Auf zu den Marquesas Tag 6,
23. Mai in Französisch-Polynesien ⋅ 🌬 28 °C
116 sm
Wechselbad der Gefühle. Machte ich mir gestern noch Gedanken, wo wir in stockdunkler Nacht auf Fatu Hiva den Anker würden fallen lassen, keimte jetzt wieder Hoffnung auf. Gestern um 17:48 hatten wir noch eine Distanz bis zum Ziel von 156 sm. Eine durchaus schaffbare Strecke. Der leichte Wind, der dann aber folgte, machte der Hoffnung, im Hellen anzukommen, jedoch einen Strich durch die Rechnung.
Gegen 2:00 Uhr weckte mich Doris sanft wegen eines „Squalls“, der schon länger an unserer Seite sei und immer größer werde. Das war ihr nicht ganz geheuer. Der Wind hatte auch deutlich zugenommen und blies in der Spitze mit 24 kt. Für das erste Reff, das wir fuhren, schon recht viel. Es stellte sich aber heraus, dass diesmal kein Squall für den starken Wind verantwortlich war. Das was Doris für einen Squall gehalten hatte, waren nur flächenhafte Reflexionen von stärkeren Wellen. Der Wind hatte einfach insgesamt aufgefrischt, unglaublich!
Meine Zuversicht erwachte erneut, fuhren wir doch jetzt im Schnitt mit 8 kt. Wenn wir diese Geschwindigkeit nahezu beibehalten könnten, wäre doch noch ein Landfall im Hellen möglich.
Bis ca. 11:00 Uhr am nächsten Tag hielt der mittelstarke Wind um die 20 kt an, dann flaute er ab auf ca. 16 kt, Zeit das 1. Reff rauszunehmen. Die Ankunftszeit laut Vorhersage ging trotzdem weiter nach hinten, so um ca. 18 Uhr, bei Sonnenuntergang um 17:40 Uhr. Ziemlich knapp alles. Jetzt musste der letzte Trumpf stechen, der Gennaker wurde aktiviert, Bedingungen vertretbar, berechnete Ankunft mit mehr Geschwindigkeit jetzt 17:10 Uhr, in der Hoffnung, dass der Wind so bleibt. Es blieb also spannend.
Dann, 18 sm vor dem Ziel, nochmal ein kleine Aufregung: Der Baum schlug laut um, der Gennaker „klebte“ an Saling und Mast. War der Autopilot ausgefallen? Ich war gerade am Schreiben und hatte es gar nicht gleich richtig realisiert. Linken Motor starten, schnell schauen was die Angel macht (sie war rechts), und Gashebel nach vorn. Schnell war wieder alles im Lot. Der Autopilot funktionierte auch wieder, was war die Ursache? Beim Blick auf die Winddiagramme wurde schnell klar: Eine kurze „Vollflaute“ und ein Winddreher hatten das Groß blitzartig auf die andere Seite befördert. Naja, alles noch mal gut gegangen, der Gennaker hatte es auch überstanden. Die Gummis am Bullenständer hatte es allerdings durchgerissen, da muss ich mir noch eine andere Lösung ausdenken.
Der Wind behielt die Stärke bis zur Einfahrt in die Bucht von Omoa bei, und wir konnten pünktlich um 17:00 Uhr Ortszeit den Anker fallen lassen. Durch die Zeitumstellung auf Marquisische Zeit hatten wir noch 30´ Zeit gewonnen. Wir sind jetzt also 12:30 Stunden hinter der deutschen Zeit hinterher, sozusagen am anderen Ende der Welt.
Die Einfahrt in die Bucht war atemberaubend, steile Felsklippen, über 200 m hoch. Ein grünes Tal erstreckte sich hinauf bis zu den Bergen, deren Gipfel von Wolken mystisch grau eingehüllt wurden.
Recht früh ging es dann aber ins Bett, es musste noch etwas Schlaf nachgeholt werden.Weiterlesen










Reisender
Wow, was für eine Landschaft. Sehr beeindruckend!