• Raahe ist alles andere als süß

    Jun 11–13 in Finland ⋅ ⛅ 15 °C

    Yo, über Raahe braucht nicht viele Worte machen. Früher im späten 19. Jahrhundert mal der wichtigste Schiffsbauhafen in Finnland ging es mit dem Aufkommen der Stahl- und Dampfschiffe schnell bergab mit der Stadt. Ein ähnliches Schicksal wie es Marstall auf Aerø in der dänischen Südsee ereilte. Und es wirkt so, als hätte Raahe das bis heute nicht verdaut. Ich habe in keiner anderen Stadt bisher so viele Menschen gesehen, die mit hängenden Köpfen durch die Straßen schlurften wie hier. Da musste ich ordentlich aufpassen nicht selbst schlechte Laube zu bekommen. Dazu viele leere Geschäfte und Restaurants, verkommene, ehemals herrschaftliche Holzhäuser und tote Plätze. Vor den Toren der Stadt verpestet oben drein eine der größten Industrieanlagen Finnlands die Luft. Ein Stahlwerk mit eigenem Hafen, Hüttenwerk, Kohlekokserei und 30 km Schienen! Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber: Das Stahlwerk soll bis 2030 modernisiert werden und statt wie bisher mit Kohle dann mit grünem Wasserstoff als Energielieferant produziert werden. Ich wünsche Raahe, dass die Modernisierung spätestens dann auch auf die Stadt abfärbt und es Stück für Stück aufwärts geht.
    Die Suche nach einem geeigneten Liegeplatz für Ahyoka gestaltete sich außergewöhnlich diskussionsbeladen. Den städtischen Gasthafen gab es nicht mehr, oder vielleicht doch? Jedenfalls wusste es keiner so genau. Wir redeten viel, erklärten, was wir brauchten, doch keiner wollte eine Entscheidung treffen. Erst als eine junge Frau fragte: „Okay, was ist denn das schlimmste, was passiert, wenn dieses Schiff hier anlegt“, gefolgt von der Antwort: „wahrscheinlich nix“, durften wir direkt vor dem Schifffahrtsmuseum fest machen. Top! Trotzdem waren wir froh schon 2 Nächte später, ganz frühmorgens wieder abzulegen. Und wir drücken Raahe ganz fest die Daumen, dass jemand mit der Vision und Zuversicht kommt, die Ärmel hochkrempelt und die Zukunft anpackt. Raahe hat Potenzial. Viel sogar.
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