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  • Jan6

    Chinesische Gedanken Teil 1

    January 6, 2020 in Vietnam ⋅ ⛅ 25 °C

    Nachdem wir nun schon einige Tage in Vietnam sind, gibt es trotzdem noch eine paar letzte Beiträge zu China. Denn es gibt noch Einiges zu verarbeiten und zu erzählen und wie auch in Russland, sind uns in China ein paar Dinge aufgefallen, die wir bisher noch in keinem Eintrag festgehalten haben. Wegen der Fülle an Eindrücken (und weil unsere App mit dem zu langen Text nicht klarkommt) haben wir diesen Beitrag in mehrere Teil aufgeteilt.

    Stadtbild:

    Erstmal zum ersten Vorurteil: nichts als Hochhäuser. Überraschenderweise fühlten sich vor allem Kunming und Xi'an nicht wie die Millionenstädte an, die sie sind. Auch hatte jede Stadt, in der wir waren, irgendwie einen eigenen Charakter und Orte, an denen wir uns wohlfühlten. Ob das muslimische Viertel in Xi'an, was Jonas schon sehr an Südostasien erinnerte, oder das grüne Kunming mit all den Parks und dem angrenzenden See.

    Nahverkehr:

    Auch der Smog war kein merkliches Problem, ein paar Menschen tragen Mundschutz, die meisten aber nicht und gemerkt haben wir von der Luftverschmutzung nichts (was natürlich nicht heißt, dass sie nicht trotzdem da und kein Problem wäre). Vielmehr waren wir von der Qualität und dem Ausbau des Nahverkehrs begeistert. Wir hatten zum Glück über unsere Karten-App auch die Möglichkeit, Busverbindungen rauszusuchen, sodass wir nach Lust und Laune den super günstigen Bus nutzen konnten. Noch haben wir das Bussystem nicht ganz verstanden, aber wir konnten eigentlich immer von A nach B ohne Umsteigen fahren, es gibt einfach so viele Buslinien, dass es quasi überall hin eine Direktverbindung gibt (wir glauben, das ist die Grundidee dahinter). So erklären sich auch die Preise: man zahlt nicht für eine bestimmte Zeit, sondern für eine Busfahrt (beim Umsteigen müsste man also nochmal zahlen). Nachdem wir einmal das Bezahlsystem verstanden hatten, war das alles gar kein Problem mehr (man wirft beim Einsteigen das Geld in eine große Büchse). Nur musste man zum Bezahlen das Geld passend haben, weswegen wir immer auf der Jagd nach 1-Yuan Scheinen waren. Die Einheimisch bezahlen übrigens fast immer mit WeChat oder mit einer aufladbaren Karte, die sie beim Einsteigen scannen. Einziges "Problem" beim Busfahren ist der Fahrplan, es gib keine genauen Abfahrtzeiten nur eine angegebene Periode. Der Bus von unserem Hostel zum Bahnhof in Kunming fuhr bspw. alle 20 min. Meistens warteten wir zwar nur wenige Sekunden, bei unserem Weg zum Bahnhof kam aber erst nach 30 Min der Bus (weswegen wir etwas nervös wurden). Wir fuhren dann immer mit App vor der Nase, da alle Ansagen und Anzeigen in Chinesisch sind. Dementsprechend verfolgten wir den Fahrtverlauf einfach auf der Karte und stiegen aus, sobald die App dies anzeigte. Das alles wäre nicht möglich gewesen hätten wir keine SIM Karte gehabt und hätten wir 20 Jahre früher China besucht. Die App hat uns das Leben so sehr erleichtert und wir konnten auch mal spontan umplanen.

