• Schiffe auf Schienen – genau mein Ding!

    July 6 in Poland ⋅ ☁️ 17 °C

    Gestern Abend bezogen wir unser Nachtquartier auf dem Parkplatz Buczyniec direkt am Oberländischen Kanal. Schon beim Einschlafen war die Vorfreude auf den nächsten Morgen groß. Schließlich wartete dort ein echtes Technik-Highlight auf mich.

    Der Oberländische Kanal, auch Ostróda-Oberländischer Kanal genannt, ist rund 133 Kilometer lang und gilt als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts. Er wurde zwischen 1844 und 1881 erbaut, um die masurischen Seen mit der Ostsee zu verbinden. Seine größte Besonderheit: Statt einer langen Schleusentreppe werden die Schiffe auf fünf sogenannten Rollbergen über Land transportiert. Dabei überwinden sie insgesamt fast 100 Meter Höhenunterschied.

    Heute Morgen konnten wir uns dieses außergewöhnliche Schauspiel ganz in Ruhe anschauen. Die Schiffe fahren auf einen Rollwagen, werden aus dem Wasser gehoben und anschließend auf Schienen den Hang hinauf oder hinunter transportiert. Das Ganze funktioniert bis heute nahezu unverändert – und das Beste daran: Die riesigen Rollwagen werden ausschließlich durch Wasserkraft angetrieben. Das Wasser setzt große Turbinen in Bewegung, die wiederum über Seile die Wagen ziehen. Kein Diesel, kein Elektromotor – nur die Kraft des Wassers. Für Technikbegeisterte ist das schlichtweg genial.

    Natürlich musste ich mir auch das Maschinenhaus ansehen. Dort die alten Zahnräder, Wellen und Antriebe in Betrieb zu beobachten, war mindestens genauso spannend wie die Schiffe selbst. Ich hätte wahrscheinlich noch stundenlang zusehen können. Andrea hat mich dann irgendwann dezent daran erinnert, dass wir heute eigentlich noch weiterfahren wollten.

    Unterwegs entdeckten wir noch eine öffentliche Quelle. So konnten wir ganz nebenbei unsere Wasservorräte auffüllen. Frischeres Wasser bekommt man wohl kaum.

    Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Malbork.

    Am Abend war dann endlich nochmal Reibekuchen Zeit.

    Es ist schon erstaunlich: Die meisten Menschen bleiben bei Schiffen auf dem Wasser stehen. Ich freue mich dagegen mindestens genauso sehr, wenn sie plötzlich auf Schienen weiterfahren. Irgendwie bin ich für solche technischen Spielereien wohl nie zu alt geworden.
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