• Die Quelle des Nils

    Yesterday in Uganda ⋅ 🌙 23 °C

    Unsere Routinen sind perfektioniert. Nach dem Frühstück wird das Mittagessen ausgewählt und nach dem Mittagessen gleich das Abendessen bestellt. Vergisst meine eine der Bestellungen, dauert es gut und gerne zwei Stunden, bis das Essen auf dem Tisch steht. Ziehen wir weiter an einen neuen Ort, erreicht uns irgendwann eine WhatsApp mit der Essensauswahl für das Mittagessen. Wir wählen aus und wenn wir ankommen, steht das Essen auch pünktlich auf dem Tisch. Zu Beginn der Reise war es doch etwas befremdlich, wenn ich gerade satt und zufrieden schon das nächste Essen auswählen musste und doch so überhaupt keinen Hunger hatte. Doch das System hat sich bewährt und wir haben uns längst daran gewöhnt. Auch das Frühstück muss nach dem Abendessen bestellt werden, sonst dauert es, bis Früchte kleingeschnitten und der Tee aufgesetzt ist.
    Bisher dachte ich , dass ich schon in einigen großen ugandischen Städten gewesen bin. Alles war geruhsam. Der Verkehr gering. Nachdem wir Sipi verlassen haben, wird plötzlich alles anders. Die Straßen sind voll. LKW reiht sich an LKW. Dazwischen dutzende Mini-Van Taxis, in denen problemlos 20 Personen plus Gepäck Platz finden. Die bisher frische Luft stinkt nach Abgasen. Der rote Staub, den ich nie als Dreck empfunden habe, verwandelt sich in Grauen. Die dreckige lauft macht mir das Atmen schwer. Ich trinke plötzlich viel und huste ständig. Kommen wir durch Ortschaften vermischen sich die kleinen Holzbuden mit größeren bunten Geschäften. Schränke und Sofas gibt es überall im Angebot. Laute Musik schallt uns entgegen und plötzlich ist das so saubere Uganda zugemüllt. Wir können die kleinen Marktstände nicht mehr sehen, weil dutzende Autos davor parken, Menschen steigen ein und aus, Gepäck wird verladen. Woher kommen plötzlich all die vielen Autos, die wir in den letzten Wochen auf vielen 1000 Kilometern nie gesehen haben? Überholen ist schwierig. Als wir dann doch einmal auf der Gegenfahrbahn unterwegs sind, vergisst der LKW Fahrer aus dem Congo, dass man hier links fährt. Er kommt zu uns auf die Gegenfahrbahn rüber. Wir weichen an den Rand, doch dort steht ein Motorrad. Im letzten Moment reißt der Fahrerdes Motorrads das Lenkrad zur Seite. Wir streifen das Motorrad nicht. Der Congo LKW zieht wieder nach links. Das war verdammt knapp.
    Da das Benzin im Norden von sehr schlechter Qualität ist, müssen wir jetzt dringend wieder tanken. Während die Tanks volllaufen, beobachte ich eine ältere Frau. Sie läuft zum Wasser, das eigentlich dazu verwendet wird, um die Scheiben zu putzen. Sie benützt es nun als Waschwasser und wäscht ihr Gesicht und die Hände.

    Die Route führt durch üppige Landschaften, vorbei an Bananenplantagen, Tee- und Zuckerrohrfeldern. Je näher wir Jinja kommen, desto deutlicher spüren wir den Einfluss des mächtigen Nils, der hier seinen Ursprung hat. Der Reis wächst, überall werden die Felder bestellt. Selbst die kleinsten Kinder holen hier mit 5l Kanistern Wasser. Kleine Jungs schleppen Feuerholz. Hier gibt es kaum ein Spielen. Schließlich erreichen wir Jinja, eine Stadt am Ufer des Viktoriasees. Wir fahren ans Ufer und treffen unseren Bootsführer.
    Von einem kleinen Steg im Victoria-Lake fahren wir hinaus zu dem Punkt, an dem der Nil seinen 6.650 Kilometer langen Weg zum Mittelmeer beginnt. Zunächst gleiten wir auf dem See dahin. Er hat ziemliche Wellen und unser kleines Boot schaukelt kräftig. Die Vogelwelt ist wunderschön. Wie aufgereiht sitzen sie am Ufer und scheinen sich uns nochmals zeigen zu wollen. Schließlich erreichen wir die Quelle des Nils. Das Wasser sprudelt von unten an die Oberfläche und dreht sich in Strudeln. Die Strömung und ist plötzlich sehr stark. Das kleine Boot kämpft. Wir erreichen eine kleine Insel, von der man die Hauptquelle sehen kann. Hier beginnt der längste Fluss der Welt. Was für ein Moment. Für uns schließt sich heute ein Kreis. Wir stehen jetzt am Anfang des Nils, haben ihn aber schon quer durch Ägypten begleitet, bis er ins Mittelmeer mündet. Ein toller Moment. Außerdem haben wir bereits den Albert Nil kennengelernt und erobern nun den Victoria Nil. Ein Fluss und so viele Namen. Während wir den añil hinunterfahren stellen wir fest, dass es keinerlei Wellen hat. Ganz glatt gleitet das Wasser mit uns dahin. Auf dem Rückweg gegen den Strom kämpft das Boot. Es dreht sich in en Strudeln. Die Landschaft ist ein Traum. Leider wird dieses wunderschöne Erlebnis ein klein wenig getrübt. Es gibt zwei Gerüche, die ich absolut nicht ertragen kann. Nummer eins, wenn man kein Deo verwendet und entsprechend riecht. Nummer zwei, wenn ich in ständige, Abgasqualm sitze. Egal ob von Autos oder Booten. Beides vereint sich hier zu einer ungeheuerliche. Mischung, die ich kaum ertragen kann. Ich bekomme Kopfweh und suche ständig einen Platz mit frischer Luft. Schade, denn mitten auf dem See/Nil ist die Luft eigentlich perfekt sauber. Dennoch ist es eine tolle Fahrt und das Erlebnis, am Beginn des Nils gestanden zu haben, ist grandios. Wieder mal ein Highlight dieser Welt erobert.

    Der Blick auf das Ufer mit seinen Gärten, Palmen und bunten Booten ist wunderschön. Zahlreiche Vogelarten – darunter Eisvögel, Reiher und Kormorane – begleiten unsere Fahrt. Wie begegnen nochmals Ottern. Doch sie sind hier sehr scheu und tauchen schnell in die Fluten des Flusses ab. Auf der Rückfahrt erkennen wir sehr genau die Grenze zwischen Nil und Viktoriasee. Der Nil spiegelglatt, der See mit deutlichen Wellen.
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