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- Day 52
- Tuesday, September 20, 2022 at 4:51 PM
- ☀️ 25 °C
- Altitude: 51 m
MozambiquePraia Morrungulo23°13’46” S 35°29’3” E
Die Folgen der Armut
September 20, 2022 in Mozambique ⋅ ☀️ 25 °C
Mozambique ist ein unglaublich armes Land, vielleicht eines der ärmsten Afrikas.
Die Folgen und Zeichen dieser Armut lassen sich trotz all der Schönheiten, die Mozambique zu bieten hat, nicht übersehen.
Es ist deshalb verständlich, dass jeder probiert, auf irgendeine Art und Weise zu Geld zu kommen.
Bei diesem Vorhaben gehen auch die Beach Händler teilweise sehr penetrant vor, wenn sie mit allen Kräften versuchen, ihre Ware: Schmuck, Hüte, Körbe, Kokosnüsse etc. am Strand loszuwerden. So manches Mal haben wir ihre Hartnäckigkeit als äußerst nervig empfunden. Freundlich, aber bestimmt muss man immer wieder deutlich machen, dass man nicht von jedem etwas und manchmal auch gar nichts erstehen möchte oder kann.
Doch das, was ich gebrauchen kann und was einigermaßen Sinn ergibt, kaufe ich dem ein oder anderen ab.
Deshalb bin ich sehr erbost, nein, viel schlimmer, ich bin total enttäuscht, als ich einem von ihnen aus Mitleid mit seiner hungernden Familie eine Tasche abkaufe und ein paar Tage später in einem Geschäft feststelle, dass er mich übers Ohr gehauen hat. Ich bin echt sauer, und das wird dazu führen, dass ich vielen anderen ab jetzt misstrauen werde, auch wenn ich gerade ihnen damit Unrecht tue.
Die Unsauberkeit und Verwahrlosung mancher Campingplätze ist ein weiteres Problem des Landes. Die Camps sind teilweise schon arg in die Jahre gekommen, aber müssen sie deshalb zwangsläufig so dreckig sein? Selbst eine ältere Anlage kann man sauber halten. Die Eigentümer erwarten, dass man bei ihnen übernachtet und teilweise überteuerte Preise bezahlt, tragen aber auf der anderen Seite mit nichts dazu bei, dass man sich hier auch wohl fühlen kann.
Die Toiletten, Duschen und Küchenbereiche befinden sich manchmal in einem Zustand, der allenfalls das Zertifikat: " unter aller Kritik " verdient. Klospülungen funktionieren nicht, Abflüsse in Duschen und Spülbecken sind verstopft und verdreckt.
Die elektrischen Anschlüsse sind manchmal so defekt, dass sie unter den Typus " suicide style" fallen.
Mitunter liegt der Owner trotz dieser desolaten Zustände auf einem Stuhl in der Bar herum und lässt den Tag faulenzend verstreichen. Es ist wirklich eine Schande, denn die Plätze könnten mit ein bisschen Mühe und wenig investiertem Geld traumhaft sein.
Aber das gilt, Gott sei Dank, nicht für alle Anlagen.
Wir haben, wie schon beschrieben, wunderschön gepflegte Camps und Resorts erlebt und in vollen Zügen genossen.
Daneben gibt es dann noch die LuxusLodges für die Europäer, die wirklich 5 Sterne - mäßig daherkommen, aber auch entsprechend teuer sind.
Eine weitere, besonders miese Art an Geld zu kommen, ohne irgendetwas dafür zu tun, haben mir die Polizisten des Landes vorgeführt.
In Tofu, einem kleinen Dorf am Ozean, befahren wir eine Straße, die sich an ihrem Ende teilt.
Unser Navi deutet auf die rechte Spur, was ja auch zu Hause unsere Straßenseite ist, und schon sind wir darauf herein gefallen.
Etwa 20 Meter fahren wir verkehrt herum in die Einbahnstraße, dann merken wir es.
Leider sind wir nicht die Einzigen, die den Fauxpas registrieren.
Genau auf der linken Seite befindet sich eine Polizeiwache. Der Typ am Eingang reißt sofort die Schranke hoch, winkt uns auf den kleinen Parkplatz und schließt unmittelbar hinter uns den Schlagbaum wieder. Wir sind eingesperrt.
Wichtigtuerisch bewegt er sich auf mein Fenster zu, das ich schleunigst herunter kurbele. Ich entschuldige mich höflich für den Fahrfehler und erkläre ihm, dass wir dummerweise dem falschen Vorschlag unseres Navis auf den Leim gegangen sind.
