• Offline in Menteşe Köyü

    17 Eylül 2023, Türkiye ⋅ ☀️ 18 °C

    Wir lassen uns um halb sieben wecken und brauchen unsere üblichen zwei Stunden, bis wir bereit zur Abfahrt sind. Zu Beginn der Etappe erwartet uns direkt ein Anstieg, ziemlich genau zwei Stunden brauchen wir zur Bewältigung der morgendlichen 540 Höhenmeter. Selbstverständlich wird der Frühsport mit einer kalorienreichen Pause belohnt. Es folgt eine fünf Kilometer lange Abfahrt, die auf einer Höhe von 370m im Ort Şenpazar endet. Hier kaufen wir reichlich Nachschub an Nahrung und Datenvolumen ein, da wir nicht wissen, wann es die nächste Gelegenheit dazu geben wird. Recht bald nach Verlassen des Ortes wartet der nächste Berg, gleichzeitig wird der Asphalt unter unseren Reifen von Schotter und Sand abgelöst. Ein vorbeifahrendes Auto hält, der Fahrer steigt aus und würde uns scheinbar gerne von der Weiterfahrt abhalten. Er weist uns auf Tiere in der Gegend hin (wir erfahren später, dass hier u.a. Bären und Schakale beheimatet sind...) und auf die Tatsache, dass uns auf diesem Weg mit dem Fahrrad ein ziemliches Stück Arbeit erwartet. Als er hört, dass wir nach Safranbolu wollen, wirkt er noch verwunderter im Hinblick auf unsere Streckenwahl und weist in Richtung der gut ausgebauten Hauptstraße. Wir unbelehrbare Radel-Touristen bleiben jedoch dem Schotter treu. Die folgenden Kilometer erweisen sich tatsächlich als sehr schweißtreibende Angelegenheit, nur langsam kommen wir voran. Als wir den Mann später ein zweites Mal treffen, spricht er uns erneut an. Er fragt nach unseren Kontaktdaten, woraufhin Heiko ihm sein Instagram-Profil zeigt und erklärt, dass wir lediglich über das Internet erreichbar sind und keine türkische Telefonnummer haben. "Internet yok" (kein Internet), erwidert er und zeigt dabei in die Richtung unserer Zielregion in den Bergen. Auch diese Information veranlasst uns nicht zum Umkehren, weiter geht's. Der Mann zeigt uns aus unerfindlichen Gründen noch seinen Presseausweis, schon im Auto sitzend macht er noch ein Foto von uns. Dieses findet sich später auf seiner Instagram-Seite sowie in Heikos Posteingang. Stück für Stück arbeiten wir uns voran und bergauf. Angesichts der angekündigten Tiere wäre es uns lieb, in der Nähe bewohnter Häuser anstatt irgendwo mitten im Wald zu übernachten. Etwas mehr als 1200 überwiegend schotterige Höhenmeter haben wir in den Beinen, als wir das winzige Dorf Menteşe Köyü erreichen, in welchem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Menschen sehen wir nicht und als einziger, halbwegs in Frage kommender Platz für unser Zelt qualifiziert sich der Straßenrand vor einer kleinen Moschee. Was tun? Als wir noch diskutieren, ob wir uns einfach eine Weile vor der Moschee auf eine Bank setzen und auf das Auftauchen von Menschen zu warten, die wir fragen könnten, oder noch ein Stück weiterfahren, öffnet sich das Fenster eines Hauses. Der ältere Herr kommt zu uns heraus und bietet uns eine kleine Wiese oberhalb der Straße zum Zelten an. Erfreut über diese Option schlagen wir neben uralt anmutenden Holzhütten unser Lager auf. Das warme Abendessen und der Tee tun sehr gut, sind doch die Abende inzwischen empfindlich kalt. Der freundliche Herr sieht später noch einmal nach dem Rechten bei uns und vergewissert sich, ob wir auch genug Wasser haben. Die Dämmerung bricht herein und wir schalten schon bald in den Offline-Modus: Umzug ins Zelt, rein in die Schlafsäcke, Ohropax in die männlichen Ohren, Augen zu. Und nicht nur wir, auch das Dorf ist offline, Zugang zum Internet sucht man hier tatsächlich vergeblich...Okumaya devam et