    Bahnhöfe und Züge

    Genauso wie von dem gut funktionierenden Nahverkehrsnetz, waren wir auch von dem Bahnnetz begeistert. In China werden wortwörtlich Berge versetzt für einen funktionierenden und schnellen Zugverkehr, der sich von der Geschwindigkeit her mit den Flugverbindungen messen kann. Auch die Bahnhöfe erinnern mehr an Flughäfen, als an unsere Bahnhöfe. Diese riesigen Gebäude können ganz schön unübersichtlich werden und wir haben teilweise 15-20 Min gebraucht um vom Metro-Ausgang zur Sicherheitskontrolle zu kommen. Die Bahnhöfe sind immer in einen Ankunfts- und einen Abfahrtsbereich getrennt. Meist ist der eine oberhalb und der anderen unterhalb der Gleise. Die Tickets werden mehrere Mal gecheckt (am Eingang des Bahnhofs und direkt beim Boarding). Es erinnert auch beim Einsteigen sehr an einen Flughafen. Jeder abfahrende Zug hat ein eigenes Gate mit Boarding (meist 20-30 Min vor Abfahrt). Die Chines*innen hielten dafür nur ihren Ausweis an ein Gerät um durchzukommen, wir zeigten in einer separaten Schlange einem*r Bahnmitarbeiter*in unseren Pass. Da die Daten bereits am Eingang des Bahnhofs kontrolliert wurden, wurde unseren Pässen aber meist kein allzu großes Interesse entgegengebracht. Für diese ganze Prozedur bilden sich übrigens immer lange Schlangen in denen nach Lust und Laune gedrängelt wird, um auch ja 20 Min vor Abfahrt im Zug zu sein... An manchen Morgenden haben wir uns da ganz schön drüber geärgert.
    Endlich im Zug angekommen, erinnert vieles an einen ICE. Nur hat man ungefähr doppelt so viel Beinfreiheit, es wird ständig geputzt (eine Putzkraft für 1-2 Waggons) und häufig schaut irgendwer auf seinem oder ihrem Handy laut ein Video oder spielt Musik ab. Eine Reihe besteht aus 5 Sitzen (eine Seite 2, die andere 3) und jeder Zug hat heißes Wasser zum Zubereiten der etlichen verschiedenen Tütengerichte, die praktischerweise auch alle 15 Min von der Stewardess verkauft werden. Das Wort benutzen wir mit Absicht, da es sich quasi genau wie im Flugzeug anfühlt. Nur sieht man halt keine Wolken an sich vorbeiziehen, sondern die chinesischen Landschaften oder oftmals das Dunkel der vielen Tunnel.

    Sicherheit und Überwachung

    Nicht nur in Bahnhöfen, sondern auch in den Zügen, ist Videoüberwachung omnipräsent. Jede*r Angestellte im Zug trägt eine kleine Kamera an der Kleidung und überall hängen auch noch welche. Man kann quasi nicht von Stadt A nach Stadt B fahren, ohne auf Schritt und Tritt überwacht zu werden. Das ist schon ganz schön krass. Gepaart mit den krassen Investitionen in Gesichtserkennungssoftware bastelt die Regierung an einer umfassenden Überwachung der Bevölkerung (also von 1,3 Milliarden Menschen 😟). Denn nicht nur im Fernverkehr, nein überall sind Kameras. Ob im Park, im Bus oder Restaurant. Mit der geeigneten Software hätte man jeden unserer Schritte nachverfolgen können. Das führt dann soweit, dass an großen digitalen Werbetafeln Straßenverkehrsverstöße der Bevölkerung inkl. Nummernschild abgebildet werden oder momentan ein Punktesystem für Verstöße erprobt wird. Sinkt man auf dieser Socialscore-Skala zu weit kann man bspw. keine Zugtickets mehr kaufen. Die Regierung rechtfertigt dies alles mit mehr Sicherheit, aber gleichzeitig ist es auch ein machtvolles Mittel eine Gesellschaft nach den Moralvorstellungen der Regierung zu formen und immer weniger Freiheiten zu gewähren.
    Krasserweise haben wir nach kurzer Zeit die Präsenz und Überwachung komplett ausgeblendet. Die andauernden Sicherheitskontrollen haben wir anstandslos über uns ergehen lassen und auch das ständige Scannen unserer Sachen waren wir ja schon aus Russland gewohnt. Uns hat das alles nicht groß eingeschränkt, aber gegen Andersdenkende und Oppositionelle ist die massive Überwachung in China natürlich extrem wirkungsvoll und abschreckend.
    Bei uns hat die Überwachung dann übrigens in Kunming zugeschlagen und uns eins unserer zwei Taschenmesser gekostet. Nachdem wir in Russland und China zusammen durch an die 100 Sicherheitskontrollen mussten, inkl. Scannen der Rucksäcke, fiel es dann ausgerechnet bei der allerletzten Kontrolle auf. Zum Glück hat Jonas schnell geschaltet und auf die frage "Do you have a Knife?" nur das eine der beiden Taschenmesser hervorgezogen. Es ist etwas schade, dass es leider das schöne Schweizer Taschenmesser erwischt hat 🙈😵
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