• Letzte Nacht in Kalbe an der Milde

    April 9, 2016 in Germany ⋅ ☀️ 12 °C

    Die Nacht war sternenklar und ziemlich kalt, das Zelt ist erheblich vereist. Als Heiko in der Nacht den Reisverschluss öffnet, rieselt ihm das Eis von der Zeltplane entgegen…
    Am Morgen ist die Landschaft in einen gespenstischen Nebel getaucht und die Sonne leuchtet hindurch, ein grandios schönes Szenario. Wie schön wäre es, wenn wir noch wochenlang weiterfahren könnten…! Aber nein, lediglich zwei Etappen liegen noch vor uns. Immerhin ist es ein gutes Gefühl, dass dieser kurze Ausflug nur der Beginn einer insgesamt hoffentlich großen Gesamtreise ist
    Die Inhaberin des Kührener Campingplatzes empfiehlt uns, die Fahrt auf der Nordseite der Elbe fortzusetzen, da der Weg dort flach und ohne Hügelchen am Fluss entlanggeführt ist. Auf der Südseite hingegen, der eigentlich von uns geplanten Route, würden uns bald ein paar kleine, biestige Steigungen erwarten. Claudia plädiert dafür, dem Rat zu folgen und so rollen wir dann bald wieder zurück zu der Fähre, mit der wir gestern schon einmal die Elbe überquerten.
    In der Tat ist die Strecke sehr angenehm zu fahren, auf dem Deich geht es in Richtung Osten. Als wir Hitzacker erreichen, müssen wir wieder die Flussseite wechseln. Zunächst sind wir irritiert, da keine Fähre zu sehen ist. Nach einigen Minuten jedoch erkennen wir, dass auf der Südseite ein sehr kleiner Kahn ablegt und uns einsammelt – die Fähre ist nur für Fußgänger und Radler geeignet. In der kleinen Stadt, die wir nun erreichen, können wir einen Einkauf erledigen und dann weiter in den sonnigen Tag radeln. Bei freundlichen Verhältnissen kommen wir durch kleine Dörfer mit Fachwerkhäusern, erfreuen uns an dem einen oder anderen Storchennest, können bei sogar relativ warmen Verhältnissen eine nette Pause auf dem Deich gönnen und gelangen schließlich nach Sachsen-Anhalt. Gerade erst hat hier die AfD erschreckend hohe Wahlergebnisse eingefahren. Komisches Gefühl, hier unterwegs zu sein. Das kleine Örtchen Kalbe an der Milde, welsches wir nach 93 km erreichen, ist unser Tagesetappenziel. Hier hatte Heiko schon vor geraumer Zeit ein günstiges Zimmer reserviert und ruft am Nachmittag verabredungsgemäß bei der Vermieterin an, um den Zeitpunkt unseres Eintreffens durchzugeben. Das Zimmer in einem älteren Wohngebäude ist geräumig, sehr sauber, wir haben einen sicheren Ort für die Fahrräder und dürfen sogar noch eine Küche mitbenutzen. Nach dem Abendessen zieht Claudia sich auf das Zimmer zurück, wo sie für ihr Studium arbeitet, während Heiko am Küchentisch an seiner Reisedokumentation arbeitet.
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