Wandertag
23 April 2024, Turki ⋅ ⛅ 26 °C
Zur vereinbarten Zeit um acht Uhr begeben wir uns in das höhlenartige Frühstücksgewölbe. Von unseren Gastgebern, einem jungen Mann und seiner Mutter, bekommen wir ein herrliches Frühstück mit allerlei Köstlichkeiten serviert. Mit gut gefülltem Magen rüsten wir uns für den Tag. Die Räder haben Pause, dafür werden die Tagesrucksäcke mit Proviant gefüllt und das festes Schuhwerk geschnürt. Als wir unseren Gastgeber fragen, ob er uns ein Taxi rufen könne, bietet er sich kurzerhand selbst als Shuttle-Service zu unserem heutigen Ziel an. Nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Ihlara-Tal an der Grenze zwischen den Provinzen Güzelyurt und Aksaray, welches wie auch die ganze Landschaft Kappadokiens durch die Vulkanausbrüche des Hasandağı entstanden ist. Geformt wurde das 14 Kilometer lange Tal durch den Fluss Melendiz. Vom Talrand im malerischen Ort Ihlara, wo wir uns absetzen lassen, steigen wir hinab in die 150m tiefe Schlucht, die auch "Grand Canyon der Türkei" genannt wird (naja...). Diese wurde unserer Internet-Recherche zur Folge im 8. Jahrhundert zum Rückzugsort byzantinischer Mönche, da sie in Zeiten der Verfolgung angesichts schwerer Zugänglichkeit ein ideales Versteck darstellte. 150 Kirchen werden am Melendiz-Fluss zwischen Ihlara und Selime vermutet, bislang wurde erst ein kleiner Teil davon entdeckt. Umgeben von üppigen Bäumen und steilen Felswänden auf beiden Seiten nehmen wir die 14 Kilometer in Angriff. Unterwegs nehmen wir die eine oder andere der versteckten Höhlenkirchen, die in die Seitenwände gehauen wurden, in Augenschein. Trotz deutlicher Spuren von Vandalismus sind hier noch teilweise gut erhaltene Wandmalereien mit Szenen aus dem Neuen Testament zu sehen. Es ist ein angenehmes Spazieren im nur spärlich von anderen Menschen besuchten Tal: Mal unter schattigen Bäumen, mal in der Sonne, begleitet von Krötengequake und Vogelgezwitscher, immer entlang des Flusses, verlaufen ist quasi ausgeschlossen. Auf halber Strecke erreichen wir das Dorfes Belisirma, welches auch einen Zugang zur Schlucht bietet. Hier tummeln sich dann auch doch viele Menschen, was offensichtlich daran liegt, dass diverse kleine Restaurants am Fluss zur Einkehr einladen. Auch wir gönnen uns Tee und Gözleme, bevor wir weiterziehen. Der zweite Teil unserer Wanderung unterscheidet sich deutlich vom ersten, denn die Schlucht wird breiter und offener. Uns gefällt dieser Abschnitt sehr gut, zudem sind wir auch wieder fast allein unterwegs, seit wir Belisirma hinter uns gelassen haben. Unsere Wanderung endet schließlich im Dorf Selime, wo wir schon auf unserer gestrigen Radel-Etappe an der in den weichen Tuffstein gehauenen und sich über mehrere Etagen erstreckende Felsenkathedrale vorbeigekommen sind. Wir sitzen auf einer Mauer vor der wahrlich beeindruckenden Kathdrale und hadern mit uns: Reingehen oder nicht reingehen? Einerseits wäre es doch schön blöd, sich die Besichtigung dieser faszinierenden Anlage entgehen zu lassen, wenn man schon direkt davor sitzt...., anderseits sind wir aber auch total platt. Ein Mann, der scheinbar für den Parkplatz zuständig ist, fragt uns, ob wir die Kirchen in der Schlucht gesehen hätten. Das Innere der Kathedrale würde genauso aussehen, nur ohne Malerei, erklärt er uns. Das ist für uns das Zeichen, dem Ruf unserer schwächelnden Körper zu folgen und ohne Besichtigung unseren Hotelgastgeber zwecks Abholung zu kontaktieren. Zurück in Güzelyurt plündert Heiko einen Supermarkt und bald darauf sitzen wir bei Tee und allerlei Leckereien im Garten unseres Hotels unter einer lilafarbenen und von schwarzen Hummeln umschwirrten Blütenpracht. Am frühen Abend raffen wir uns noch zu einer kleinen Erkundung von Güzelyurt auf. Nachdem Heiko einen kleinen Drohnenflug zur ca. fünf Kilometer (Anmerkung des Drohnenpiloten: Luftlinie 1,2km) entfernten festungsartigen Yüksek Kilise (hochgestellte Kirche) unternommen hat, spazieren wir zu dem in Google Maps verzeichneten Aussichtspunkt Bakı Noktası. Wir sind hellauf begeistert angesichts des großartigen Blicks über die Stadt mit ihrer historischen Architektur, die bisweilen mit den Felsen verschmilzt. Es ist schon fast dunkel, als wir vor dem Ausgang einer unterirdischen Stadt stehen und überrascht sind, dass Licht in der Höhle brennt. Der erste Blick hinein ist fast ein wenig gespenstisch, Schatten huschen vorbei, vielleicht Fledermäuse? Wir wagen einige Schritte hinein und schauen uns um, die Gänge verzweigen sich wie in einem Labyrinth. In die Tiefe steigen wir nicht hinab, sondern treten dann doch lieber den geordneten Rückzug an. In bzw. vor einem kleinen Lokal im Ortskern kehren wir zum Abendessen ein. Es ist nur noch ein Hauptgericht im Angebot, dieses wird uns aber nebst einer Linsensuppe sehr angepriesen. Wir bestellen also die Suppe sowie das Cicken-Reis-Gericht, um kurz darauf zu erfahren, dass es leider auch keinen Reis mehr gibt. Nun gut, Brot tut es ja auch und es schmeckt uns ausgesprochen gut. Satt und erfüllt mit den vielen Eindrücken des Tages fallen wir unter dem hohen Steingewölbe unseres Hotelzimmers in die Betten.Baca lagi










