlbetonbauten gesprengt. Noch heute liegen riesige Betonblöcke kreuz und quer im Wald und zeigen eindrucksvoll, welche gewaltigen Kräfte damals am Werk waren. Ein kleiner Teil des Hauptbunkers ist noch begehbar, zwischen den einzelnen Bauwerken verlaufen ehemalige Schützengräben, die der Anlage eine fast mystische Atmosphäre verleihen.

    Nach so viel Geschichte zog es uns weiter nach Mamerki, wo der Masurische Kanal (Kanał Mazurski) endet. Der rund 50 Kilometer lange Kanal sollte Anfang des 20. Jahrhunderts die Masurischen Seen mit der Ostsee verbinden und den Transport von Gütern erleichtern. Wegen der beiden Weltkriege wurde das ehrgeizige Bauprojekt jedoch nie fertiggestellt. Trotzdem entstanden beeindruckende Schleusen und Wasserbauwerke, die heute als technische Denkmäler gelten. Statt Frachtschiffen begegnet man hier heute eher Spaziergängern, Radfahrern und Kanuten.

    Genau hier, direkt am Kanal, haben wir unseren Stellplatz für die Nacht gefunden. Jetzt hoffen wir einfach, dass der Wettergott morgen wieder bessere Laune hat. Denn Regen ist zwar gut für die Natur – aber beim Reisen mögen wir ihn am liebsten aus sicherer Entfernung durchs Wohnmobilfenster betrachten.
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