• Tauchen in Fakarava - Doris‘ längster Tauchgang

    September 17 in French Polynesia ⋅ ☁️ 27 °C

    Was hatten wir uns schon auf das Tauchen in Fakarava gefreut. Inspiriert durch den Film "700 Haie in der Nacht" auf ARTE wollten wir gern die Wall of Sharks sehen.
    Unsere Nachfrage in den Tauchbasen ergab allerdings, dass es keine freien Plätze in den nächsten Tagen gab. Zur Einführung hätten wir uns vielleicht einen geguideten Tauchgang gegönnt, aber was soll’s, mussten wir halt gleich allein, zusammen mit Volker und Carla ran.
    Der erste Tauchgang startete dann bei einlaufender Strömung, eine Stunde nach Slacktime, also nach dem Hochwasser. Abgesprochen war, dass wir uns mitten durch den Pass treiben lassen mit den Dinghis an der Leine und dann hinten am Korallengarten wieder auftauchen. Gesagt getan. Was Doris und ich nicht mitbekamen war, dass Volker nach dem Abtauchen einen Guide gesehen hatte, der ihn heftig zur Wand winkte. Man sollte offenbar nicht mit den Haien mitten durch den Pass treiben. Wir zwei also weiter mitten durch, wo waren Volker und Carla denn abgeblieben?
    Wenig später sahen wir mehrere Taucher ruhig auf einem Felsvorsprung, dem „Balkon“ schweben/liegen und die Haie beim Vorbeiziehen beobachten. Aha, da sollte man als braver Taucher hin. Wir sind allerdings weiter mitten im Pass, anfangs auf 26 Meter Tiefe, bei voller Strömung an den Tauchern und Haien vorbeigetrieben, wir konnten jetzt auch gar nicht mehr anders, es pfiff ganz schön… Wir haben bestimmt ein interessantes Fotomotiv abgegeben 🙈.
    Allmählich hatten wir uns dann auf eine Tiefe von 18 m eingependelt, und der Pass wurde langsam flacher, so dass ich unsere Fahrt mit einem Riffhaken stoppen konnte, um erst einmal auf Carla und Volker zu warten. Diese kamen dann nach ungefähr 5 Minuten angeschwommen. Auch Volker hakte sein Dinghi am Passboden ein, wir Frauen, also die Divebuddys, hielten sich an den Leinen fest. Jetzt spürte man die volle Wucht der Strömung, es presste einem die Maske ins Gesicht, und etwaige Segelohren lagen mit einemmal flach am Kopf an. Wir hingen noch am Seil zum Dinghi in dieser Strömung und überlegten wie es weitergehen sollte. Doris machte mir Zeichen, ich verstand aber nicht was sie meinte. Kurz danach befreite ich uns von der Koralle und wir trieben weiter durch den Pass, der wenig später sehr rasch flacher wurde. Dadurch beschleunigte sich die Strömung noch mehr.… Wir schossen in einem gefühlten Affenzahn über einen Korallengarten hinweg, der glücklicherweise keine hervorstehenden Elemente aufwies. Es wurde rasch flacher, und auf 3 Meter war klar, dass wir unseren vorgeschriebenen Dekostopp 3 Minuten auf 5 (!) Meter verpasst hatten. Ich hatte mit dem Aufrollen der Leine vom Dingi, immerhin knapp 30 m, und der Kamera in der Hand ganz schön zu kämpfen, um die Tiefe zu halten. Als Ersatz- Sicherheitsstopp gelang es uns, länger noch auf 3 Meter dahinzuschweben. Nach mehreren Minuten im Flug stiegen wir zum Dinghi auf. Oben erklärte mir Doris , dass sie ihren Tauchcomputer verloren hätte. Das hatte sie mir unter Wasser zeigen wollen… Schöner Mist!
