April - May 2021
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  • Day9

    Abstecher ins 19. Jahrhundert

    April 13 in Germany ⋅ ⛅ 7 °C

    Nachdem mich noch am Vormittag der Corona-Blues fest im Griff hatte, kam am Nachmittag die Sonne raus. Also schnappten wir uns die Hunde und machten uns auf in den heimischen Wald. Wieder einmal lockte Oberdüssel. Wir wanderten oberhalb der Bergischen Diakonie in Richtung Nonnenfriedhof, der sehr hübsch im Wald liegt. Von hier hat man einen schönen Blick zu der kleinen Kirche in Aprath, man sieht die Hochhäuser von Wuppertal-Eckbusch, auch Klein-Manhatten genannt und das berühmte Ata-Dösken.

    Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt Wuppertal. Auch viele junge Frauen suchten hier Arbeit, rutschten aber leider oft sozial ab und mussten sich ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen, was strafbar war. So landeten sie meist im Gefängnis.

    Der Gefängnispfarrer Karl Heinersdorff gründete 1882 mit einem kleinen Kreis aus guten Elberfelder Familien ein Zufluchtshaus für diese "gefallenen" Frauen und Mädchen in der heutigen Bergischen Diakonie. Ab 1900 wurde das Haus erweitert, um auch Kindern und Jugendlichen zu helfen, und mittlerweile ist es ein richtiges eigenes Dorf mit Bäckerei und Café geworden.

    Wenn man so den Blick schweifen lässt und sich die Hochhäuser wegdenkt, dann könnte man sich beim Anblick der kleinen weißen Kirche mit dem roten Dach ins Allgäu versetzt fühlen.

    Nach einer kleinen Pause liefen wir weiter in Richtung Gut Bölkum, welches sich auch recht idyllisch in die Landschaft schmiegt. Leider konnten wir den Rundweg nicht zu Ende laufen, weil zu viele umgefallene Bäume den Pfad versperrten. So kämpften wir uns querfeldein den Hang wieder hoch, um den gleichen Weg zurückzulaufen.

    Die Hunde jedenfalls hatten ihren Spaß, konnten sie doch die ganze Zeit frei herumlaufen. Und auch für uns war es mal wieder ein "coronafreier" Nachmittag.
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  • Day1

    Ostern 2021

    April 5 in Germany ⋅ ❄️ 1 °C

    Ostermontag 2021 im Lockdown mit Schneetreiben vor der Tür. Da jagen wir eh nur unsere Hunde vor die Tür.

    Was Zeeland angeht, so haben wir uns da selbst ausgeknockt. Unsere Führerscheine liegen beim Amt. Mein alter, grauer wollte auch endlich verlängert werden. Nur mit dem Ersatzdingsbums darf man im Ausland nicht fahren. So heißt es warten. Auf ein Ende des Lockdowns, die Führerscheine, besseres Wetter und, und, und …

    Bleibt also nur eine kleine Gedankenreise.

    Ab und zu meldet mir mein Handy: „Schau dir an, was du an diesem Tag vor xy Jahren gemacht hast“, zeigt mir ein Foto von damals und lässt mich gedanklich reisen. Vorgestern vor 2 Jahren lief ich z.B. am Strand rum, über mir dunkle Wolken. Wahrscheinlich Vorboten auf dunkle Corona-Zeiten. Haha!

    Heute durfte ich mit meinem Handy sogar 6 Jahre in die Vergangenheit reisen. Da war ich nämlich in Hüsten im Sauerland. Und wenn ihr euch nun fragt, was um Himmels Willen macht man denn in Hüsten im Sauerland, so kann ich euch sagen, dass damals sogar die Sonne schien, als ich auf den Spuren meiner Ahnen durch die Straßen ging und sogar das Archiv der Kirche dort besuchte. Es ist eine tolle Sache, wenn man diese uralten Kirchenbücher durchblättern darf. Ahnenforschung ist überhaupt eine spannende Sache, macht aber definitiv süchtig, also obacht!

    Bei so einem Eintauchen in die Vergangenheit habe ich nicht nur erfahren, dass ich sowohl niederländische als auch französische Vorfahren habe, sondern man stößt auch auf kleine Anekdoten. So wie diese über den Bruder meiner Urururoma Maria Theresia Dumont. Die Familie lebte damals schon in Hüsten, und Bruder Louis war mit Maria Catharina verheiratet und hatte (wir reisen ins Jahr 1877) zwei Töchter. Das Geld war ständig knapp, man lebte als Tagelöhner von der Hand in den Mund, sodass Louis sich gezwungen sah, Frau und Kinder der Fürsorge zu überlassen. Sie kamen in ein Landarmenhaus, die Kinder wurden auf Pflegefamilien verteilt, und die Eheleute stritten um ein Federbett, welches die Gattin vor ihrem Mann in Sicherheit zu ihren Eltern gebracht hatte. Louis hatte wohl die schlechte Angewohnheit, alles zu Branntwein zu machen. Leider mussten die Schwiegereltern das Federbett rausrücken, entschied das Gericht.

    Ein Jahr später war Louis wieder in der Lage, für die Seinen zu sorgen, und die kleine Familie konnte  wieder vereint werden. Nur ohne Federbett, nehme ich an.
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