Goderdzi-Pass
October 4 in Georgia
☁️ 6 °C
Unser Tag beginnt früh im beschaulichen Guest House Oasis in Chulo auf etwa 850 Metern Höhe. Es ist noch dunkel, als wir um halb sieben aufstehen, immerhin scheint es aber nicht zu regnen. Wir packen unsere Sachen und sitzen eine halbe Stunde später in unseren Radsätteln, frühstücken werden wir irgendwann unterwegs. Es ist knackig frisch und die Straße schraubt sich unerbittlich aufwärts. Unser heutiges Ziel ist der Goderdzi-Pass, dafür sollen auf einer Strecke von etwa 24 Kilometern rund 1200 Höhenmeter erklommen werden. Die Wolken hängen wieder tief in den Bergen und wir frieren trotz Zwiebellook. Vor allem die Füße sind kalt, ihnen fehlt aber auch die adäquate Kleidung. Ist es möglicherweise ein wenig dilettantisch, bei sieben Grad am Morgen barfuß in FlipFlops bzw. Sandalen einen Pass bezwingen zu wollen? Optimistisch stimmen uns zumindest ein paar hellblaue Fetzen am Himmel, gleich kommt bestimmt die Sonne raus und zaubert einen Sommertag. Träumen darf man ja, die Realität hat andere Pläne. Als wir uns nach etwa fünf Kilometern in einem Bushaltestellenhäuschen, die hier immerhin sehr groß und sauber sind, zur Frühstückspause einfinden, ist kein Blau mehr am Himmel zu sehen. Stattdessen fängt es zur Abwechslung mal wieder an zu regnen. Die heißen Getränke zum Frühstück sind sehr wohltuend und als es Zeit wird, weiter zu fahren, regnet es dann auch nur noch minimal. Unsere kalten Füße treten uns brav weiter nach oben. Ein kleiner Markt am Straßenrand hat zu unserer Überraschung und Freude am heutigen Sonntag geöffnet, so können wir uns noch mit einer Batterie Schokoriegel eindecken. Es bleibt konstant steil, der kleinste Gang ist heute unser bester Freund. Leider machen sich heute deutlich Unterschiede bezüglich unseres Form-Levels bemerkbar. Während Claudia selbst überrascht ist, wie gut sie sich und ihr Fahrrad den Berg hinaufbefördert bekommt, läuft es bei Heiko eher mittelprächtig. Schon in den letzten Tagen hat er sich leicht angeschlagen gefühlt und muss sich den Höhengewinn mühsam erkämpfen. So oder so lohnt sich aber jede Kurbelumdrehung. Als die Wolkendecke nach einer Weile aufreißt, wirkt die Natur wie frisch reingewaschen. Das feuchte Grün glänzt in der wärmenden Sonne, über den tiefen Tälern stiegen dicke, weiße Nebelschwaden auf, die sich träge an den bewaldeten Hängen emporziehen. Aus den Holzhäusern der Bergbauern steigt der Rauch aus den Schornsteinen senkrecht auf, Wasserfälle stürzen sich aus den Felsen in die Tiefe. Die kontrastreichen Ausblicke, die wir geboten bekommen, sind fantastisch und lassen uns euphorisch weiterfahren. Je höher wir klettern, desto karger wird die Landschaft. Auf 1600m Höhe angekommen, legen wir eine Pause ein. Wir nachen es uns auf den sehr liebgewonnenen Campingstühlen bequem, genehmigen uns Tee und Kekse und bestaunen zum einen die grandiose Sicht ins Tal und zum anderen die bereits leicht mit Schnee bedeckten Bergkuppen, die unser Ziel markieren. Was für ein Genuss! Zwischendurch weicht der feste Untergrund aus Asphalt einer Schotterpiste mit reichlich Schlaglöchern, diese unbefestigten Straßenabschnitte präsentieren sich nach dem Regen der letzten Tage zudem recht matschig. Insgesamt haben wir aber nach unserer Recherche, die wir zu Hause hinsichtlich dieses Passes betrieben haben, mit deutlich schlechteren Straßenverhältnissen gerechnet. Auch hatten wir mehr Verkehr erwartet. Umso mehr freut es uns, dass wir die Piste nicht mit vielen anderen Verkehrsteilnehmern teilen müssen. Manchmal kommen uns gemächlich Kühe entgegen, einmal kreuzt eine alleinreisende Ziegenherde den Weg, der eine oder andere Hund begegnet uns. Die Anzahl der motorisierten Fahrzeuge hält sich in Grenzen und wenn uns diese überholen oder entgegekommen, hupen und winken die Fahrer meist freundlich. Vielleicht steht uns die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, als ein LKW-Fahrer die Fensterscheibe runterfährt und uns zwei Dosen Energy-Drinks schenkt. Die sollen ja angeblich Flügel verleihen, schauen wir mal! Einige Kurven, Serpentinen, Höhenmeter und atemberaubende Ausblicke später erreichen wir in frostiger Luft schließlich das Passschild des Goderdzi-Passes auf 2.025 Metern, toll!!! Nachdem selbstverständlich die obligatorischen Beweisfotos an dieser Stelle gemacht sind, stellt sich die Frage der Übernachtung. Rollen wir noch ein Stück abwärts und hoffen auf einen schönen Platz für unser Zelt oder gönnen wir uns ein Zimmer in dem Hotel hier auf der Passhöhe mit Blick auf die Berge. Wir entscheiden uns für letzteres und beziehen ein Zimmer, das genau genommen aus zwei Räumen besteht. Im eigentlichen Zimmer steht ein Doppelbett, in der sich anschließenden Loggia befinden sich zwei weitere Betten vor einer großen Fensterfront, die den Blick in die Weite freigibt. Vor genau dieser Aussicht auf Tal und Berge kocht Heiko unser Abendessen und wir lassen es uns schmecken. Faszinierend ist, wie wahnsinnig schnell Wetter und Sicht sich hier oben verändern können. Binnen weniger Minuten zieht Nebel auf und wir sehen plötzlich rein gar nichts mehr von der herrlichen Landschaft. Es ist, als hätte jemand eine Milchglasfolie an die Fenster geklebt. Das ist dann auch Anlass genug, diesen Tag zu beenden und uns auf morgen zu freuen. Die Wettervorhersage sieht gut aus und wir dürfen seeeehr viel bergab fahren 😀.Read more





























