• 10 BiH - Mostar

    May 23, 2025 in Bosnia and Herzegovina

    Es kribbelt im Bauch. Heute sehe ich, nach 6 Jahren, Oha (Orhan) und Maša, der Mostarbesuch weckt wieder einmal die Emotionen in Erinnerung an unsere musikpädagische Projektzeit "Musiegt". 1997, also kurz nach Kriegsende, haben wir immerhin 8 Monate in Mostar gelebt, die Zeit war für Doro, Daniel, Annette und mich persönlich wie beruflich prägend. Teo und Oha befanden sich in unterschiedlichen gelinde gesagt 'besonderen Lebenssituationen', wir wohnten während des Projekts überwiegend zusammen in der Čaćira Palate Nr. 8 und Oha sagt heute: "You can come to my home when ever you want, as long as you want. You gave me what I needed the most- you gave me home."
    Oha, als Leiter der Mostarer Rockschool, als Festivalmanager und Bandmitglied von [machina] und der europaweit tourenden "Dubioza Kolektiv" (Angela, auch Anfang Juli in Rudolstadt) -> https://dubioza.org/ )
    ... ist solide aufgestellt und hat Haus und Gästehaus mit seiner Familie aufgebaut, so dass mögliche Mietzahlungen eine fehlende staatl. Rente ersetzen werden können. Er kann wirklich stolz sein!

    Es kribbelt auch im Bauch, weil die letzten 500 Höhenmeter aus der Schotter- eine nagelneue, übersichtliche Asphaltstraße wird, die Geschwindigkeiten zwischen 50 und 65 ohne Risiko zulässt (im Vergleich zum lebensgefährlichen Leben ansich).

    Bosnier sitzen nur im Winter im Haus, also sind wir durchgehend draußen (abends in Winterjacken), Oha hat verschiedene Projekte am Haus, ich bringe mich etwas ein, ansonsten wird groß palavert, getrunken und durchgängig geraucht. Es kommen ständig irgendwelche Leute, teilweise Verwandte, einige bringen Essen mit, jeder kann in der Küche irgendwas machen, es wird schon weggehen. Nett!
    Zwischendurch findet sich auch persönlicher Austausch, der mich tief bewegt, jedoch auch klaren Widerspruch weckt, den ich jedoch nur manchmal formuliere.

    Mit einem Erphan aus Saravevo und seiner Tochter unternehme ich einen Tagesausflug und hole Sightseeing nach, wozu wir wenig kamen und aus politischen Gründen konnten. Die "Boljuni Nekropolis" bei Stolac bspw. sind 274 Grabsteine, teiw. aufwändig verziert mit Innenschriften. Diese Grabfelder legten die Bogumilen, eine verfolgte streng dualistische Variante im Christentum zw. dem 14.-16. Jhd. an.
    Wir schauen kleine Städte und touristische Sehenswürdigkeiten an außer dem berühmten Pilgerdorf Međugorje - zu voll, zu katholisch.
    In der Herzegowina wird hervorragender Wein angebaut, das Gut von Erphans Freund liegt bei Čitluk, es ist nett, weil sich persönliche und weinspezifische Inhalte mischen, in Kopf und Bauch. Gut, dass die Treppe zum Keller ein Geländer hat!

    Nach 3 Nächten zieht es mich weiter, ich bin noch mit Senad "Crni" verabredet, will mit dem Rad unbedingt über die Stari Most schieben (gar nicht so einfach: sehr glatt und steil!), also Touri sein.
    Für den Radladen, den ich für Bremsbeläge brauche (diesmal Original ohne Zuschnitt), muss ich auswärts gegen meine Richtung und so kommen ich erst nachmittags aus Westmostar (also dem fast rein katholischen Teil) raus, natürlich mit erheblicher Kletterei verbunden.
    Dafür eröffnen sich schöne, neue Blicke auf die Stadt und gegenüber auf die Berge aus denen ich kam. Wer weiß, wann ich Mostar mal wiedersehe!
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