Joined July 2018
  • Day66

    Aus und vorbei

    April 5 in Germany ⋅ ☀️ 15 °C

    Nun noch zu gestern...
    Im Flugzeug konnte ich erstaunlicherweise vier Stunden durchschlafen, bis ich kurz vor Spanien aufwachte. Wir waren nicht erst im Norden über den Atlantik geflogen, sondern schon über dem Nordosten Brasiliens abgebogen. Morgens beziehungsweise wieder in Europa mittags blieben mir noch vier Stunden bis zur Landung. Bei dieser betonte die Crew deutlich, es sei eine fast waghalsige Rettungsaktion gewesen und alle Stewardessen hätten sich sofort freiwillig hemeldet. Naja, Prestigegewinn für die Lufthansa eben... Außerdem konnten alle, die mit dem Zug heimfahren wollten, ein Foto von einem Freifahrtschein in Kombination mit der Bordkarte machen. Die Formulare reichten nämlich noch nicht einmal bis zur 15. Sitzreihe. Nach der Landung musste ich erstmal eine Stunde im Flugzeug warten, da nicht alle gleichzeitig aussteigen durften und ich eben ganz hinten saß. Aber Caro und Oscar waren so nett und warteten draußen, um zusammen das Gepäck zu holen. Der Flughafen war menschenleer, man fühlte sich wie in einem schlechten Film! Unsere Alfajores konnten wir erfolgreich nach Deutschland schmuggeln. Um 16.30h waren wir dann am Frankfurter Bahnhof (hier waren doch noch ein paar Leute unterwegs), um 16.54h konnten wir in den Zug steigen. Und natürlich setzten wir uns in die erste Klasse. Da der Zug fast leer war, störte das die Schaffner überhaupt nicht. Die gut drei Stunden vergingen recht schnell, da wir die ersten deutschen Brezen und den ersten deutschen Kaffee genossen. Denn aufgrund der Zeitberschiebung war bei uns ja immer noch argentinischer Vormittag. Auch am Hauptbahnhof traf man einige Leute. Ich finde das im Prinzip sehr entspannt, wenn einfach nur ein Bruchteil der Bevölkerung draußen unterwegs ist, da bekommt man sogar in der S-Bahn einen Sitzplatz :). Aber da wir ja wieder fast daheim waren, viel diese in Pasing natürlich erstmal aus...
    Bin ich froh, in der ersten Zeit durch (fast) ganz Argentinien gereist zu sein, ansonsten wäre ich vermutlich wirklich enttäuscht, schon wieder zu Hause zu sein. Trotzdem bin ich mir sicher: Armonía, ich komme wieder! Es bedrückt einen dann doch, wenn man so viel vom Projekt (übrigens Niños en Armonía) hört, sieht und mitbekommt, doch plötzlich nicht daran teilhaben kann! Ich denke, neue Eindrücke habe ich einige gesammelt. Deswegen bin ich sehr dankbar, das alles noch vor der Corona-"Krise" erleben zu dürfen. Auf der Zugfahrt überlegten Oscar und ich eine ganze Weile, was wir denn aus Argentinien mitnehmen oder beibehalten könnten. Zum Beispiel, es einfach gelassen hinzunehmen, wenn jemand oder man selbst zu spät kommt. Oder sich keinen Plan auszudenken, der dann sowieso nicht klappt. Und natürlich öfter mal Mate trinken ;)...
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  • Day65

