Bei den Karamojong
August 18 in Uganda ⋅ ☁️ 31 °C
Wir treffen unseren "Guide" aus dem indigenen Volk der Karamojong, der uns als Übersetzer ins Dorf begleitet, uns die Kultur zeigt und es uns ermöglicht im Dorf zu übernachten. Das Volk ist eines der ursprünglichsten und traditionsreichsten Völker Ugandas. Es sind Viehhirten und Krieger, deren Kultur eng mit dem Leben ihrer Rinderherden verbunden ist. Wir erfahren mehr über ihre Traditionen, Rituale und Handwerkskunst, von kunstvollen Perlenverzierungen über den Bau ihrer Hütten bis hin zu ihren spirituellen Gesängen, die den Lebensrhythmus ihrer Gemeinschaft widerspiegeln. Die Menschen leben in einer festen Dorfgemeinschaft. Im Dorf leben etwa 800 Personen.
Nachdem wir im Dorf angekommen sind, betreten wir unsere Manyatta. Adschoka - so werden wir von allen freundlich begrüßt. Das ist der Hof oder Kraal der Familie, bei der wir wohnen. Wir werden in einer Rundhütte aus Lehm mit Strohdach und gestampftem Boden, der mit Kuhdung gegen Insekten bestrichen worden ist, übernachten. Uns erwarten zwei Matratzen mit Leintüchern und die typischen Decken, die auch die Massai tragen. Nachdem wir uns kurz eingerichtet haben, spazieren wir durchs Dorf. Eine Manyatta gehört einer Großfamilie. Jede Einzelfamilie hat ein Rundhaus. Alle zusammen sind von einem geflochtenen Zaun umgeben. In den Rundhäusern wird gewohnt, in den riesigen Körben mit Strohdach lagern Lebensmittel. Mit Dornen umrandete Bereiche sind nachts für die Ziegen bestimmt. Die Kühe befinden sich vor der Manyatta in einem eingezäunten Bereich. Mit betritt die Manyatta durch eine niedrige Türöffnung, die aus Baumstämmen gebildet wird. Nachts wird sie mit einem großen Dornenast, wie einem Korken verschlossen. Die Innenhöfe sind sauber gefegt, es gibt eine Kochstelle und einen Bereich fürs Waschen. Die Männer sitzen auf kleinen Holzschemeln im Schatten zusammen und trinken Bier. Dabei unterteilen sie sich in die Alten und die Jungen. Die Gruppen dürfen nicht vermischt werden. Die vermögenden Männer tragen einen Elfenbeinring am Finger. Die Größe des Rings zeigt den Reichtum an. Reichtum definiert sich am Besitz des Viehs. Reichtum wird sozusagen an den ersten Sohn vererbt. Wer arm ist, kann nicht reich werden. Heute ist es aufgrund des Jagdverbots von Elefanten schwierig einen neuen Elfenbeinring zu bekommen. Die Männer haben bis zu 4 Frauen. Der Mann muss den Brautpreis bezahlen. Wer also viele Töchter hat, wird reich. Allerdings braucht es schon einen Sohn, sonst hat man keinen Erben für den erworbenen Reichtum.
