• Zurück in Südafrika

    August 19, 2022 in South Africa ⋅ ☀️ 7 °C

    19.8.22
    Wir verlassen Lesotho am Vormittag über den Motengpass, einem der landschaftlich schönsten und bekanntesten Pässe. Der Grenzübertritt zurück nach Südafrika gestaltet sich problemlos. Ein neuer Stempel im Pass, und schon ist die Sache erledigt.

    Im Golden Gate Highlands Nationalpark im Südosten des Freistaates finden wir unseren Platz für die kommenden zwei Tage. Spätestens am Abend wissen wir, woher der Park seinen Namen hat. Als die Sonne untergeht, taucht sie die gigantische Felslandschaft in ein orange golden gefärbtes Meer aus leuchtenden Sandsteinblöcken, die hoch über das bergige Grasland hinausragen.
    Es ist atemberaubend schön!
    Am Abend gibt es Pizza, die restlichen Stücke, die wir als " doggy bag" aus dem Restaurant im Skiresort mitgenommen haben. Wir machen uns ein Feuer, weil wir nicht jeden Abend im Auto sitzen wollen. Doch es ist eiskalt, das Holz scheint feucht zu sein und will nicht so richtig brennen. So frieren wir trotz Wärmeflaschen und dicken Decken, bis wir uns entscheiden, in unsere warmen Betten zu kriechen.
    Nach dem Frühstück am nächsten Morgen brechen wir zu einer Wanderung auf. Es gibt mehrere ein- und zweistündige Hikes, die Männer wählen den 4 bis 5 stündigen. Wen wundert's?🤣
    Der Wodehouse Trail im Golden Gate Highlands National Park ist mit fast 10 km die längste Wanderung des Parks, aber auch die landschaftlich abwechslungsreichste. Wir nehmen genug Wasser mit, ziehen gutes Schuhwerk an und schwindelfrei sind wir auch - das nämlich sind drei Voraussetzungen, um diesen Trail anzugehen.
    Einige Passagen der Wanderung haben eher den Charakter von Klettersteigen, sind aber im Gegensatz zu denen, die wir aus der Heimat kennen, kaum gesichert. Mit etwas Vorsicht lassen sich aber alle schwierigen Stellen gut überwinden.
    Zu Beginn schlängelt sich der Weg noch durch Büsche und kleinere Bäume, und die Steigung ist absolut moderat. Dann wird es zunehmend steiler, der Buschbewuchs hört auf, und erst jetzt realisieren wir bewusst, wie bissig kalt der Wind weht.
    Karola entscheidet sich, zurück zum Campingplatz zu gehen, da sie sich nicht warm genug angezogen hat.
    So marschieren wir zu dritt weiter.
    Die Sandsteinfelsen um uns herum zeigen, dass dieser Wind nicht selten bläst. Sturm und Wasser haben mitunter bizarre Formationen geschaffen.
    Der Weg indes wird immer anspruchsvoller. Teilweise sind besonders ausgesetzte Passagen mit Stahlseilen abgesichert. Doch frieren wir beim Anfassen der Steighilfen noch mehr an den Händen.
    Wir haben die Kälte hier oben absolut unterschätzt und leider keine Handschuhe eingepackt.
    Nach dieser Schlüsselstelle erreicht man eine Ebene, von der man einen unglaublichen Weitblick in alle Richtungen hat, und unser Ziel, der Wodehouse Gipfel rückt immer näher. Wir kämpfen uns weiter geradeaus auf den vor uns liegenden Berg zu, der schmale Pfad im Gras lässt sich dabei nur erahnen.
    Hier auf der Höhe pfeift der Wind, der inzwischen zu einem ordentlichen Sturm mutiert ist, ungehindert und erbarmungslos über uns hinweg.
    Teilweise bläst er so stark, dass ich mich auf allen Vieren fortbewege, um nicht weg geweht zu werden. So einen unglaublichen Sturm haben wir bisher nur einmal, und zwar in Patagonien, erlebt.
    Doch der grandiose Blick in die Lowlands von Südafrika mit den überall verstreuten Inselbergen und die Aussicht auf die spektakulären Drakensberge im Süden
    entschädigt uns für die Anstrengungen.
    Hier genießen wir für ein paar Augenblicke die Ruhe.
    In der Ferne erblicken wir eine Herde Antilopen, die ersten auf dieser Reise.
    Dreimal gönnen wir uns so eine kleine Pause, futtern ein paar Möhren, und Kai teilt sein letztes Biltong mit uns ( so macht man das unter anständigen Brüdern). Wir suchen uns jedes Mal ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen, auch wenn wir uns dafür mehr oder weniger platt auf den Boden legen müssen. Hauptsache, die kalten Knochen tauen wenigstens ein bisschen wieder auf.
    Nach fast 5 Stunden führt
    der Wanderweg in westlicher Richtung entlang des Kammes immer weiter und stetig bergab.
    Eine spektakuläre Wanderung mit 1100 bewältigten Höhenmetern liegt hinter uns!
    Am Campground erwartet uns Karola mit köstlichem frisch gebackenen Brot.
    Den Abend dieses tollen Tages lassen wir im Camper bei Kino mit Popcorn und einem lustigen Film ausklingen.
    Der Park
    Der 340 Quadratkilometer große Golden Gate Park wurde im Jahr 1963 zum Schutz der einmaligen Sandsteinfelsen, die früher die Heimat der Buschmänner darstellten, eröffnet.
    Noch immer kann man an einigen Stellen Felsmalereien der San bewundern.
    San ist eine Sammelbezeichnung für einige indigene Ethnien im südlichen Afrika, die ursprünglich als reine Jäger und Sammler lebten. Das Wort „San“ geht auf eine Bezeichnung der Nama Südafrikas zurück und bedeutet so viel wie „jene, die etwas vom Boden auflesen“.
    Die Buschmänner( jetzt „San“ )genannt, repräsentieren eine kleine Population, die einst große Teil des südlichen Afrikas bewohnten. Die ersten weißen Siedler fanden diese Jäger am südwestlichen Kap. Aufgrund ihrer relativ hellen Haut und der Augenfalten hatte man zuerst angenommen, sie seien ursprünglich aus Asien eingewandert. Aber Studien über Felszeichnungen, alte Knochen und die biologischen Strukturen der heutigen Buschmänner lassen darauf schließen, dass sie tatsächlich aus Ost- und Süd-Afrika stammen und schon vor über 20.000 Jahren hier lebten.
    Nur ganz wenige leben heute noch auf traditionelle Art. Der Großteil von ihnen ist mittlerweile auf Farmen als Arbeiter angestellt.
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