Immer weiter in die Bergwelt
October 2 in Georgia
☁️ 12 °C
Als wir am Morgen aufwachen, hören wir den Regen auf das Dach unserer Unterkunft prasseln. Was bleibt uns also anderes übrig, als noch einmal in die Schlafsäcke zu kriechen. Ein Stündchen später raffen wif uns zum Frühstück auf uns siehe da, plötzlich stellt der Regen seinen Dienst ein. Wir hatten uns schon auf eine Partie Kniffel eingestellt, stattdessen packen wir schnell unsere Sachen und beeilen uns, auf die Räder zu kommen. Die heutige Etappe gehört zum Herzstück der trans-adscharischen Route, auf welcher wir aktuell unterwegs sind. Sie verbindet die subtropische Schwarzmeerküste bei Batumi mit den rauen Bergregionen des Kleinen Kaukasus. Inzwischen hat unser Ritt uns vom Trubel in Batumi am Schwarzen Meer direkt in eine Welt katapultiert, in der die Zeit vor Jahrzehnten stehen geblieben zu sein scheint, welch ein Kontrast. Je weiter wir vorankommen, desto steiler rücken die bewaldeten Felswände zusammen. Die Steigungen werden knackiger, die Kurven enger, wir teilen uns die Straße mit freilaufenden Kühen und blicken in tiefe, mystisch anmutende, nebelverhangene Täler. Fast durchgehend führt unser Weg heute nach oben, immer mal wieder passieren wir kleine Bergdörfer. Erstmals machen wir heute auch Bekanntschaft mit einem anderen Radreisenden. David aus Spanien kommt uns auf seinem Weg nach Batumi entgegen. Im Gespräch können wir unter anderem etwas zu den Straßenverhältnissen erfahren, die uns auf dem Weg zum Goderdzi-Pass bevorstehen. Nicht immer befestigt und bisweilen "muddy" soll die Beschaffenheit des Untergrundes wohl sein. Nach kurzem Plausch rauscht David weiter bergab, wir arbeiten uns langsam weiter hinauf. Das ist anstrengend, wird aber auch prompt belohnt. Mit jedem Höhenmeter öffnen sich neue Blicke auf die faszinierende Landschaft, die grüne Bergkulisse und die traditionellen Holzhäuser, die sich an die fast senkrechten Hänge klammern. Auf gut 900 Metern Höhe erreichen wir das Bergstädtchen Khulo, wo wir uns mit Bargeld und etwas Proviant eindecken. Hinter dem Ort müssen wir zum Glück nicht mehr allzu weit strampeln, um ins Paradies für erschöpfte Radler zu gelangen. Eingebettet in die grüne Szenerie des kleinen Dorfes Ghurta, direkt an der Bergstraße Richtung Goderdzi-Pass, erwartet das Gasthaus Oasis, wo wir heute Morgen ein Zimmer für die Nacht reserviert haben. Die Gastgeber erwarten uns bereits vor dem Hauseingang und nach herzlicher Begrüßung erhalten wir eine kleine Führung über dieses idyllische Kleinod mitten in der georgischen Bergwelt. Die zwei Kühe und die eigenen Hühner werden uns ebenso gezeigt wie der große Garten. Hier wachsen Weintrauben, Äpfel, Birnen, Mais, Paprika, Tomaten und vieles mehr. Wir werden zudem in einen Raum geführt, in welchem das Ehepaar gerade in großem Ausmaß Marmelade kocht und geerntete Trockenbohnen zur Lagerung vorbereitet. Man präsentiert uns die Vorratskamner, die bereits prall gefüllt für den kommenden Winter ist. Nach diesen ersten Eindrücken beziehen wir unser Zimmer im Obergeschoss des Hauses und machen uns erstmal etwas frisch. Da in unserer Buchung kein Frühstück enthalten war, dieses aber laut Angabe im Internet vor Ort bestellt werden kann, sucht Claudia am frühen Abend die Gastgeberin auf. Die Ankündigung des Frühstückswunsches endet mit einer Einladung zum Abendessen. Claudia wird sofort in den vom Holzofen gewärmten Raum gebeten, in welchem viel Leben herrscht. Drei kleine Kinder spielen und toben hier, Tochter und Schwiegertocher unserer Gastgeberin pendeln zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, schieben immer wieder Brot und andere Dinge in ein Fach des Holzofens. Claudia wird aufgefordert, auch Heiko zu holen und nicht viel später sitzen wir mit der gesamten Familie in der guten Stube, trinken Kaffee und essen Maisbrot, Schafskäse, Joghurt und süße Börek, alles aus komplett eigener Herstellung. Die Verständigung ist nicht einfach, aber tatsächlich erinnern unsere Gastgeber sich an ein paar Brocken deutsch, die sie vor dreißig Jahren in der Schule gelernt haben. Wir machen gemeinsame Fotos, die noch am selben auf der Facebook-Seite des Gasthauses zu sehen sind. Später kommt der Sohn des Paares dazu, der sehr gut englisch spricht. Das macht die Sache deutlich einfacher. Satt und gewärmt vom gemütlichen Holzofen sowie von der Herzlichkeit dieser Familie ziehen wir uns schließlich in unser kleines Zimmer zurück und treten die Nachtruhe an, während vor dem Fenster der Fluss durch die Berge des kleinen Kaukasus rauscht.Read more

















