Zwischen Leuchtturm und Fischbuffet
June 1 in Denmark ⋅ ☀️ 14 °C
Heute stand eine Velotour auf dem Programm. Um 11 Uhr schwangen Roger und ich uns bei bestem Wetter (Gott sei Dank hatte das Wetterapp wieder mal falsch prognostiziert) auf unsere Drahtesel auf den Weg Richtung Skagens berühmtester Sehenswürdigkeiten. 🚴♀️🚴♂️
Die Strecke führte durch eine beeindruckende Dünenlandschaft mit Heideflächen, Strandhafer und knorrigen Kiefern. Die Natur hier oben wirkt gleichzeitig rau und friedlich – als hätte jemand beschlossen, Wind, Sand und Meer in perfekter Balance zu mischen.
Erstes Ziel war der Grå Fyr. Der Leuchtturm wurde 1858 erbaut und ist mit 46 Metern der zweithöchste Leuchtturm Dänemarks. Heute beherbergt er auch ein Vogelzentrum, denn die Gegend zählt zu den wichtigsten Vogelzugrouten Nordeuropas. Eigentlich hätten wir den Turm besteigen können, doch bereits auf dem Veloweg zeigte sich: Ganz Skagen hatte offenbar dieselbe Idee wie wir. Es herrschte beinahe Veloweg-Stau. 😄 Angesichts der Menschenmassen verzichteten wir auf den Aufstieg und rollten lieber weiter.
Zum Skagen Grå Fyr:
Bis zur oberen Plattform des Leuchtturms „Skagen Fyr" müsste man sich anstrengen, denn es sind genau 210 Stufen zu bewältigen. Wenn wir es geschafft hätten wären wir mit einer tollen Aussicht auf das Städtchen Skagen sowie Kattegat und Skagerrak belohnt worden. Der Leuchtturm ist 46 m hoch. Der 1858 gebaute „Graue Leuchtturm", wie er im Volksmund heisst, löste den „Weißen Leuchtturm" ab. Entworfen wurde er vom bekannten Architekten N. S. Nebelong, der auch Leuchttürme auf den Inseln Samsø und Sejerø konzipiert hat. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung lag er von Skagerrak und Kattegat gleich weit entfernt, doch weil sich die Landzunge ständig verändert, liegt er heute näher an Letzterem. Nach seinem Bau konnten die Schiffe die Landzunge sicher umrunden. Das bekamen auch die Einwohner von Skagen zu spüren, die bis dato gutes Geld durch Hilfsdienste für gestrandete Schiffe verdient hatten. Aber das machte nicht viel, denn nachher begannen sie, ihre Fischfangflotte zu modernisieren. Im Jahre 2014 ging der Leuchtturm in staatlichen Besitz über und anstatt
vorbeifahrende Schiffe zu warnen, dient er nun als Vogelausstellung. Hier wird einem bewusst, welche Bedeutung diese Gegend für Zugvögel hat.
Nächster Halt: Grenen, die Nordspitze Dänemarks. Hier treffen das Skagerrak der Nordsee und das Kattegat der Ostsee aufeinander. Die beiden Meere prallen sichtbar aufeinander, und mit etwas Glück erkennt man sogar unterschiedliche Strömungen. Das Spektakel wollten natürlich nicht nur wir sehen. Touristen wohin das Auge blickte! Wer nicht laufen wollte, liess sich bequem von den berühmten „Sandormen“ – traktorgezogenen Wagen – bis zur Spitze chauffieren. Wir kämpften uns zu Fuss durch die Menschenmenge und genossen trotzdem den besonderen Moment am nördlichsten Punkt Dänemarks. 🌊
Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach dem Højen Fyr. Google Maps war überzeugt, dass er dort stehen müsse. Wir waren ebenfalls überzeugt. Der Leuchtturm offenbar nicht. Nach einigem Suchen mussten wir feststellen: Das Bauwerk existiert längst nicht mehr. Tja, manchmal weiss selbst Google nicht alles. 🤷♀️
Mittlerweile meldete sich der Hunger deutlich zu Wort. Also ging es zurück nach Skagen ins Wittco Fisk Restaurant. Vor neun Jahren hatten wir dort bereits hervorragend gegessen – und manche Erinnerungen sollte man unbedingt überprüfen. Das Ergebnis: Volltreffer! 🎯 Das Fischbuffet war ausgezeichnet, und ich genoss jede einzelne Runde am Buffet. Roger entschied sich für ein klassisches offenes Crevetten-Sandwich, das ebenfalls hervorragend schmeckte.
Als kleine Entschädigung für den verschwundenen Højen Fyr hielt der Rückweg dann doch noch zwei Überraschungen für uns bereit. 😊 In Skagen entdeckten wir den Det Hvide Fyr (den „Weissen Leuchtturm“). Er wurde bereits 1747 erbaut und gilt als Dänemarks erster gemauerter Leuchtturm. Damals brannte auf seiner Spitze noch ein offenes Kohlefeuer, das den Seeleuten den Weg weisen sollte. Heute ist er längst ausser Betrieb, steht aber als historisches Wahrzeichen stolz auf seinem Hügel und erinnert an die Anfänge der modernen Schifffahrt in Dänemark. ⚓
Und als wäre das nicht schon genug Leuchtturm-Nachschlag, begegneten wir auch noch einem Fyrbakken. Das Wort bedeutet übersetzt etwa „Leuchtturmhügel“. Diese erhöhten Punkte dienten früher dazu, Feuer- oder Leuchtsignale möglichst weit sichtbar zu machen. Gerade in der flachen Landschaft rund um Skagen waren solche Erhebungen von grosser Bedeutung für die Orientierung der Schiffe. Heute wirkt so ein Fyrbakken eher unscheinbar, doch mit etwas Fantasie kann man sich vorstellen, wie wichtig diese Hügel einst für die Seefahrer gewesen sein müssen.
So kamen wir am Ende doch noch zu unseren historischen Leuchtturm-Erlebnissen – ganz ohne den verschwundenen Højen Fyr. Manchmal findet man die schönsten Entdeckungen eben genau dort, wo man gar nicht mehr danach sucht. 😄
So endete ein Tag zwischen Leuchttürmen, Menschenmassen, verschwundenen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Glücksmomenten.Read more

















TravelerDas Essen sieht super lecker aus 😋
Travelerwar auch richtig gut
Traveler
Das sieht ja mal richtig gut aus. 😋