• Nuku Hiva

    July 6 in French Polynesia ⋅ ⛅ 27 °C

    Mit Nuku Hiva hatten wir die größte der Marquesas Inseln erreicht. Wir kamen von Ua Pou und liefen nach etwa 4 Stunden Segeln in die Bucht von Taiohae ein. Diese Bucht ist relativ tief eingeschnitten und damit gut geschützt und bietet etwa 50 Ankerliegern Platz.
    Es gibt hier keine Marina oder Werft, sind Schäden am Boot zu beheben, ist man auf die zweitgrößte Insel Hiva Oa angewiesen. Aber diese dortige einzige sehr engagierte Werft der Marquesas soll nächstes Jahr leider geschlossen werden….
    Anders als in Hiva Oa liegt die Anlegestelle für die Dinghis hier nahe am Ort, genauer gesagt beim Obst- und Früchtemarkt. So einen öffentlichen Markt für einheimisches Gemüse und Früchte gab es bisher nirgends in französisch Polynesien. Die großen Tische sind verschiedenen Erzeugern zugeteilt, die ihre Erzeugnisse dort präsentieren, später am Tag sind sie selbst gar nicht anwesend. Stirnseitig sitzen Frauen, die die ausgewählten Stücke und eingenommenes Geld handschriftlich in ein großes Heft in die entsprechenden Namensspalten eintragen. Das Angebot beschränkt sich aber auf Bananen, Zitronen, Pomelos, verschiedene essbare Wurzeln, Brotfrüchte, grüne Paprikaschoten und Gurken, Avocados und gelegentlich kleine Ananas. Zucchini, Auberginen oder Karotten sind selten oder gar nicht zu haben.
    Vorne am Quai stehen in einer Reihe zudem große Gefrierboxen und lange Tische. Tagsüber sind sie verwaist. Steht man aber früh auf, erlebt man zwischen 6 und 7 Uhr die Ankunft mittelgroßer Fischerboote. Als wir da waren wurden überwiegend Thunfische und Red Snapper geschuppt, ausgenommen und nach Kundenwunsch zerlegt. Beeindruckend große Kerle waren darunter. Die Fischreste fliegen ins Wasser, wo Horden von Haien darauf warten und sich im rotgefärbten Wasser darum balgen. Ein Wahnsinnsschauspiel, wenn die typischen Rückenflossen von 10-15 durchaus auch größeren Haien nur wenige Meter entfernt durchs Wasser pflügen und das Wasser brodelt, wenn neue Brocken drin landen. Die Leiter zu den Dinghis runter ist praktisch mittendrin. Man hält sich wahrlich gut fest beim Rein- und Rausklettern 🙈.

    Ein empfehlenswerter Ganztagesausflug mit einem Leihwagen (Vermietung direkt neben dem Gemüsemarkt, 110 CFP pro Tag, kein 4x4 unbedingt nötig) führte uns zu viert über die wenigen Straßen der Insel, die zwar kurvenreich aber gut befahrbar waren. Da Uwe zur Zeit an einem Schulter-/Arm Syndrom leidet, musste Werner den ganzen Tag das Lenkrad kurbeln und sich konzentrieren.
    Auf dem Weg nach Hatiheu im Norden der Insel boten sich immer wieder tolle Aussichtspunkte auf grüne Berglandschaften sowie das Meer. Vor dem Ort steht eine bekannte Reihe steiler Zinnen. Wir hatten Glück und erlebten sie im strahlenden Sonnenschein. Sie sind die Basaltübetreste vulkanischer Berge, das weichere Gestein wurde durch Erosion abgetragen.
    Kurz vor dem Ort machten wir an der größten restaurierten historischen Ausgrabungsstätte der Marquesas, Kamuihai, halt. Mauerruinen aus groben, unbehauenen Steinblöcken, aber passgenau aufeinsndergeschichtet, gaben einen anschaulichen Eindruck des damaligen Ortes. Es liegen dort nah beieinander mehrere Zeremonienplätze, einer auch mit schönen alten Petroglyphen. Verwitterte mit Moos bewachsene Tiki-Figuren säumten zum Teil die Wege. Die Ausgrabungen wurden relativ ursprünglich belassen, und die großen Steinplattformen, die die Fundamente der alten Häuser sind, erwecken den Eindruck durch eine 700 Jahre alte Siedlung zu laufen. Ein 600 Jahre alter Banyan Baum erhöhte den Eindruck des würdevollen Ortes. Ohne Weitwinkel hätte man ihn gar nicht aufs Photo bekommen.

