• Kalajoki: der Phantomhafen.

    Jun 8–11 in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Gibt es ihn nun, oder nicht, den sagenumwobenen, riesengroßen und nigelnagelneuen Hafen Kalajoki an der arktischen Küsten nördlich von Tankar? Das war die Frage, die uns seit Tagen beschäftigte. Erfahren haben wir davon in einem Steggespräch mit einem Youtuber in Vaasa. Erste Internetrecherchen ergaben nix. Unsere Papierseekarten, die sonst jeden Hafen kennende App Sailmate und auch unsere extra nochmal geupdateten elektronischen Seekarten kannten ihn auch nicht. Okay, da war ein kleiner Hafen mit einer Zufahrt von 0,9 m, also 90 cm und damit mindestens einen halben Meter zu wenig Wasser unter den Kielen. Das konnte es nicht sein. Die Webseite der Gemeinde Kalajoki war auch wenig hilfreich. Der zuständige Landschaftsentwickler war auch wenig hilfreich. Seltsam. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem superengen Fahrwasser wenige Tage zuvor, wären wir schon gerne auf Nummer Sicher gegangen. Erstens, dass der Hafen da ist, und zweitens, dass wir in der Anfahrt nicht stecken bleiben.
    Der Durchbruch gelang dann ganz modern mit der Google AI bzw. ChatGPT. Ja, der Hafen ist da, und bereits geöffnet, wenn auch noch nicht offiziell. Und ach ja, hier habe ich für Dich noch die Telefonnummer des Hafenmeisterbüros. Wir waren mächtig beeindruckt. Verdammt, wie macht die KI das nur? Nach einem Telefonat, zwei eMails und 3x WhatsApp war dann alles klar. Wir bekamen sogar einen Hafenplan, den Code für die Keybox und ein 10-seitiges PDF mit Bedingungen für Liegeplatzmieter! Abgesehen von den vielen Regeln, war das mal wiedr typisch finnisch. Die Uhren ticken hier einfach angenehm langsam Wo in Deutschland ein Riesenwerberummel veranstaltet worden wäre, nimmt man in Finnland erst mal den Gang raus und lässt den Dingen Zeit, sich zu entwickeln.
    Fakt war also, dass der alte Hafen aus den Seekarten komplett neu konzipiert wurde. Wo früher die Untiefen waren, ist jetzt ein riesiges Hafenbecken. Auch die Zufahrt wurde ausgebaggert und neu betonnt. Trotzdem nicht unspannend. Zunächst haben wir an den Landmarken entlang navigiert und trafen dann tatsächlich auf drei neue Kardinaltonnen. Die rot grünen Fahrwawassertonnen in den Hafen fehlen noch, aber das hat man ganz pragmatisch mit einem Fischernetz gelöst. Eben angelegt wurden wir bereits von der Hafencrew begrüßt. Zuerst Sanna, mit der wir uns geschrieben hatten, und dann noch vom Chef persönlich. Auch typisch finnisch: auf unsere Frage, wie man denn einen neuen Hafen in die Apps und Seekarten bekommt, kam die Antwort prompt und ehrlich: „gute Frage, da wollten wir uns als nächstes darum kümmern“ Yo, wie schon gesagt :) Deutsch wie wir sind, haben wir dann Navionics (Seekarten-Anbieter) und Sailmate geschrieben und siehe da, bald wird der Hafen auch dort zu finden sein.
    Kalajoki selbst ist ein kleines Paradies, ein unberührtes Mini-Mallorca im Norden. Im arktischen Meer hätte ich Kälte, rauhe Landschaften und kahle steinige Küsten erwartet, aber sicherlich keine Sandstrand-Idylle mit Dünen und Badebuchten. Ausreichend kalt ist es auch, sobald der Himmel wolkenbedeckt ist oder einem der Wind um die Ohren saust. Doch davon abgesehen, war es herrlich mild. Die unerwartet schönen Sandstrände haben uns tolle Spaziergänge und ein bisschen Südseefeeling beschert. Und der ehemalige Phantom-Hafen ein wunderbare Sauna mit Meerblick. Und einiges mehr, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Das ging ja gut los, mit der arktischen Küste. Und sollte nicht so bleiben.
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