• Bazaruto Archipel

    September 22, 2022 in Mozambique ⋅ ⛅ 28 °C

    Unser heutiges Ziel ist etwas ganz Besonderes: Ein Tagesausflug mit dem Motorboot zum Bazaruta Archipel.
    Ein Archipel ist eine Region, die aus einer Inselgruppe und den sich dazwischen befindenden Gewässern besteht.
    Dieser Archipel wurde 1971 zum Nationalpark und Schutzgebiet erklärt und besteht aus fünf Inseln
    nahe der Festlandstadt Vilankulo.
    Zwischen 1976 und 1992
    versank Mozambique
    - wie schon beschrieben- im Sumpf eines brutalen Bürgerkrieges, der vor den Schutzgebieten auf dem Festland keinen Halt machte – Elefanten, Löwen und Nashörner wurden gewildert oder fielen den Landminen zum Opfer. Die abgeschiedene Lage im Meer hat die Kämpfe am Bazaruto-Archipel anscheinend vorbeiziehen lassen.
    Es gilt als DAS Juwel im Indischen Ozean .
    Insgesamt leben rund 3500 Menschen auf den fünf Inseln. Die bekanntesten sind Bazaruto, Benguerra und Magaruque, die beiden ersten werden wir heute kennen lernen.
    Auch wenn die Bewohner augenscheinlich im Paradies wohnen, zählen sie zu den Ärmsten im Land. Einzige Einkünfte sind die paar Meticals, die sie mit ihrer Fischerei erwirtschaften.
    Das Meer um die Inselgruppe beherbergt eine Megafauna, die ihresgleichen sucht.
    Man findet Fächerfische, Mantarochen, Delfine, Wale, Haie und nistende Meeresschildkröten sowie die letzte lebensfähige Population von Gabelschwanzseekühen (Dugong) in der Region.
    Es ist windstill am heutigen Morgen, und so geht es per Motorkraft dem offenen Ozean entgegen. Plötzlich wird unser Skipper laut und aufgeregt:
    Direkt vor uns springt eine Gruppe von Delfinen immer wieder hoch aus dem Wasser empor, um dann wieder in die Tiefen des Ozeans einzutauchen. Wir können uns gar nicht satt sehen an den Tieren, die offensichtlich selbst eine immense Freude an ihren übermütigen Sprüngen zu haben scheinen.
    Dann erreichen wir die erste Insel.
    Eine Riesen Sanddüne mitten im Meer definiert Vataruto, die Hauptinsel . Der Fluss Sabi River, der hier einst ins Meer mündete, hinterließ nicht nur aufgetürmte Sandberge, sondern auch Süßwasser-Seen und grünes Hinterland.
    Hier lädt unsere Crew jede Menge Kisten ab, aus deren Inhalt sie später ein wunderbares Seafood Buffet zaubern wird.
    Während des Ausladens erleben wir das nächste höchst seltene Spektakel. Noch nie vorher in meinem Leben habe ich ein Dugong gesehen. Kai beschreibt ihn treffend: Das Vieh sieht aus, als wäre es vierhundert Mal gegen das Riff geschwommen. In der Tat ist die eigentlich lange Nase platt nach unten gedrückt. Dugongs sehen so blöd aus, dass sie schon wieder schön sind. Wir sind völlig aus dem Häuschen, da man sie so gut wie nie und nur mit viel Glück zu Gesicht bekommt.
    Diese seltenen Seekühe verbringen den ganzen Tag mit Futtersuche in den Seegrasteppichen des Archipels und treiben trotz ihrer Behäbigkeit scheinbar schwerelos an uns vorbei.
    Anschließend steuern wir das legendäre Two Mile Reef an, das sich hinter der Meerenge zwischen Bazaruto und der zweiten Insel, Benguerra Island erstreckt. Vom Boot aus kann man es kaum erkennen. Lediglich der plötzlich unruhige, sich kräuselnde Ozean lässt auf einen Widerstand unter Wasser schließen. Von den stürmischen Gezeiten jenseits des Riffs bekommen wir hier überhaupt nichts mit. Geschützt zwischen den Inseln des Archipels ist das Wasser ruhig und glasklar. Bis zu 40 Meter Sicht sind möglich, was das Revier auch bei Tauchern auf der ganzen Welt zum absoluten Geheimtipp macht.
    Außer uns haben lediglich zwei andere Dhows ( das ist eine Art Segelschiff, welches man nur im Indischen Ozean findet) neben uns ihren Anker geworfen. Ansonsten gehört das riesige Meer uns ganz alleine.
    Mit Schnorchel, Brille und Taucherflossen ausgerüstet springen wir ins Wasser.
