• Auf zu den Marquesas Tag 5

    22. Mai, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    146 sm (134 Segel, 12 Motor)

    Der fünfte Tag auf der Passage brachte uns schönes Wetter und anfangs auch kräftigen Wind, der uns leider gegen Mittag verließ. Gerade als ich darüber nachdachte, den Gennaker zu setzten, klingelte es an der Angel. Hier war offenbar ein richtiger großer Fisch an die Leine gegangen. Ein Griff an die Angelschnur sagte mir, der muss sich noch etwas austoben, den bekomme ich so nicht rein. Die Zeit verging, und das Tier machte keine Anzeichen müde zu werden. Das Werkzeug war alles schon zurechtgelegt, also hieß es abwarten. Ich wollte gerade noch etwas anders tun, da sah ich, wie sich die Gummis entspannten. Schöner Mist, da war mir doch der Fisch wieder mal vom Haken gegangen. Leider hatte er sich nicht vom Haken befreien können, die ganze Leine war gerissen, eine 1,4 mm Monoleine, die soll über 50 kg halten. Schade, hätte uns heute gut in den Menüplan gepasst.
    Den Gennaker konnte ich dann auch nicht mehr setzen, denn der Himmel verfinsterte sich zunehmend mit einer Front, welche auf uns zukam. Die nächsten Stunden war ich nur mit Ein- und Ausreffen beschäftigt. Unsere Fahrt verlangsamte sich zusehends.
    Ein Lichtblick war dann das Abendessen. Doris hatte Kaiserschmarrn zubereitet, eines meiner Lieblingsessen, und ich hatte in ihrer Abwesenheit schnell noch etwas Karamell aus braunem Zucker am Rand der Pfanne entstehen lassen und den Kaiserschmarrn darinnen gewendet. Das hat geschmeckt 😋, die Ergänzung wurde umgehend ins Rezept aufgenommen.
    In der ersten Nachtschicht ab 21.00 Uhr war ich dann dran mit Schlafen, leider nicht lange. Nach einer Stunde rief Doris mehrmals ich solle doch bitte rasch auf die Brücke kommen. Was war geschehen? Sie hatte einen Squall im Radar nicht rechtzeitig erkannt, und jetzt segelten wir mit Vollzeug bei 28 kt durch Sturm und Regen. Da ich in der Eile wieder mal meine Brille am Bett hatte liegen lassen, sah ich die Zahlen auf den Instrumenten mehr schlecht als recht. Letztendlich reffte ich das Groß vor dem Wind, was wirklich erstaunlich gut funktionierte, und so konnten wir die Böen ganz gut abwettern. Die ganze Aktion hatte fast eine Stunde gedauert. Ich schickte Doris ins Bett, da weiteres Ungemach in Form von Squalls drohte.
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