• Ein neuer Tag beginnt

    August 16 in Uganda ⋅ ☀️ 23 °C

    Ich liege im Bett und lausche den Geräuschen der Nacht, bevor wir in einen neuen Safaritag starten. Gestern Abend hat es in der Ferne wieder geregnet. Die Luft ist feucht und schwer, Nebel senkt sich über Kidepo Valley. Wir überblicken das Tal und seine markanten Bergketten. Ein Nebelband umgibt sie wie ein Schal. Die Sonne taucht die Landschaft in ein fahles, magisches Licht.

    Kidepo Valley offenbart uns sein gesamtes Antilopen-Repertoire, schlammbedeckte Wasserbüffel und Warzenschweine. Hier gibt es die größte Anzahl an Büffeln und die zeigt sich uns heute in ihrer gesamten Masse. Wie eine dunkle Linie ziehen sie sich durch die Landschaft. Tausende Büffel. Gleichmäßig und lautlos gleiten diese massiven Tiere durch das hohe Gras. Manche ziehen geruhsam an uns vorüber, andere Gruppen erschrecken, brechen aus der Perlenschnur aus und sammeln sich in einer Gruppe, beobachten uns und rennen schließlich davon. Plötzlich sind wir vollkommen umrundet von Büffeln, Siemens sehr genau beobachten und schließlich ebenfalls das Weite suchen. Wir durchqueren das agradándoos und die Büffel nehmen kein Ende.

    Wir wollen zum Crocodile Pond. Die Pads sind hier kaum zu sehen. Allenfalls zwei schmale rote Streifen im tiefen Gras. Hinweisschilder gibt es in Ugandas Parks ohnehin keine. Eingetrichterte müsste jetzt eine Abzweigung kommen. Sie ist jedoch nicht zu sehen. Oder doch? Diese schwachen Linien vielleicht. Wir versuchen es, folgen ihnen und ja, das konnte die Pad sein. Man kann ihr folgen. Das Gras wird noch höher und überragt das Auto. Wir queren Flussbetten, die kaum noch zu queren sind. Die Wagenspuren sind tief in den Boden hineingedrückt und überwachsen. Und dann ist definitiv Schluss. Hier gibt es kein Durchkommen mehr. Wir müssen wenden. Und dann passiert es. Die Hinterräder stecken in den tiefen Wagenrinnen fest. Es gibt kein vor und kein zurück mehr. Und das im meterhohen Gras, weit weg im tiefsten Buschland. Wir versuchen das Auto aufzuschaukeln. Die Räder rutschen über das Gras und drehen durch. Wir lassen sie drehen. Es raucht, qualmt, dreht und so fräst sich der Wagen ganz langsam aus der tiefen Rinne, bis die Räder wieder Gripp haben und wir mit einem Ruck ausfahren können. Glück gehabt. Doch wir geben noch nicht auf. Einen Ort kann man immer von zwei Seiten erreichen. Die anderen Pads sehen zunächst deutlich besser aus. Doch dann wird es wieder sehr schmal und bewachsen. Dieses Mal ist das Ende unübersehbar. Wir stehen vor dem Meter tief eingegrabenen Flussbett des Naurus Flusses. Auf der anderen Seite geht die Piste weiter. Aber das Wasser hat den Übergang weggespült. Hier waren schon lange keine Fahrzeuge mehr. Wir besehen uns den Fluss, von Büffeln beobachtet und drehen um. Der Pond ist nicht erreichbar.

    Also fahren wir in den östlichen Teil des Naurus Tals. Viele Hartbeast leben hier. Die scheuen Zebras verschneiden viel zu schnell. Tolle Felsformationen tun sich vor uns auf, in deren Schatten sich Tiere verstecken.
    Wir erreichen ein großes Wasserloch und beobachten die trinkenden Zebras. Zu unserer großen Freude entdecken wir auch nochmals die Selma Antilopen. Schakale kreuzen unseren Weg und ein Geier thront auf einem ausgetrockneten Büffelkadaver. Offenbar ist das Nahrungsangebot.so groß, dass hier nicht mehr aufgefressen wird.

    Wir entfliehen der großen Mittagshitze und machen eine Pause. Im frühen Nachmittag fahren wir nochmals los. Eine große Herde Elefanten macht sich über einige Büsche her. Der Himmel ist mittlerweile tiefgrau und die Wolken sind voller Regen. Eigentlich hatte ich später damit gerechnet. Doch unterhalb von Sekunden öffnet der Himmel seine Schleusen. Ein Regen, wie der vor zwei Tagen geht nieder, der innerhalb von wenigen Sekunden alles unter Wasser setzt. Bäche rauschen entlang der Pisten. Der gepresste Staub wird weicher Brei. An Weiterfahren ist erst einmal nicht zu denken. Als die Sicht langsam klarer wird fahren wir los. Wir müssen durch das Flussbett und hoffen, dass es nicht vollgelaufen ist. Es passt. Wir sind noch zeitig genug. Doch das Wasser strömt von allen Seiten herbei. So endet dieser Tag unverhofft zeitig.
    Als ich das Auto gut regenverpackt verlassen habe, bricht der Stegen nochmals richtig los. So nass war ich selten. Als ich die Schuhe umdrehe, fließt ein ganzes Schwimmbad heraus, wie soll das je wieder trocknen. Als ich gerade halbwegs trocken angezogen bin, ist der Strom weg. So sitze ich im dunklen Zelt. Nach einiger Zeit lässt der Regen kurz nach und ich eile mit dem Laptop in die Lobby. Später ist der Strom wieder da, die Sonne versucht sich auch nochmals kurz, aber wenig erfolgreich. In der Dunkelheit zucken die grandiosesten Blitze über den Himmel. Was für ein Naturspektakel.
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