• Der 1 Million $ Jackpot

    May 20 in Botswana ⛅ 25 °C

    Ein Skorpion!
    Wahrlich groß!
    Der Guide zeigt ihn uns am scheidenden Nachthimmel.
    Kanana überrascht uns halb sechs Uhr morgens mit einem Frühstück an der Feuerstelle. Im ersten Grau des Tages wärmen sich die gesprächsfreien Wesen im Kreis, löffeln sich Porridge in die Schüsseln aus einem Topf vom Feuer und versuchen, wach zu werden.
    Wir auch.
    Ohne Porridge.
    Gleich sollte der glutrote Feuerball hinter dem Horizont emporsteigen, da wurden wir ein weiteres mal überrascht. Es gab Wärmflaschen im Landrover !
    So gerüstet auf dem „ bumpy seat“ ( wir wollten freiwillig ganz hinten sitzen, wo es am meisten ruckelt, weil man dort den besten Ausblick hat ) ging es auf die Pirsch.
    Die nassen Wiesen waren von Spinnenfäden überzogen und ließen das Grün im Morgenlicht glitzern wie Gold.
    Und ihr hattet auf Arbeit noch nicht die Mailbox geöffnet, da wurden wir Zeugen eines Schauspiels, für das manche nichts tun müssen und andere zwanzig Jahre drauf warten.
    Die Ibisse schlugen Alarm und sogar ein Habicht war sich nicht zu schade, warnende Signale von sich zugeben.
    Zwei Leopardenjunge, Bruder und Schwester, tobten gut sichtbar am Wegrand auf einem Termitenhügel herum. Ein Elefantenbulle ließ sich durch deren Gegenwart nicht beirren und so gab es keinen Zank oder Streit. Nur Kinderalbereien, bis, ja bis Mama Leo zur Ordnung rief. Es folgten weitere Akte des Schauspiels, welche man nur in einer privaten Konzession erleben kann. In einem Nationalpark geht man in den Knast, wenn man vom Weg runterfährt. Hier ging es über Stock und Stein, durch Matsch und Modder, ohne Eile wohlbemerkt, auf den gefleckten Spuren des Trios. Der Guide selbst hat das erst zum zweiten Mal in elf Jahren erlebt, ich und Kerstin mussten schon ein paar mal Koffer packen für so ein Erlebnis und Pferd und Holger haben das fast frei Haus bekommen. Und da war es grad erst acht Uhr 😳
    Dass in der Nähe sich Löwen bemerkbar machten mit ihrem durchdringenden Gebrüll, war zur Nebensache geworden.
    Was wir wohl noch alles sehen wollten bis elf? Uns egal, mehr geht eh nicht.
    Man kann nicht genug bekommen von diesen Eindrücken, doch irgendwann ist es auch da Zeit, weiterzufahren. Wie auf Droge im Rausch taumelten wir weiter, begegneten einem wohlgenährten einsamen Gnu und waren mutig genug, nah einem Elefanten im Testosteronrausch eine Kaffeepause einzulegen.
    Ein fußlahmes Sandhuhn hatte Mühe, seinen verletzten Körper vom Weg zu bringen, bevor wir mit unserem Gefährt genau da unsere Spuren hinterließen.
    Die Überquerung einer freien Fläche sollte für eine der Lechwe Antilopen verheerende Folgen haben. Sie hatte definitiv keinen Jackpot. Durch hastiges Aufspringen und Flüchten vor dem Vehikel krachten zwei Böcke derart zusammen, dass wir das Knacken der Knochen von einem der beiden deutlich hören konnten. Die Löwen lecken sich schon die Tatzen…
    Berauscht von den Eindrücken kehrten wir zurück zum Camp und erfrischten uns bei einem köstlichen Lunch. Jetzt, wo ich mit Kerstin auf der Terrasse sitze und diktiere, folgt dem Rascheln in unserem Rücken eine kleine Polonaise junger Elefanten, weniger als zehn Meter querab. Nur ein einziger Wunsch wäre offen - dass das hier nicht so schnell vorüber gehen mag.
    Heute Abend, wir haben es verraten, wird in der Wildnis übernachtet. Manch einer von Euch hat vielleicht mehr Manschetten als ich, aber seit der Campmanager vorhin auch noch nicht so recht wusste, wie er das anstellen will mit dem Essen und so, kommen mir ein paar Fragezeichen. Also, da im Norden, wo auch langsam der Sommer kommt, bleibt geduldig, bis wir morgen Abend wieder ein Lebenszeichen absetzen können.
    Alles bleibt aufregend,
    Eure Chefcroupeuse Charlotte
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