    Zwei Welten

    April 4 in Argentina ⋅ ⛅ 19 °C

    Heute klingelte der Wecker um 6.15h - so früh war ich in ganz Argentinien noch nicht wach.. Einige der Servidoras waren extra mit uns aufgestanden, um noch gemeinsam zu frühstücken. Um 7.33h waren wir pünktlich mit drei Minuten Verspätung an der Tranquera, Suky und Miga begleiteten uns im Auto. Vorne vergingen 20min, in denen die Emotionen nur so kochten und wir Abschiedfotos anfertigten. Plötzlich fiel uns auf, dass wir die Lizenz für den Fahrer auf unserem Tisch vergessen hatten. Also fuhren Oscar und die zwei Servidoras nochmal zurück, wieder kamen sie noch mit María im Gepäck. Währenddessen fand uns auch schon mit einer halben Stunde ganz normaler Verspätung das Taxi: eine alte Knatterkiste, die für unser Gepäck doch sehr knapp bemessen war. Irgendwie schafften wir, alles zu verstauen, und wir drei nahmen auf der engen Rückbank Platz. In gut vier Stunden mit einigen kurzen Descansitos zischten wir also auf der fast leeren Autovía zum Flughafen, wo wir vor zwei Monate gelandet waren. Aber dieses Mal war er wie ausgestorben! Dänen, Franzosen und Deutsche waren die einzigen Personen, die man neben den Flughafenangestellten traf. Erstmal hängten wir Hängematte und Slackline an einem Sonnenschutz auf und ich suchte den ganzen Flughafen nach einer Matetasse mit Strohhalm ab - erfolglos. Um 15.30h sollten wir uns zur Gepäckabgabe anstellen. Dabei begegnete uns immer wieder die Unsicherheit, wie um Himmels Willen alle wartenden Personen in den Flieger passen sollen. Ich traf zwei Leute von der Reise und irgendwann war unser Gepäck soweit abgegeben. Mein Rucksack wog 16Kg, also nur einen mehr als beim Hinflug. Und mit theoretisch 7Kg Platz rür Matekräuter - aber die gab es hier leider auch nicht. Dann hieß es, die verbleibenden drei Stunden ohne geöffnete Duty-Free-Shops rumzubringen. Ab 19.30h war Boarding, wir bekamen keine drei Plätze nebeneinander, ich sitze sogar ganz hinten im riesigen Flieger, einem Doppeldecker. Aber das ist gar nicht schlimm, hier treffen sich nämlich fast ausschließlich junge Leute. Abends gönnte ich mir noch zwei Filme, anfangs eine Komödie um meinen Abschiedsschmerz (¡Que lástima!) zu vergessen.
    Und Que lástima muss ich noch schnell erklären... Als José eines Abends den Tisch abräumte und dabei eine kleine Schüssel mit einem Löffel Sahne entdeckte, fragte sie im ganzen Haus rum, ob denn wirklich niemand diesen einen Löffel Sahne noch aufessen wolle. Doch sie fand keinen, weswegen sie schweren Herzens den Löffel abspülte und dabei betonte: "Que lástima" - was für ein Schmerz.
    Nun zurück zum Abschiedsschmerz: Es war ein seltsames Gefühl, abzuheben. In den letzten 48h Stunden passierte so vieles so rasend schnell. Und jetzt werden wir "gerettet" von der deutschen Botschaft. Ich fühle mich so gar nicht als aus einer Notsutuation in der letzten Minuten herausgeholt. Nicht dass ich mich nicht auch auf Zuhause freue, aber mein Plan für die nächsten Monate wurde erst einmal zerstört. Trotz aller servidorischen Hysterie war die schiefe Weltlage in der Armonía nicht übermäßig präsent. Bei all der Selbstbestimmtheit und Apartheid, die wir dort genossen - und wobei uns so mancher Schwachsinn in den Kopf kam -, vergisst man, in was für seltsamen Zeiten wir uns befinden. Wenn wir eine wirkliche Wahl gehabt hätten, hier zu bleiben, hätten wir diese Möglichkeit alle genutzt! Aber es kann eben niemand wissen, wie sich die Situation entwickeln wird und deswegen ist es - zumindest rational - die richtige Entscheidung, heimzufliegen, solange die letzten Möglichkeiten dasu noch existieren. Auch wenn wir uns eigentlich dazu entschieden hatten, diesen ganzen deutschen Wahnsinn für eine ganze Weile hinter uns zu lassen. Emotional fühlt sich das Heimfliegen teilweise einfach falsch an. Doch auch so nehme ich ausreichend Eindrücke mit, von denen ich - einmal sicher gelandet - zu Hause erzählen kann ;).
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  • Day64

    Der Abschied rückt näher...

