• Pazifik - Tag 21 Segelgarderobe

    April 12, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    12. April, Etmal 159 sm, 5 - 6 Bft, sonnig, 29°C

    Bei uns ist die Hauptantriebsmaschine unser Segel. Das sollte bei allen Segelbooten so sein. Manchmal kommt es Einem aber so vor, als hätten manche Skipper noch nichts davon gehört. Aber das ist ein anderes Thema.
    Bei uns kommen die Segel hoch, sobald irgendein Lüftchen weht. Die Hauptmaschinen sind unsere Genua mit 45 qm und unser Hauptsegel, das Groß, dieses hat 70 qm. Im Moment sind diese beiden Stoffteile im Dauereinsatz, da wir seit Eintritt in die Passatzone südlich des 6. südlichen Breitengrades durchweg kräftigen Wind haben. Diese Segel haben den Vorteil, dass sie gerefft, und so den verschiedenen Windgeschwindigkeiten angepasst werden können. Mit bis zu 40 Ktn scheinbarem Wind kann man was damit anfangen, mit immer kleinerer Fläche natürlich. Diese Segel bestehen aus einem dicken Dacrontuch und sind sehr belastbar.
    So richtig Spaß macht das Segeln aber dann, wenn wir unsere Leichtwindsegel auspacken können. Diese bestehen aus einem leichten Polyesterstoff und wiegen gerade mal 75g/m2. Dadurch stehen sie auch schon gut bei geringen Windgeschwindigkeiten. Kommen diese hochspezialisierten Produkte zum Einsatz, herrscht, wie der Name schon sagt, weniger Wind. Das hat zur Folge, dass sich auch meistens weniger Wellen herumtreiben. Es ist nämlich das Geschaukele, was uns gerade am meisten auf unserer Reise stört. Man kann überhaupt kaum gerade gehen, zur Toilette tastet man sich an den Schränken entlang und man muß stets im Blick haben, wo man mit dem wenigsten Schaden mit dem gesamten Körper hinknallen kann, wenn eine Superwelle Einen komplett aus dem Stand wirft. Für diese Sportart des ständigen muskulären Ausbalancierens auf dreidimensional wackelnden Standplatten zahlt man in Deutschland ordentlich Geld…
    Unser größtes Segel mit 156 qm ist das Levante. Der bekanntere Begriff ist „Parasailor“. Dieser Name steht aber schon für die Firma selbst, deshalb haben wir ihn uns abgewöhnt. Man sagt ja auch nicht „ich fahre mit dem VW hin“, wenn man nur meint, man fährt mit dem Auto hin.
    Unser Segel ist von Oxley. Ein symmetrisch geschnittenes Tuch mit einem Flügel, der außer für Vortrieb auch für Auftrieb am Bug sorgt und bei stärkeren Böen Druck entweichen lässt. Dieses Segel kann ich von 180°, also direkt vor dem Wind, bis zu 90°, also Wind direkt von der Seite, oben haben. Dies geht allerdings nur bei sehr geringem Wellengang und max. 15 Ktn Wind. Wenn wir das Levante fahren können, fühlt es sich an, als würde unsere Vitila über das Meer dahinschweben. Ein wirklich schönes Erlebnis. Auf unserer Reise über den Atlantik konnten wir dieses Segel zu 95% der Fahrt einsetzen.
    Unser neustes Tuch - das Alte war auf den St. Blas Inseln zerrissen - ist unser neuer Gennaker mit 96 qm. Dieses feine, blau-weiße Tuch eignet sich für leichte Winde bis 15 Ktn und wird eingesetzt für halben Wind (Wind direkt von der Seite) und raumen Wind (von schräg hinten). Es ist enorm, was dieses Segel bei den richtigen Bedingungen an Vortrieb bringt! Ein Plus von 1,5 Ktn gegenüber der Genua ist keine Seltenheit. Es darf sich in der Regel der Gesellschaft des Groß erfreuen.
    Bei dem Wind, der die letzten Tage wehte, blieben die leichten Tücher aber schön im Sack.
    Heute begrüßte mich wieder mal die Sonne mit einem schönem Aufgang, und sie strahlte den ganzen Tag mal mehr mal weniger, sagen wir mal, energieneutral. Außerdem bescherte uns der Wind ein neues Rekordetmal von 159 sm. Hätte es nicht eine Seemeile mehr sein können? Hätte sich im Logbuch hübscher ausgemacht.
    Die Wellen sind immer noch hoch. Mein Blick wandert nach wie vor häufig in die Wetterkarte, wie sich der Wind/Sturm in Gambier entwickelt, und es bleibt spannend.
    Zum Abendbrot gab es Hähnchenbrust mit Gnocchi und Gemüsefrittata.
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