    Als wir dann beide im Dinghi waren, sah ich Volker auch in seinem Dinghi, aber wo war Carla? Sie hatte sich in der Strömung nicht mehr an der Leine festhalten können und war abgetrieben. Und Volker hatte noch unten bleiben müssen, da er den Haken vom Dinghi in der Strömung nicht so leicht aus dem Felsen bekam. Carla war inzwischen schon alleine aufgetaucht. Volker sammelte sie mit dem Schlauchboot rasch ein. Puh, alles nochmal gut gegangen, aber insgesamt ein chaotischer Tauchgang. Da bestand - auch sicherheitstechnisch - definitiv noch Luft nach oben.
    Am folgenden Tag stiegen wir gleich etwas näher an der Riffwand aus und hielten uns in der Nähe, fanden auch wenig später den Balkon. Hier hatten wir nun das ganz große Kino. Nicht ganz allein, mehrere Tauchgruppen teilten sich mit uns das Geschehen. War aber toll, wie die vielen grauen Riffhaie vor uns ihre Runden drehten.
    Am nächsten Tag sollte es zur Abwechslung ins Blaue draußen vor dem Pass, und dann wollten wir hineintauchen, aber Pustekuchen. Die Strömung am Außenriff trieb uns in die falsche Richtung, und bevor wir den Pass erreichten war unsere Luft schon aufgebraucht.
    Aber wir gaben nicht auf. Am Folgetag stiegen wir zum sog. „Rosengarten“ ab. Ein Tauchboot ließ seine Taucher an der gleichen Stelle ab, so konnten wir ja nicht all zu verkehrt sein. Wir hefteten uns etwas an ihre Flossen und wurden nicht enttäuscht. Wir fanden die flachen Korallenformationen, die blütenblattartig angeordnet sind. Sehr schön! Geruhsam kamen wir danach ganz entspannt am Unterwasser-Balkon an und konnten wieder die vorbeiziehenden Hai genießen. Bis kurz vor 80 Bar genossen wir das Treiben und tauchten dann langsam auf. Ein sehr schöner Tauchgang. Diesmal hatte alles funktioniert.
    Inzwischen hatten sich auch Janette und Harald mit ihrer HuiHui zu uns gesellt. Sie bekamen ebenfalls keinen Tauchgang in einer Basis, und Volker bot ihnen an, als ihr Personal Guide einen Tauchgang mit ihnen zu machen. Wir schlossen uns an, wollten aber nicht zu lange am Aussichtsbalkon bleiben, sondern noch einmal nach dem verloren gegangenen Tauchcomputer schauen. Den Balkon verfehlten wir zwar knapp, fanden aber dann noch eine andere Ausguck-Stelle ohne fremde Taucher und noch dichter an den vorbei schwimmenden Haien, traumhaft.
    Nach 15 Minuten seilten wir uns ab und tauchten zum Passboden an die Stelle, wo ich Doris’ Tauchcomputer vermutete. Die Strömung hiel sich zum Glück diesmal noch in Grenzen. Zweimal hakte ich den Riffhaken ein und ließ mich an der Dinghileine etwas nach oben treiben um einen Überblick zu erhalten. Und tatsächlich sah ich beim zweiten Stopp etwas Glänzendes im Wasser blinken. Ich gab Doris ein Zeichen und sie konnte ihr teures Stück bergen. Es lag noch genauso da wie vor 4 Tagen, umgedreht, die pinkfarbenen Armbändern nach oben gereckt. Etwas konnte man die Farbe erahnen, aber auf 16 m gibt es kein Pink mehr, es war eher ein Graublau. Leider hatte der Computer nach den 4 Tagen etwas Wasser gezogen. Nach einer reichlichen Spülung und anschließendem langsamen Trockenen konnte ich ihn dann mit einer neuen Batterie doch wieder zum Leben erwecken. Bestimmt wollte das Tauchprogramm mit Doris gehörig schimpfen, warum sie denn bitteschön 4 Tage unter Wasser geblieben war? Wir haben den Tauchgang bis heute nicht im Logbook aufgerufen…
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