    Im Ort selbst aßen wir bei „Chez Yvonne“ zu Mittag: Hausplatte mit Fisch und Fleisch, rohen eingelegten Fisch oder Schweinegulasch „au rhum“. Alles machte den sehr guten Bewertungen in den social media alle Ehre. Nicht zu vergessen die Verfütterung der (wenigen) Essensreste im vorbeiströmenden Bächlein an die riesigen Aale mit den blauen Augen. Ich warf erst ein Stück Brotfrucht rein, es segelte unbeachtet auf den Grund. Ich wollte schon enttäuscht weggehen. Plötzlich geriet die Wasseroberfläche in mehr Bewegung, und der erste Aal kam von der nahen Meeresmündung schnell angeschwommen. Sie müssen einen extremen Geruchssinn haben. Das Wasser ist so seicht, man denkt die Tiere müssten steckenbleiben… Also warf ich ein Stück Fischrest hinterher, und immer mehr Aale kamen gierig an. Ein tolles Schauspiel. Ich kletterte nah zum Wasser und fasste einen Aal am Rücken an. Er spürte es und zuckte leicht. Er war dermaßen glatt und glitschig, da war klar, die bleiben nirgendwo so leicht stecken...

    Der letzte Teil der Fahrt führte uns ganz nach Nordwesten zum kleinen Flughafen der Insel. Nicht weit nach Taiohae zweigt eine unbefestigte Wartungsstrasse zum Sendemast ab. Wir parkten den Wagen und liefen die etwa 2 km hoch. Von dort genossen wir einen atemberaubenden Blick aufs Meer zu beiden Seiten der Insel!
    Weiter ging’s nach dieser Pause auch zum Beinevertreten… Ewig lang zog sich die Straße hin und erklomm die Höhen des höchsten Berges der Marquesas, des Tekao mit 1224 Metern. Selbst sieht man ihn nur selten vollständig, weil er meist in den Wolken steckt. Von der Straße zwischen Taiohae und Hatiheu erblickten wir auch das weite Tōviʻi-Plateau mit 1200 Metern. Hier grasen Kühe auf den Weiden, halbwilde Pferde laufen die Straßen entlang, und auch größere landwirtschaftliche Gehöfte waren zu sehen.
    Deutlich kühler und sehr windig war’s hier oben, beim Aussteigen riss es mir unerwartet die Autotür aus der Hand. Die Kiefern hier waren am Spätnachmittag so satt-grün und ihre Nadeln so überdimensioniert lang, dass wir aus dem Staunen nicht herauskamen, es sah aus wie ein Märchenwald. Auf der höher gelegenen Piste veränderte sich die Vegetation deutlich, die Palmen und Farnbäume waren plötzlich nicht mehr vorhanden, die langnadligen Kiefern beherrschten das Bild.
    Das moderne, neue, rel. große Flughafengebäude lag verlassen, aber die Türen, selbst der Toiletten, waren geöffnet, so dass ein Rundgang möglich war. Die 2 Flüge des vergehenden Tages waren handschriftlich auf einer weißen Tafel aufgeschrieben. Es gibt eine kleine Bar, einen Essensbereich und großzügige lichtdurchflutete Wartezonen. Ganz schön viel Geld pumpt Frankreich hier offenbar hinein… Insgesamt ein erlebnisreicher Ausglugstag!
    Nach wenigen Tagen mit auch letzten Einkäufen für die Zeit in den Tuamotus verlegten wir uns in die ruhigere Hakatea Bay. Fast rundum umgeben von hohen Bergen, die fast bis ans Wasser reichen, war sie wieder spektakulär schön.
    Von dort startete Uwe mit Resi & Werner zur mehrstündigen Wanderung zum höchsten Wasserfall franz. Polynesiens, die „Cascades de Vaipo“, 350 m hoch. Der Pfad ist beschwerlich und startet am Ende der winzigen Ortschaft. Mehrere steinige Bachläufe stellen sich in den Weg, 300 Höhenmeter sind auf 6,5 km zu überwinden. Die Kaskade selbst ist nicht gut einsehbar, selbst wenn man davor steht, und das Becken davor mit braunem Wasser nicht einladend. Außerdem wurden die Wanderer Zeugen eines ordentlichen Steinschlages in das Wasserbecken. Der Weg selbst aber führte durch atemberaubende Landschaften.
    Wenige Tage später verließen wir die herrliche Bucht, deren Einfahrt durch eine Landzunge verengt ist, wodurch der Ankerplatz weniger Schwell hat, und segelten einen Tag weiter, erneut Richtung Ua Pou.
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