Yamdrok Tso See 4400m
6 April, China ⋅ ⛅ 8 °C
Eine zunächst leicht geschwungene Serpentinenstraße führt vom Brahmaputra weg in die Berge, endlos lang in Richtung Himmel. Es wirkt ein wenig surreal, der phantastisch blaue Himmel und die ungewöhnlichen Lichtreflexe, die die umliegenden Berge wie ein seidener Schleier umgeben. Es geht vorbei an kargen Almwiesen, auf denen Yaks und Schafe grasen. Alles gleicht sehr stark einer normalen Alpenszenerie. Nur verschieben sich hier die Höhen für Europäer in schwer nachvollziehbare Dimensionen. Wir befinden uns nicht auf 1800m, sondern auf 3800m. Die umgebenden Berge wirken niedrig, weil wir bereits so hoch sind.
Auf dem Friendship Highway nähern wir uns dem Khamba La Pass (5.030m). Je höher wir fahren, desto mehr spüren wir, wie der Druck im Körper zunimmt. Aber nicht nur für uns, auch für den Motor ist die Höhe eine Strapaze. Das Auto zeigt ebenfalls Symptome der Höhenkrankheit, denn der akute Sauerstoffmangel verändert auf dramatische Weise den Verbrennungsprozess und raubt der Maschine viele der normal vorhandenen PS. Nur mit Mühe kämpft sich der Wagen durch die dünne Luft dem Zenith des Passes entgegen. Immer wieder brummt es im Wageninneren und Sauerstoff wird hineingeblasen. Das ist bei dieser Höhe bestimmt kein Schaden. Wir schrauben uns in unzähligen Kehren und Windungen langsam die Berge hinauf. Dabei blicken wir in vom Regen ausgespülte Schluchten und auf die Sommerquartiere der Nomaden. Tief unter uns glänzt der Brahmaputra in der Sonne. Die Natur hat alle Register gezogen, so meine ich. Wie sehr ich mich da doch täusche.
Auf dieser Höhe sind die optischen Eindrücke eigentlich gar nicht so erdrückend, da man hier zwischen seinem Standpunkt und den umliegenden Bergen nur eine Höhendifferenz von 1.500 bis 2.500m wahrnimmt, mit dem kleinen Unterschied jedoch, dass man von ungezählten 6.000-ern und sogar einem 7.000-er umgeben ist. Die harmlos erscheinende schneefreie Passhöhe liegt knapp 200m über dem imaginären Gipfel des Mont Blanc, der höchsten Erhebung Europas.
Der Pass führt uns zum Yamdrok-Tso See. Wir haben einen spektakulären Panoramablick auf den herrlichen, skorpionsförmigen, türkisfarbenen, heiligen See. Er liegt in 4440m Höhe über dem Meeresspiegel, hat eine Fläche von 640 Quadratkilometern und ist der größte Süßwassersee Tibets. Sein Name bedeutet „grüner Jadesee der oberen Alm“, was wegen seiner türkisen Farbe sehr zutreffend ist. Hinter dem See erhebt sich majestätisch der schneebedeckte Gipfel des Ningjin Kangsha (7206m). Leider versteckt er sich hinter den Wolken, die langsam zunehmen. Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen, um das Schauspiel aus Licht und Schatten, hellgrünem und dunkelgrünem Wasser zu erleben. Es ist grandios.
Die Luft ist kalt und klar. Wir spüren sehr deutlich, dass sie dünner geworden ist und wir weniger Sauerstoff als in Lhasa zur Verfügung haben. Die wenigen Schritte, die wir hier oben machen, um gerade mal die nächste Position für ein noch schöneres Foto zu erreichen, machen uns mal wieder deutlich, dass wir uns in einer Extremsituation befinden. Dabei haben wir uns in Lhasa so gut an die Höhe gewöhnt. Also langsam. Wir kennen das ja schon. Nach jeder geringfügigen Belastung erhöht sich der Puls schlagartig und das gierige Atmen reicht nicht aus, um dem Blut genügend Sauerstoff zuzuführen. Die Chinesen haben alle eine kleine Umhängetasche dabei, in der sich eine Sauerstoffflasche befindet und den kleinen Schlauch in der Nase. Das ist zwar Luxus, aber ich finde, wenn man schon in solche Höhen reist, dann sollte man sie auch ein wenig spüren. Nicht als Höhenkranke, aber als Grenzerfahrung für den Körper. Wir genießen die spektakuläre Aussicht auf den See, spüren die Weite und andererseits die Größe und Kraft der Berge. Wir entdecken die weich erscheinenden Mooskissen, die steinhart sind und die wir aus den Anden bereits kennen. Noch sind sie nicht grün. Aber der Frühling beginnt auch eben erst. Nach einiger Zeit reißen wir uns von diesem Anblick los und fahren weiter zum Karo-La Pass.Baca lagi
















ChrisWanderLustMont Blanc? 🤔 Ist das nicht der Elbrus mit >5.600m?
Andrea on TourTolle Berichte und viele Informationen. Herzlichen Dank ♥️
PengembaraVielen Dank. Ich mag Informationen und finde manchmal, dass es zu wenig gibt. Wer sie nicht mag, muss sie ja nicht lesen. 😂