Überfahrt mit Zeitnot - von Hao nach Raroia
August 9, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 25 °C
Die spannende Frage lautete heute, würden wir rechtzeitig an unserem Ziel ankommen? Anders als sonst konnten wir diesmal unseren Start nicht frei festlegen, weil wir auf die Slacktimes, sprich Hoch- oder Niedrigwasser an den Pässen, angewiesen waren. Dabei strömt das Wasser idealerweise gar nicht oder nur langsam durch die Engstellen zu den Lagunen der Atolle. Für uns hieß das 166 sm in 25 h zurückzulegen. Der Wind kam aus 150°, also raumer Wind, und wehte zwischen 10 und 17 Ktn. Wellen waren bis zu 2,8 m vorhergesagt, da weiter südlich von uns ein Sturm tobte. Es waren also nicht die besten Voraussetzungen, aber günstigere Wetterfenster waren nicht vorhanden.
Hochwasser war für Hao lt. Garmin für 12:41 Uhr vorhergesagt, Carla hatte eine Uhrzeit von der App Shom.fr von 11:25 Uhr herausgefunden. Bisher waren wir immer zu früh am Pass gewesen, also trafen wir uns in der Mitte. Die erste Herausforderung bestand aber schon einmal darin, die Anker hochzubekommen. Auf dem Ankergrund in 15 m Tiefe wimmelte es nur so von Bommies, und unsere Ketten hatten sich schön darin verhakt. Letztlich bekamen wir die Kette ohne Zuhilfenahme der Tauchausrüstungen frei und starteten kurz vor zehn Richtung Pass.
Ganz gemütlich ging es mit nur der Genua voran. Pünktlich um 11:30 Uhr trafen wir an der Passdurchfahrt ein, aber was war das, keine Welle im Pass zu sehen? Im Gegenteil. Wir erwarteten eigentlich eine einkommende Strömung, wurden jedoch mit 2 Ktn Schub nach draußen unterstützt. Auch gut, so hatten wir eine Stunde gewonnen. Wir hatten auch schon gelesen, dass sich die Strömungsverhältnisse mitunter stark zeitversetzt zu den eigentlichen Slacktimes verändern, nicht zuletzt abhängig von Wind und Wellen im Atoll. Und bei Flut gelangt an mehreren Stellen auch Wasser übers Riff nach innen, also kann die Lagune voller sein als normal, und entsprechend länger dauert das Auslaufen bei Ebbe. Man sollte sich letztendlich immer vor Ort orientieren und die Durchfahrtszeit ggf. anpassen.
Nun stand die nächste Aufgabe an. Welches Segel wird gesetzt? Vorbereitet hatten wir das Levante. Der Wind kam aber doch recht seitlich. Also entschlossen wir uns kurzerhand für das Groß incl. Gennaker. Der Wind mühte sich redlich, aber mehr als 10 Ktn. in der Spitze kamen nicht heraus, eher so 8-9 Ktn. Das zusammen mit einer sehr kabbeligen Welle führte zu schlagenden Segeln. Doris hätte sie am liebsten wieder reingenommen. Was aber viel schlimmer war, würden wir so überhaupt unseren Zeitplan schaffen, oder müssten wir noch eine Nacht vor dem Raroia Pass dranhängen?
Mit leichtem Wind ging es in die Nacht hinein. Die Momo immer um die 2 sm voraus. Als ich um kurz vor 12 aus meiner ersten Freiwache kam, waren sie auf einmal knapp fünf sm voraus, hatten sie gezaubert? In meiner Schicht pünktlich zum Schichtwechsel trafen die ersten Squalls ein, und mit ihnen der Wind. Man weiß ja nie, was in so einem Sqaull steckt. Sollten wir unser Leichtwindsegel runter nehmen? Aber jedes Mal löste sich die Regenwolke vor uns auf. Am Morgen, alles grau in grau, frischte der Wind dann doch noch mehr auf, und es stand das erste Mal wieder die 12 auf dem Plotter am ersten Zielpunkt. Sollten wir es doch noch hinbekommen? Aber wann sollte der Gennaker runter? Diesen wollten wir ja nicht dem Zeitplan opfern. Als die Böen schließlich über 20 kt. anstiegen, holten wir das leichte Tuch herein, es ging mit Genua und Groß weiter. Der Wind blieb uns erhalten, bis auf eine kleine Pause, als ein großer Regenschauer über uns hinwegzog. Und tatsächlich, um 11:30 Uhr, eine halbe Stunde früher als erhofft, erreichten wir den ersten Zielpunkt meiner Routenplanung. Diese erstelle ich immer tags vorher sorgfältig mit „active Captain“ und kopiere diese fertige Route direkt in den Plotter. Der Autopilot fährt sie brav ab. Diese neue Methode war echt ein Gamechanger für mich.
Der Abstand zur Momo hatte sich unterdessen merklich verringert. Genau zwischen den beiden Atollen traf uns dann ein kräftiger Squall. Der Wind stieg von 17 auf 27 Ktn an, und wir hatten noch Vollzeug draußen. Die Halse, die jetzt anstand, musste erstmal warten, wir mußten zunächst die Böen abwettern. In diesem Moment meldete sich auch noch die Angel. Aber auch diese ließen wir erstmal weiter bimmeln….
Mit Nachlassen des Windes kam erstmal die Genua rein, und nur mit Groß führte ich den Kurswechsel durch. Jetzt schenkte ich wieder der Angel meine Aufmerksamkeit und konnte einen kleinen Bonito herausziehen. Da wir aber noch genug Bonito im Frost hatten, ging unser Ruf zur Momo, und Volker und Carla nahmen unser Angebot für frischen Fisch dankend entgegen. Ich filetierte ihn sauber, und Doris verstaute die Fischstücke in der Kühlung, es würde ja noch etwas dauern, bis wir sie übergeben konnten.
Gemütlich ging es dann in den letzten Abschnitt der Segelpassage, dem Pass entgegen. Die Welle war gering, sie wurde schon vom Atoll abgehalten. Auf den letzten Metern schmolz der Abstand auf unsere Freunde weiter, und gemeinsam erreichten wir um 13:30 Uhr den Pass von Raroia. Das Wasser lief bereits aus dem Atoll, jedoch stellten uns die 3 Ktn Gegenströmung in dem breiten Durchgang vor keine Probleme, unsere Motoren schafften es locker, und meine Lenkung war ja auch repariert. Zügig fuhren wir auf die gegenüberliegende Atollseite, um im Schutz der Motus zu ankern. Alles in allem eine schöne Überfahrt, mit etwas unschönem Wellengang. Das Timing hat letztlich super gepasst.Read more









TravelerSuper !!
Catamaran MahanaPrima !
Catamaran Mahana
Herrliche Bilder