    April 3 in Argentina ⋅ 🌙 13 °C

    So, da gestern die Nachricht des Heimflugs gekommen war, brach heute der letzte volle Tag in der Armonía an! Deswegen liefen Caro und ich morgens nochmal zur Tranquera. Danach hieß es erstmal packen, währenddessen telefonierte Suky hin und her, um uns ein Taxi zum Flughafen nach Buenos Aires zu organisieren, das weniger als 450$ kostet. Als ich mein Zeug soweit zusammen hatte, hängten Caro und ich die Slackline ab und sammelten noch ein paar letzte Quitten. Ich ging direkt zum Campanario, um nochmal mein Glück mit dem warmen Wasser zu versuchen. Klappte aber nicht, also setzte ich mich bis zum Mittagessen nur noch mit Oscar, der ja davon ausging, die nächste Zeit als einziger Praktikant in der Armonía zu verbringen, in die Sonne. Nach einer kurzen Siesta buken wir zwei Quittenkuchen im Campanario. Einen mit selbstgemachter Dulce de Leche (gut, nach zwei Monaten hier schmeckt es ganz gut ;) und den anderen mit den Walnüssen aus dem Garten. Später putzte ich noch unser Zimmer, damit Suky nicht umfällt, wenn wir weg sind. Währenddessen kam Oscar: er hatte soeben - um 19h - eine Mail bekommen, dass er morgen auch mitfliegen könne... Und er hatte auch schon zugesagt... Das heißt, alles war wieder anders. Heute hatten wir die "Ehre" wieder mit den Servidoras zu essen, danach rückten wir endlich unsere Gastgeschenke raus, die wir am Anfang vergessen hatten... Dann hieß es noch, Proviant für morgen vorzubereiten, während die anderen beiden noch mit Packen beschäftigt waren. Auch musste ich nochmal zur Cochera, um die Cellobögen, die ich alle ausprobiert hatte, aufzuräumen. Auch hatten wir die Formulare für die Fahrt und den Flug noch nicht ausgefüllt. Also war es 1h, als uns Suky noch dazu einlud, mit ihr in die hauseigene Kapelle zu gehen. Ehrlich gesagt konnte ich damit völlig übermüdet nicht mehr viel anfangen... Bueno, um 1.30h lagen wir schließlich endlich in den Betten!
    Ich bin hier gerade so richtig angekommen - gut, meine Sachen sind eigentlich noch gar nicht ausgepackt - und jetzt geht es wieder nach Hause. Kein schlechtes aber auch kein gutes, sondern eher ein ziemlich seltsames Gefühl. ¡Vamos a ver!
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  • Day63

    ¡Que lástima!

    April 2 in Argentina ⋅ 🌙 14 °C

    Ich bin müde, aber trotzdem ist einiges passiert :)
    Morgens Frühstück mit zwei Servidoras und dann ging ich gleich zum üben ins Campanario. Eigentlich wollte ich auch mal Haare waschen, weil es im Campanario ja immer warmes Wasser geben soll. Aber heute leider nicht...
    Nachmittags wurden wir alle drei bei der Gartenarbeit eingespannt. Früher gab es hier mal einen Park, aber der ist mit viel Efeu zugewachsen. Also hieß es, alle Pflanzen vom Efeu zu befreien! Da gab es auch spannende Lilianen, an denen man hochklettern und durch die Bäume schwingen konnte. Als Abschluss ging es im Traktor über die Felder, um noch das abgehackte Holz wegzubringen. Danach war der Plan, Trio zu proben. Aber zehn Minuten später machte das schon keinen Sinn mehr... Caro und ich erhielten eine E-Mail, einen Flugplatz für diesen Samstag um 20.30h aus Buenos Aires zu haben. Das war ein Schock, als wir realisierten, dass uns bis dahin nur noch ein Tag bleibt, um uns von diesem wundervollen Ort zu verabschieden. Kurz verräumten wir noch die Celli und Kontrabässe in der Cochera und nahmen alles "Werkzeug" mit. Die gröbste Fledermauskacke machten wir auch noch weg - auch wenn das wahrscheinlich nicht lange anhält. Später hatten wir noch eine nette Unterhaltung mot Nora, die alt aber noch sehr witzig ist, und Maria. Und schließlich ging es daran, zu überlegen, wie wir nach Buenos Aires kommen könnten - wir werden sehen... Auf jeden Fall stehen mir jetzt schon die Tränen in den Augen.
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  • Day62

