• Eine Burg, die kein Ende nimmt

    July 7 in Poland ⋅ 🌧 17 °C

    Der Himmel hatte heute Morgen mal wieder beschlossen, sämtliche Schleusen gleichzeitig zu öffnen. An einen gemütlichen Stadtbummel war also erst einmal nicht zu denken. Ich nutzte die Gelegenheit und arbeitete im Office alles ab, was in den letzten Tagen liegen geblieben war. Manchmal ist Regen eben doch für etwas gut.

    Gegen 14:30 Uhr hatte Petrus dann endlich ein Einsehen. Der Regen ließ nach und wir schnappten uns die Fahrräder. Ziel des Tages: die gewaltige Marienburg in Malbork.

    Unser erster Weg führte uns zum Ticket Office, das sich außerhalb der Burganlage befindet. Dort bekamen wir nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch einen Audioguide der besonderen Art. Dank GPS erkennt er automatisch, an welcher Stelle der Burg man sich gerade befindet, und startet die passenden Erklärungen von selbst. Kein lästiges Nummern-Eintippen – einfach loslaufen und zuhören. So macht eine Besichtigung richtig Spaß.

    Die Marienburg wurde ab 1274 vom Deutschen Orden erbaut und entwickelte sich zur größten Backsteinburg der Welt. Mehr als 20 Hektar umfasst die gewaltige Anlage mit Hochburg, Mittelschloss, Vorschloss, Wehrmauern, Höfen, Kapellen und unzähligen Räumen. Über viele Jahrzehnte war sie der Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und damit das politische und militärische Zentrum des Ordensstaates. Heute gehört die beeindruckende Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Festungsanlagen Europas.

    Und genau diese Größe merkt man bei jedem Schritt.

    Kaum glaubte man, alles gesehen zu haben, öffnete sich hinter der nächsten Tür schon wieder ein neuer Innenhof, ein weiterer Kreuzgang oder die nächste riesige Halle. Irgendwann fragten wir uns ernsthaft, ob die Erbauer überhaupt jemals aufgehört haben zu bauen.

    Zum Glück führte uns der Audioguide mit spannenden Geschichten und vielen interessanten Details sicher durch dieses Backstein-Labyrinth. So konnten wir dem wechselhaften Wetter immer wieder geschickt ausweichen.

    Nach rund drei Stunden intensiver Besichtigung meldeten sich dann allerdings unsere Füße zu Wort. Und zwar ziemlich deutlich.

    Eigentlich wollten wir uns zum Abschluss noch die weitläufigen Außenanlagen anschauen. Doch genau in diesem Moment meinte der Regen, dass jetzt wieder sein großer Auftritt gekommen sei. Also entschieden wir uns für einen geordneten Rückzug und radelten zügig zurück zu Grisu – bevor wir genauso durchnässt waren wie die Burgmauern.

    Was bleibt, ist tiefer Respekt vor dieser gewaltigen Anlage. Die schiere Größe der Marienburg hat uns total geflasht. Und eines ist sicher: Wer hier behauptet, nach drei Stunden noch nicht genug Burg gesehen zu haben, sollte vorsichtshalber einen Schrittzähler mitbringen... oder gleich Wanderschuhe.
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