• Leuchtturminsel Tankar: allein unter Fischern

    Jun 7–8 in Finland ⋅ ☁️ 15 °C

    Irgendwie sind wir wohl wirklich in Lilliput angelangt. So wie im Film Jumanji haben wir wohl die Büchse der Pandora geöffnet. Kaum aus Mässkär losgefahren, haben wir uns in einem Fahrwasser wieder gefunden, das mit jedem Meter enger und enger wurde. Wir sind ja einiges gewohnt, auch Fahrwassertonnen, die man scheinbar anfassen kann während man sie passiert. Dieses mal aber haben wir die Tonnen wirklich berührt, weil nicht genug Platz für Ahyoka dazwischen war. Und wenn da keine grünen und roten Tonnen waren, kam uns dafür Schilf und Stein gefährlich nahe. Aber es gab kein zurück. Wir mussten da durch. Es war wie eine Flußfahrt, achwas Fluß, eher ein Bach. Wenig Wasser, dafür viele Böen um die 20kn. Mit unfassbarerer Präzision steuerte uns Andreja durch diesen kleinen Alptraum. Ich vorne am Bug, mit starrem Blick ins grüne, undurchdringliche Wasser. Andreja hochkonzentriert am Steuer. Die Fischer in ihrem winzigen Ruderboot haben nicht schlecht gestaunt als wir plötzlich um die Ecke kamen. Was zum Teufel machen die hier, schienen ihre Blicke zu sagen. Und ja, den selben Gedanken hatten wir auch. Die gute Stunde, die wir in diesem „hochoffziell“ als bezeichnetem Fahrwasser fuhren, kam uns wie eine Ewigkeit vor. So eine Anspannung hatten wir zuvor noch nie erlebt. Es ist ja nicht so, dass wir die Route nicht mindestens x mal gecheckt hätten. Im Kartenplotter, in der App Sailmate - dort sogar mit 2 Meter Tiefgang _ und auf den Papierkarten. Da haben wir wohl die Rechnung ohne Lilliput gemacht. Irgendwie haben wir es da - mehr oder weniger heil - durch geschafft. Und dann plötzlich tauchte Tankar vor uns auf. Die Leuchtturminsel, Museum und Fischerparadies in einem. Und natürlich: mit einem viel kleineren Hafen als gedacht. Und das, obwohl eine 30 Meter Fähre dort anlegt. Und natürlich war sie da, die Fähre Karlotta. Bereit zum Ablegen. Natürlich. Blödes Timing, zumal sie nur 1x am Tag fährt. Wir packten unseren ganzen Mut zusammen und sind trotzdem in die super enge Hafeneinfahrt gefahren, einmal hinten rum um die Fähre auf die andere Seite des Steges, mit nur 2 Meter Abstand, mehr war halt nicht da. Und plötzlich wurde alles gut. Der 30 Meter Stahlkoloss hatte absichtlich auf uns gewartet. Drei Fischer waren am Steg und legten uns gegen die dicken Böen der nahenden Regenfront an. Die junge Mitarbeiterin des Inselcafés erklärte uns, dass wir gerne umsonst über Nacht bleiben können, da das Buchungssystem nicht tut. Und wir hatten einen sehr einfachen, aber leckeren Lunch mit auf der Insel geräuchertem Lachs und selbst gebackenem Brot. Den Rest des Tages verbrachten wir mit betrunkenen Fischern (war ja zu wellig zum Angeln) und gemischten Gefühlen. Der Schock des engen Fahrwassers saß uns noch in den Knochen, und mischte sich immer wieder unter die Freude, das wir es endlich mal auf eine echte Leuchtturminsel geschafft hatten. Und Tankar war es wirklich wert. Rauh und schön, und ausgestattet mit einer ganz eigenen Energie, dem Hauch von 700 Jahren Fischergeschichte.Read more