    Die wahre Freiheit ist die Rebellion

    April 1 in Argentina ⋅ ⛅ 16 °C

    Mal wieder erst am nächsten Tag, weil gestern zu müde ;)...
    Der Start in den Tag war erst sehr langsam und dann sehr schnell, als Caro und ich zur Tranquera liefen. Vormittags stand dann nur noch ausgiebiges, sinnvolles und äußerst konstruktives Spanischlernen an. Nach dem Mittagessen zogen wir in die Wiese hinger dem Wasserturm, um ein altes Auto, das im Graben liegt, genauer zu besichtigen. Aber der Wasserturm durfte natürlich auch nicht fehlen, wo wir unserer Kreativität freien Lauf ließen. Aber das muss ich euch hier leider aus Jugendschutzgründen verheimlichen ;)... Auf den Wasserturm darf man nicht mal hoch und dann auch noch das - in einem Haus, in dem ein Haufen konservativer Nonnen lebt.
    Nach einer ausgiebigen Merienda, bei der Anna einen Anfall bekam, da wir alle aus einem Strohalm tranken (por el virus...), packte uns der Übedrang. Aber zu früh gefreut! Denn während der ersten Takte merkten wir, dass wir unseren Mate wohl doch zu früh getrunken hatten und deswegen jetzt alles andere als wach waren. Also gaben wir nach dem etwas leichteren Menuett auf. Beim Abendessen noch das Highlight: Ich klaute Oscars Knoblauch, der war aber leider entgegen meines Wissensstandes noch roh und ziemlich scharf, deswegen biss ich in ein Weißbrot. Pech, denn meine Klebebrücke brach (mal wieder...) und der Abend war gegessen... Ich versuchte noch, die neue, für solche Notfälle vorgesehene Zahnspange entsprechend zurechtzufeilen, traute mich aber nicht wirklich, aus Angst, alles kaputt zu machen...
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  • Day61

    Schmeckts?

    March 31 in Argentina ⋅ ⛅ 16 °C

    Nachdem Caro gestern Abend noch an ihrer bis 1h währenden Schachpartie gegen Oscar verzweifelte, hatten wir noch ein bisschen Aufarbeitung zu leisten - bis 4h morgens. Wobei, wir vergaßen die Zeit eher. Also war vor dem Mittagessen nur noch Zeit für ein Telefonat nach Hause und natürlich mein in Fledermauskacke ertrinkendes Klavier in der Cochera.
    Nachmittags schrieb ich erst die Geigenstimme für die Himne (ja, das ist kein Rechtschreibfehler!) der Servidoras um, da wir bemerkten, dass eine Geige eben doch kein Klavier ist. Danach brauchte ich ein bisschen Auszeit von allem und allen und so lief ich hinter dem Campanario in die Felder hinein. Es gibt viele Zäune, aber man findet immer einen Weg, um voran zu kommen: Über die Pfosten klettern, durch zwei Seile durchtauchen oder unter dem Stacheldraht robben. Die letzten Sonnenstrahlen nutzte ich, um ein bisschen Spanisch zu lernen und gegen 19h fingen wir an zu proben. Das Ritual beim Proben ist unser heiliger Mate. Zunächst verbrennt man sich den Mund, sobald wir unsere Intonationsprobleme halbwegs behoben haben, ist er aber kalt und ich "ziehe" ihn auf einen "Zug" weg ;). Heute widmeten wir uns der Himne. Sie ist nicht schwer zu beschreiben: Dudel dudel dei. Caro verwirklicht sich mit sechs Tönen in der selben Tonlage - fast schon Hexaphonie. Ich habe dagegen entsetzliche Strichprobleme und die Bogenführung mag einfach nicht aufgehen.
    Wegen der ganzen kleinen Schwierigkeiten kamen wir wieder ein bisschen zu spät zum Essen. Es wird sehr unklar kommuniziert, wann wir genau kommen sollen. Und wenn wir mal überpünktlich da sind, dürfen wir uns noch eine Stunde gedulden. Aber so ist das in Argentinien eben - Zeit spielt keine wichtige Rolle - und das ist meiner Meinung nach sehr lehrreich und befreiend. Trotzdem wird Suky nervös, wenn unser Essen etwas abkühlt, aber sie ist auch oft zu nervös oder hat zu viel Angst, um mit uns zu essen - wie sie selber sagt. Als wir in der Armonía ankamen, gab es noch eine Küchenfrau, die sich super viel Mühe gab und sehr nett war. Sie fuhr inzwischen wegen Corona nach Hause. Nun herrschen hier Zweifel, ob Vegetarier Kartoffeln essen :). Oft kümmert sich Miga, die aus Buenos Aires gekommen ist, um das Essen, manchmal aber auch Christina. So wie heute - kaum zu übersehen, denn sie demonstrierte es stolz, indem sie den ganzen Abend mit ihrer Kochschürze herumspazierte. Dann gibt es so etwas wie versalzenen Reis oder künstliche Würstchen. Deswegen ist unser Käse, der erst wenige Tage alt ist, auch schon fast weg. Nicht so wie das viele Rind, das man hier in Stückzahl zu kaufen scheint. Aber für schlechte Zeiten sammelten wir ja bereits genügend Walnüsse, die man in Kombination mit der zahlreichen eingefrorenen Erdbeermarmelade genießen kann.
    Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin sehr zufrieden und vor allem dankbar, dass wir hier so gut versorgt werden - da darf man sich wirklich nicht beschweren! Manches bringt einen aber eben doch zum Schmunzeln ;).
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  • Day60

