• Überfahrt zu den Tuamotus

    July 24, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    Wieder einmal steht ein längerer Törn an. Es soll von Ua Pou auf den Marquesas zum Tuamotus-Atoll Amanu gehen. Die Fahrt wird ca. 530 sm betragen, und wir werden zusammen mit Carla und Volker von der Momo unterwegs sein.
    Am Freitag Vormittag stehen noch ein paar Erledigungen auf dem Programm. Um neun Uhr ist der Einheimische junge Mann Ismail bestellt. Er bringt zusammen mit seiner Frau noch einiges Obst und Gemüse. Auf den Tuamotus gibt’s nämlich im Eigenanbau nur noch Kokosnüsse , sagte er im Scherz, und wahrscheinlich wird er Recht behalten.
    Zum Nachmittag hatten Carla und Volker noch zum Kaffee eingeladen. Es gab als Mitbringsel frischen Bananenkuchen, noch am Vormittag gebacken, und lecker Zitronenkuchen von Carla. Volker half mir danach noch dabei, den Außenborder an Deck zu hieven.
    Gegen 16:45 Uhr starteten wir dann die Überfahrt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, und bald konnten wir einen stimmungsvollen Sonnenuntergang genießen. Die Nacht verstrich ohne besondere Vorkommnisse. Schön war es, die Momo stets an unserer Seite zu wissen, wir konnten immer ihre Lichter am Horizont erkennen.
    Der nächste Tag brach mit einem schönen Sonnenaufgang an, und mit ihm hatte ich gleich zwei Bisse an der Angel. Der erste muss ein sehr großer Fisch gewesen sein. Es ruckte nur kurz und kräftig, dann hatte er sich wieder losgemacht. Den zweiten Fisch konnte ich zumindest bis in Sichtweite heranziehen, bevor er ebenfalls entschwand.
    Gegen Mittag legte sich der Wind etwas, und wir beschlossen, den Gennaker zu setzen. Die anfangs unangenehmen Wellen beruhigten sich immer mehr, und bald glitten wir angenehm auf dem Meer dahin. So schön kann Segeln sein. Die ganze Nacht hindurch segelten wir mit dem Leichtwindsegel, kein Squall versetzte uns in Schrecken.
    Am Morgen des zweiten Tages klingelte es wieder an der Angel. Ein schwerer Brocken hing dran, und ich hatte ganz schön zu ziehen, bis ich den Fisch bis zum Heck gezogen hatte. Es war ein 9 kg schwerer Bonito, den ich aus dem Wasser hieven konnte. Etwas zum Leidwesen von Doris, die sich einen MahiMahi gewünscht hatte. Wenig später bimmelte es an der zweiten Angel, hier konnte ich ganz leicht einen Barrakuda an Bord ziehen. Normal essen wir diesen nicht, da die Fischart sehr von Ciguatera befallen ist, das sich über Riffische in den Räubern anreichert. Da wir aber weit vom Riff entfernt waren und er unter 1 Meter mass, haben wir ihn dann doch filetiert. Am Abend erlebten wir wieder einen sehr schönen Sonnenuntergang, den wir mit einem alkoholfreien Bier, seitlich auf dem Deck sitzend, genossen.
    Die Nacht zum Montag war dann leider nicht ganz so ruhig, unser Autopilot stieg insgesamt 3 mal aus. Immer bei geringem Wind und kräftigen Winddrehern im Windfahnenmodus. Ich stellte schliesslich den AP auf Steuerkursfixierung ein, und damit hatten wir dann keine weiteren Ausfälle mehr. Gegen Morgen nahm der Wind immer mehr zu. Ich dachte schon mehrfach übers Reffen nach, aber genau zu dem Zeitpunkt, als ich mich dazu entschlossen hatte, ließ der Wind jeweils nach. Also, Segel wieder hoch. Mit dem Wind stellten sich natürlich auch wieder die Wellen ein, und so wurde aus einem sonnigen Tag eine wilde Schaukelparty, nachdem der Wind gegen Mittag nachließ, die Welle aber stehenblieb. Diese kam genau von vorn und ließ unsere Vitila so springen, dass wir uns wie beim Rodeo Reiten fühlten. So ging das bis zum Abend, der wieder versöhnlich mit einem tollen Sonnenuntergang endete.
    Die folgende Nacht war von Timing geprägt: Wir wollten ja nicht zu spät und nicht zu früh am Pass ankommen. Volker band schon das 1. Reff ein, und genau dann ließ der Wind wieder nach. Ankunft 10:30 vermeldete mein Plotter. Etwas zu spät, aber der Wind sollte ja nochmal auffrischen. Das tat er dann auch, und die Ankunftszeit verschob sich postwendend auf 6:30 Uhr. Die Momo steuerte den Pass direkt an und erreichte dieses Ziel um 7:00 Uhr. Ich peilte etwas nördlicher an und ließ mich dann zum Pass treiben. In der Zwischenzeit hatte Volker schon zur Passpassage angesetzt, was sich im Nachhinein als etwas zu früh herausstellte, da er noch 5-6 Ktn Gegenströmung parieren musste. Ich war für diese Info dankbar, und wir warten den passenden Zeitpunkt ab.

    Dies sollte sich im Nachhinein als Rettung herausstellen. Bei den nächtlichen Drehungen im Wind hatte ich schon ein Überspringen des Bowdenzuges im Lenkgetriebe gespürt. Ich war also schon vorgewarnt. In dem Moment, als ich zur Passpassage ansetze, versagte die Lenkung komplett, das Lenkrad drehte lose durch. Doris erschrak und riet zum Abbruch. Ich hatte mich aber schon gedanklich auf dieses Szenario vorbereitet und eine Route auf dem Plotter durch den Pass angelegt, die dann der Autopilot „nur“ abfahren mußte. Der Autopilot lenkt nicht über dieses Lenkgetriebe! Das funktionierte fast perfekt, jedoch kamen wir seitlich sehr nahe ins Flachwasser, und ich steuerte unsere Vitila über den Autopilot unter Zuhilfenahme der Motoren sicher ans Ziel. Der Autopilot arbeitet ja immer mit etwas Verzögerung. Wir hatten zum Glück nur noch knapp 1 kt Gegenströmung im Pass, nur dadurch war die Passage unter diesen Bedingungen überhaupt möglich geworden.
    Insgesamt war es ein toller Segeltörn mit gut ausgesuchtem Wetterfenster und stabilem Wind. Danke auch noch einmal an Volker und Carla, die immer in unserer Nähe blieben. Es ist immer ein gutes Gefühl, Freunde in Reichweite zu haben.
    Unser Gedanken tauschten wir dann auf der Momo bei einerTasse Kaffee und selbstgebackenem Kuchen aus.
    Read more