Kommt ein Kind auf die Welt, wird es sofort nach der Geburt mit der Tradition des Biertrinkens vertraut gemacht. Und auch sonst werden die Kinder so früh wie möglich an die Aufgaben es Lebensherangeführt. Jungen ab 3 Jahren müssen die Ziegen in die Wildnis ausführen und hüten. Die älteren Jungs sind mit den Kühen unterwegs. Die Mädchen holen das Wasser und tragen dabei über 10kg auf ihren Köpfen. Die Feldarbeit, das Feuerholz holen etc. sind alles Aufgaben der Frauen. Die Männer kümmern sich um die Kühe und die Finanzen. Am Nachmittag, wenn die Arbeit vollbracht ist, treffen sich alle zum Tanz. Je nach Spaß kann mehrere Stunden getanzt werden. Die Kinder sitzen dabei und sehen zu. Mucksmäuschen still sind sie. Die Kleidung ist äußerst ungewöhnlich. Alle tragen gestreifte Polo Shirts und bunte Röcke, die Männer einen bunten Hut auf dem Kopf. Perlenschmuck wird von allen getragen. Nach dem Tanz werden Sitzbänke in eine Manyatta getragen. In der Mitte steht ein großer Tonkrug mit Bier und davor liegt ein Schaffell. Hier treffen sich nun alle Männer und tauschen sich über den Tag aus. Viele Männer tragen neben einem Stock immer ihren kleinen Holzschemel mit sich. Dabei sind die alten und jungen Männer wieder für sich. Man kniet sich auf das Schaffell und trinkt Bier. Auch wir sind dabei. Das Bier hat einen Nachgeschmack von Schokolade. Wir werden von allen sehr herzlich begrüßt und mehrfach gesegnet. Dabei erhalten wir auch neue Namen. Da der Mond sehr hell scheint, heiße ich nun Nachao, was so viel bedeutet, wie helles Licht, das von oben kommt. Moritz heißt Nateolo, der zu uns als Gast kommt. Während das Bier getrunken wir, stimmen die Männer einen Gesang an. Die Frauen und Kinder sin in einer anderen Manyatta. Auch sie singen. Die Gesänge verbinden sich. Der Tag war lange und so gehen wir irgendwann ins Bett. In unserem Haus ist es angenehm warm und ich bin überrascht, wie warm die Decke während dieser Nacht hält. Wir schlafen ausgezeichnet bis uns der Hahn am nächsten Morgen weckt. Es wird gerade langsam hell. Die Kühe werden gemolken. Das heißt, das Kalb darf trinken und die Kuh anregen Milch zu geben. Dann wird es angeknotet, die Kuh gemolken und zum Schluss darf das Kalb trinken. Da der Regen ausgeblieben ist, finden auch die Kühe kaum etwas zu fressen. Sie haben wenig Milch. Es bleibt auch hier nur wenig für die Menschen.
Überall entdecken wir nasse Flecke im Sand. Man geht aufs Klo, wo man eben steht. Das große Geschäft wird vor dem Dorf verrichtet. Überall treffen wir auf Menschen, die Zähne putzen, also den uns bereits bekannten Ast verwenden, um die Zähne zu putzen. Die Männer sitzen wieder auf ihrem Holzschemel. Die Mädchen gehen Wasser holen, die Jungen verlassen mit den Ziegen und Kühen das Dorf. Einige Kinder gehen zur Schule. Sie tragen keine Schuluniform. Dafür reicht das Geld nicht. Die Frauen kümmern sich um alles andere.
Wir erhalten einen tiefen Einblick in eine Lebensweise, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Unter funkelndem Sternenhimmel lauschen wir den Geschichten der Krieger, der Musik und den Rhythmen, die zum Tanz einladen. Wir spüren die tiefe Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur. Wir sind froh, eines der letzten Naturvölker Afrikas besucht zu haben. Die Zeit bei den Karamojong hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei uns. Authentischer kann ein Besuch nicht sein. Wir sind einfach überall dabei. Alacharra- vielen dank für eure Gastfreundschaft.Read more












































Traveler
😍😍😍
Traveler
Was für ein eindrucksstarkes Gesicht!!!
TravelerEigentlich könnte bei allen Fotos meine Begeisterung ausdrücken. Jetzt fasse ich es mal zusammen: du hast das Leben im Dorf unglaublich gut eingefangen! 👍🏻🤩
TravelerDanke. Es war ein absolut toller Tag. Unglaublich beeindruckend, das Leben mitzuerleben. Einer meiner Lieblingstage. Wenn einen etwas begeistert, kann man es, glaube ich, auch gut fotografieren. Dann passt alles.
TravelerJa, das stimmt, aber du hast auch ein gutes Auge dafür!
Traveler🥰