    Regentag

    March 30 in Argentina ⋅ 🌧 14 °C

    Heute Vormitag war es noch recht schön, sodass wir die Zeit draußen verbringen konnten. Zumindest nachdem ich mich erst um 11h aus dem Bett bequemt hatte, da wir ja gestern so lange Schach gespielt hatten... Aber spätestens ab mittags goss es wie aus Kübeln, sodass wir gar keine andere Wahl hatten, als nach gut zwei Metern von unseren Zimmern durch den Regen nass im Casa Grande anzukommen. Und ich muss sagen, die Armonía verliert schon ein bisschen an Reiz, wenn man sich nicht mit überschwänglichen Freiheitsgefühlen beglückt draußen aufhalten kann.
    Heute machte ich mich endlich mal daran, Vokabeln zu lernen. Ob ich sie morgen noch kann und vor allem, ob ich sie je verwenden werde - oder doch lieber auf alte Bekannte zurückgreifen werde - das steht in den Sternen. Nach dem Zimmerputzen verzog ich mich endlich wieder in die Cochera, um die Orchesternoten weiter zu sortieren. In den drei halben Tagen, die ich bisher damit verbrachte, sammelten sich einige Noten an, die einfach nicht zuzuordnen sind. Um kurz nach 18h holten Caro und Oscar mich mit Sukys Auto ab und wir fuhren dekadent den halben Kilometer zum Campanario zum Proben. Wir üben jetzt zwar schon recht lange täglich, aber fertiger werden wir irgendwie nicht. Wir haben ja auch noch genügend Zeit: heute kam die Nachricht, dass wir keinen Platz im Flugzeug am 01. April nach Deutschland haben... Fast alle befinden sich gerade in Quarantäne und hier ist wahrscheinlich mit der beste Ort dafür - aber trotzdem wäre es schön, wenn mal etwas vorwärts gehen würde... Zumindest der Regen könnte endlich aufhören :).
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  • Day59

    Ganz normaler Tag

    March 29 in Argentina ⋅ ⛅ 18 °C

    Hier habe ich mein Zeitgefühl nämlich schon vor Langem verloren. Denn uns ist es gleichgültig, ob Arbeitstag oder Sonntag ist :). Mein nächtlicher Schlaf war ziemlich durchwachsen, da Caro um 5.30h beschloss, eine Nachtwanderung zu starten und hier im Haus hört man leider ziemlich viel ziemlich laut.
    Wie fast immer war ich Vormittags in der Cochera zum Klavierspielen. Gegen 11h fing es an zu schütten, sodass ich nicht mehr vor oder zurück konnte! Zum Glück kam mir die brilliante Idee, die Orchesternoten zu sortieren, aber die waren im Nebenraum. Also musste ich erst um das ganze Haus rum und wurde dabei pitschnass. Im kalten Haus war es deswegen schon zehn Minuten später richtig unangenehm. Pünktlich zum Mittagessen wurde der Regen schwächer und ich konnte zurück zur Casa Grande laufen. Auf dem kurzen Weg sammelte ich tausende Stiche von Mücken, die sich in den Pfützen getroffen hatten. Nachmittags konnte ich noch Cello üben, wir spielten wieder im Trio und zogen danach nochmal raus in die Richtung der Armonía, die wir noch gar nicht kannten, also kurz vor der Slackline nach links und auf den Feldern entlang. Das war wirklich schön im Sonnenuntergang, als es dunkel wurde verliefen wir uns fast. Von den Feldern aus konnten wir auch Lichter sehen; das war wohl der benachbarte Ort La Armonía, die ich später beim Blick auf die Karte feststellte. Während des Rückwegs kamen schon ein paar Horrorszenarien auf, Suky anrufen zu müssen, dass wir zu weit gegangen seien und nicht mehr zurück finden würden. Da würden wir dann wahrscheinlich endlich unsere "Grenze" der Armonía gesagt bekommen ;). Heut versuchten wir auch, irgendwie eine mögliche Fahrt nach Buenos Aires organisieren, falls wir morgen eine positive Nachricht bezüglich des Rückholrlugs am kommenden Mittwoch erhalten sollten. Nach dem Abendessen spielten Oscar und ich noch zwei Runden Schach. Die vergingen beide wie im Fluge - wobei die zweite deutlich kritischer -, sodass es 1.45h war, als die zweite Partie endete...
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  • Day58