"OUT", ist das Einzige, was er herausschreit. Ok, anscheinend möchte er, dass ich das Auto verlasse.
Weil ich so klein bin und unser Wagen so hoch, gelingt mir das Aussteigen nur, indem ich mit beiden Füßen in einem Sprung vor ihm lande. Ein Anflug von Kichern bleibt mir beim Blick in sein Gesicht im Hals stecken.
Das kann doch nicht wahr sein! Da fahren Autos durch die Gegend in völlig desolatem Zustand mit über 20 Leuten - inklusive Babys - auf der Pritsche, eingepfercht wie Schlachtvieh. Keiner ist gesichert, geschweige denn angeschnallt.
Die lässt man fahren, doch uns will er aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, schlicht und ergreifend drangsalieren.
Er fragt nach den Papieren. Pässe und Führerschein will er sehen, was ja durchaus gerechtfertigt ist.
" Go there" befiehlt er und zeigt mit dem Kopf auf eine kleine Baracke, das Büro.
Gehorsam dackle ich da hinein.
Im Raum sitzen 3 dicke Frauen, zwei davon in Uniform, die sich schütteln vor Lachen.
Eine deutet auf einen ekligen, verschmierten Stuhl, auf dem ich Platz nehmen soll. Weiter beachten sie mich nicht, ich bin schlichtweg Luft für sie.
Dann kommt der Oberschikaneur herein und spuckt mir förmlich entgegen: " Go out! Go in car ". Ich steige wieder ins Auto. Viktor kommentiert leise: " Die sind uns voll am Verarschen ".
" What did he say? ", schreit der Typ. " He says, he feels sorry. He didnt 't realize the one way sign. "
Ich muss noch dreimal rein und wieder raus aus dem Büro. Entweder zeigt er mir das mit Befehlen durch knappe, zackige Kopfbewegungen oder Einwortanweisungen.
Plötzlich ändert er seine Masche. " I am hungry and thirsty " und klopft auf seinen fetten Bauch. Jetzt tut er mir beinahe leid. Vielleicht benimmt er sich ja wie ein A ...loch, weil er solchen Hunger hat.
Sofort greife ich nach etwas Brot und einer Flasche Wasser, um ihm Beides zu schenken. Keine gute Idee, wie ich sogleich feststelle. Wenn er gekonnt hätte, hätte er mich mit Sicherheit auf der Stelle getötet.
Er schlägt mir die Sachen beinahe aus der Hand und faucht ein giftiges: NO. Quero dinheiro. ( Ich will Geld!)
Jetzt kapiere auch ich, wo der Hase lang läuft.
Mein Entsetzen und meine Abscheu lassen sich wohl ohne Schwierigkeiten von meinem Gesicht ablesen. Ich bin kurz davor, die Fassung zu verlieren.
Im selben Augenblick erscheint von der Straße ein anderer Mann in Zivil. Er kommt zu unserem Auto und fragt, ob alles in Ordnung sei.
Nein, überhaupt nicht, antworte ich, den Tränen nah, und erzähle ihm, wie der Typ uns schikaniert hat. Ich erkläre, dass so etwas in Deutschland nicht passieren würde. Die Freundin meines Sohnes und 2 gute Freunde von uns seien auch Polizisten. Doch wenn die solch ein Verhalten an den Tag legen würden, wären sie ihren Job los. Bei einem Vergehen muss man eine festgelegte Strafe bezahlen, was ok ist. Aber nicht einem übel gelaunten Cop etwas in die Tasche stecken, das der willkürlich festlegt.
Der Mann in Zivil sieht mich an, hört mir zu und wendet sich dann dem korrupten Kollegen zu. Ich kann nicht verstehen, was er sagt. Aber ich kapiere ohne Erklärung, dass er stinksauer ist.
Auf der Stelle gibt der andere mir unsere Papiere zurück, der Schlagbaum fährt hoch und wir sind frei.
Ich weiß nicht, wie die Geschichte ohne unseren Retter geendet hätte, höchst wahrscheinlich nicht so gut.
Wir bedanken uns herzlich bei ihm. Dem anderen werfe ich im Hinausfahren einen ebenso vernichtenden Blick zu wie er mir vorher.
Das Gefühl der Machtlosigkeit und solcher Willkür hilflos ausgeliefert zu sein, liegt mir noch am
nächsten Tag schwer auf dem Magen. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.Read more



TravelerIch habe deine Schilderung gelesen und wieder mal das Gefühl gehabt, es miterlebt zu haben!