• Die Kirchenburgen von Siebenbürgen | Teil 1

    May 27 in Romania ⋅ ☀️ 23 °C

    Wehrkirchen oder Kirchenburgen finden sich in vielen Orten Siebenbürgens. Letztere sind nicht nur befestigte Kirchen, sondern umgeben von einer Mauer, mit Wehrtürmen zum Erspähen von Feinden und mit Lager- und Aufenthaltsräumen im Inneren. Der ganze Ort konnte im Angriffsfall hier Schutz finden.

    Eine nachvollziehbare Strategie in einem Landstrich, durch den immer wieder die unterschiedlichsten Eroberer zogen.

    Sieben Kirchenburgen sind heute UNESCO Weltkulturerbe und zwei davon wollen wir uns anschauen. Den Anfang macht Valea Vilor. Deutscher Name: Wurmloch. Kein Scherz!

    Google meint, die Kirchenburg öffne um zehn Uhr. Perfektes Timing, denn wir kommen kurz nach zehn an. Und lästern erst einmal, weil vor dem UNESCO Weltkulturerbe gerade einmal sieben Parkplätze zur Verfügung stehen. Außer uns ist hier aber auch niemand.

    Am Eingang hängt ein Schild, das wir inzwischen kennen: Bitte anrufen. Okay, machen wir. Aber erst laufen wir noch einmal außen um die Kirche herum und machen Fotos. Dabei spricht uns eine nette Frau auf Deutsch mit lustigem Akzent an.

    Ob wir die Kirche besichtigen wollten und sie geschlossen sei. Wir nicken. Fann müsste man Frau Weber anrufen. Wir nicken wieder. Bevor wir erklären können, dass wir genau das jetzt vorhatten, zückt die Frau ihr Handy, tippt eine Nummer ein und klärt auf Rümänisch, wo den Frau Weber bleibt.

    Die ist beim Zahnarzt und vermutlich in zwanzig Minuten da. Ob wir warten wollen? Ja, wollen wir. Prima, das gibt sie gleich telefonisch weiter, wünscht uns einen schönen Tag und verschwindet um nächsten Hoftor.

    Wir schauen uns an. Grinsen. Wie lieb war das denn? Tatsächlich kommt keine zehn Minuten später eine Frau angeradelt, im Schlepptau zwei weitere deutsche Touristen. Und Frau Weber kann man nur mögen. Sie schließt die Kirchenburg auf und erklärt uns fröhlich plappernd das kleine "Museum".

    Da sind die Trachten, die einer strengen Ordnung folgen und anzeigen, ob die Männer bereits verheiratet sind. Bei den verheirateten Frauen verrät die Tracht sogar, ob schon Kinder da sind 😳 Da ist aber auch die Holzschatulle, in die jeder spendet, so viel er eben kann, und aus der dann zinslose Kredite vergeben werden, wenn ein Mitbürger in Not gerät. Und da ist der Turm mit dem Speck für das Dorf, für den alle "Lebensmittelmarken" bekommen.

    A propos Turm: Frau Weber schließt uns auch den Glockenturm auf und gibt uns nur noch mit, wir mögen uns nicht den Kopf anstoßen. Ja, die Durchgänge auf der engen und steilen Stiege sind teilweise so niedrig, dass Dirk mit dem dicken Fotorucksack fast steckenbleibt. Ich hätte aber auch eine kleine Warnung bzgl. fehlender Geländer, morscher Stufen und Kletterpartien wertgeschätzt 😬 (ja, ich übertreibe; aber nur ein klitzekleines bisschen).

    Die Kirchenburg von Wurmloch ist sehr klein. Uns gefällt sie richtig gut (was auch mit den netten Begegnungen zusammenhängen könnte). Jetzt sind wir gespannt auf Biertan [Birthälm].
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