    Woche drei

    March 28 in Argentina ⋅ 🌙 18 °C

    Was ich gestern vergessen hatte, aufzuschreiben:
    Um 14h sammelten sich alle Servidoras in der Veranda (ein schönes Wohn- und Fernsehzimmer mit großen Fenstern), um die Ansprache des Papstes anzuschauen. Sie hatten uns eingeladen, auch zu kommen, egal ob wir gläubig sind oder nicht. Die zweite Hälfte der Stunde gesellten sich Oscar und ich zu ihnen. Es war eine Messe, die im Fernsehen übertragen und übersetzt wurde. Denn vor Ort war kein einziger Gläubiger. Auch wenn ich die Ansprache und einige Aussagen ganz gut fande, berührten mich die Servidoras am meisten; zum Beispiel José, die sich zum Beten sogar auf den Boden kniete. Trotzdem fragten wir uns danach, ob die Messe die Gemüter beruhigt oder doch die Angst weiter entfacht hatte, denn die aktuelle Situation wurde als schlimmstes vorstellbares Szenario überhaupt dargestellt...
    Solange nicht alles wieder ganz anders ist bekommt man hier langsam eine Routine aus den Sachen, die man jeden Tag so machen will. Zum Beispiel gehe ich morgens zum Klavierspielen in die Cochera oder wir treffen uns vor dem Abendessen zum Proben in "unserem Bunker". Die Ausgangssperre bleibt erstmal bestehen, sogar zum Einkaufen darf man nur alleine fahren. Das musste Oscar neulich schmerzhaft feststellen, als er mit Suky im Auto saß, sie ein paar Meter nach der Tranquera von der Polizei angehalten wurden, er schließlich aussteigen und heimlaufen musste...
    Heute Nachmittag begann ich wieder mit dem Sortieren der Orchesternoten in der Cochera. Eigentlich hatten wir uns um 17.30h verabredet, um den Tennisplatz mal auszuprobieren, nachdem wir nun doch Schläger bekommen. Als ich um 17.35h am Haus war, konnte ich niemanden auffinden. Also wartete ich - anderthalb Stunden. Um 19h kamen Caro und Oscar - sie hatten Anna María mit der Gartenarbeit geholfen und vergessen, mir Bescheid zu geben :(... Danach war ich erstmal mäßig gestimmt und auch beim Proben konnten wir uns nur eine Stunde konzentrieren. Naja, immerhin hört man inzwischen einen Unterschied zu den Aufnahmen, die schon zwei Wochen her sind!
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  • Day57

    Dum dum dum

    March 27 in Argentina ⋅ ⛅ 19 °C

    Gemischter Tag mit gemischten Gefühlen. So wie das Wetter: morgens kalt und neblig, spät abends wieder Sternenhimmel. Mescla de sentitiempos...
    Heute beschäftigte ich mich mit den selben Dingen wie eigentlich jeden Tag. Da Caro und Oscar eine halbe Stunde zu spät zur Probe kamen, hatte ich sogar Zeit, ausführlich Cello zu üben. Dank Mate waren wir auch abends noch top fit, um das Trio zu üben. Die Handyaufnahme klingt immer noch nicht gut, aber inzwischen ganz passabel. Und währenddessen freute ich mich üben einen neuen Bogen, den ich gefunden hatte. Der schafft das Staccato ganz von alleine!
    Zimmer putzte ich heute auch wieder, denn Suky ermahnte mich mittags, wir sollten von nun an jeden Tag putzen und desinfizieren (por el virus...).
    Was den Tag aber prägte waren viele Gespräche, Diskussionen und Gelaber. Denn bezüglich der Rückholaktion kommunizierten einfach zu viele Leute über zu viele Ecken und zu viele verschiedene Dinge, sodass sich am Ende einiges mischte, fantasierte und hochkochte... Die Auseinandersetzung damit traf mich stets während ich Spanisch lernte, putzte oder eigentlich etwas ganz anderes machen wollte. Deswegen verging der Tag wieder wie im Fluge zwischen dem vielen Hin und Her. Naja, letztendlich konnten wir zumindest hier alles klären und einordnen...
    Nach dem Abendessen, bei dem man wieder mal fassungslos begutachtete, dass wir uns mehr holten, als das was Suky uns an den Tisch gestellt hatte, machten wir (als kleine Versöhnung?) noch einen Nachtspaziergang mit einigen Kanons - gut dass wir diese nicht bald aufführen müssen... Auf jeden Fall schlafe ich mit einem Ohrwurm ein :).
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