    Keine drei Atemzüge vom Boot entfernt, beginnt die schillernde Unterwasserwelt, für die der Archipel bis über die Landesgrenzen bekannt ist. Riesige Korallengebilde erheben sich in verschiedensten Farben vom Meeresgrund, einige sehen aus wie überdimensionale Pilze, andere wie verwunschene Wälder.
    Dazwischen flitzen kleine Fische in Regenbogenfarben, und eifrige Krebse räumen den Meeresboden auf. Wir gleiten über all dem geschäftigen Unterwassertreiben an der Wassoberfläche hinweg und hören nichts als unseren eigenen Atem und das Knistern, das die an den Korallen knabbernden Fische hervorrufen.
    Richtige Taucher mit Flaschen schwimmen zu der Stelle, an der das Riff dem offenen Meer einen Weg in die Meerenge gewährt. Hier haben sie die Chance, Riff-Haien, Barrakudas oder Schwertfischen zu begegnen. Wir aber bevorzugen den Schutz des Riffes mit allem, was es zu bieten hat.
    Unser Skipper zeigt uns eine gemächlich schwimmende Schildkröte 🐢, riesengroße Seesterne, einen Stachelrochen und unzählige kleine Fische in den schillernsten Farben.
    Welch unfassbar schönes Erlebnis!
    Nach dem Schnorchelgang steuern wir wir erneut auf die große Düne der Insel Bazaruto zu. Sie ist mit einer Länge von 35 Kilometern und einer Breite von rund sieben Kilometern die größte und gleichzeitig Hauptinsel des Archipels.
    Wir laufen über die Dünen, klettern hinauf und rennen und rutschen hinunter durch den weißen, quietschenden Sand ....... und staunen über die Schönheit dieses Paradieses.
    Auf der anderen Seite der Düne erwartet uns unsere Crew mit einem tollen Buffet, was durch die Umgebung und die Aussicht auf das Meer noch einmal mehr einzigartig wird.
    Dann geht es weiter.
    Aufmerksam beobachtet unser guide die Wasseroberfläche. Nichts bewegt sich. Alle auf unserem Boot sind angespannt und voller Erwartung.
    Es vergehen weitere Minuten, in denen für uns scheinbar nichts passiert. Plötzlich ein Schrei: "Dort sind sie!"
    Tatsächlich - drei riesig große Schatten ziehen in nur wenigen Hundert Metern Entfernung vorbei. Auf dem Boot bricht Hektik aus. Jeder versucht, so schnell wie irgend möglich seine Kamera in Position zu bringen. Dann springen sie: Man erkennt deutlich die
    dunklen Rücken, die hellen Bäuche, die Plisseefalten am Hals und den kleinen Buckel vor der Rückenflosse, der zu ihrer Namensgebung führt.
    Buckelwale sind kräftige Schwimmer, und sie benutzen ihre massive Schwanzflosse, die man Fluke nennt, um sich durch das Wasser zu treiben und manchmal auch ganz weit aus dem Wasser heraus zu springen. Das machen sie jetzt, und wir haben den Eindruck, sie vollführen es nur für uns.
    Nach dem steilen Aufsteigen landen sie mit einem gewaltigen Platschen und Klatschen auf dem Wasser. Wissenschaftler, die ihr Verhalten untersuchen, sind sich nicht sicher, ob dieser Sprung einem bestimmten Zweck dient, z.B. um Schädlinge von der Haut zu entfernen, oder ob die Wale dies nur aus Spaß tun. Ich glaube, diese haben einfach Freude an ihrem Tun, an den
    Wasserfontänen, an ihren übermütigen Sprüngen oder daran, mit ihrer Schwanzflosse oder den Flippern (Brustflossen) spritzend auf das Wasser zu klopfen.
    Ausgewachsene Buckelwale sind ungefähr 12-16 Meter gross und wiegen zwischen 25 und 30 Tonnen, wobei die Weibchen leicht grösser als ihre männlichen Artgenossen werden.
    Die Gruppe, die wir sehen, ist eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und Kind. Unser Skipper vermutet, dass sich Haie in der Nähe befinden und der Walvater sie mit seinen imposanten Sprüngen verjagen und von seiner Familie fernhalten will.
    Unsere Mannschaft schießt gefühlt tausend Fotos, und die Stimmung wechselt minütlich zwischen stummem, ehrfürchtigen Staunen und begeisterten Ah und Oh Rufen von uns.
    Was für ein unbeschreibliches Erlebnis, das wir nie mehr vergessen werden.
    Als die Sonne untergeht und sich der klare afrikanische Sternenhimmel über uns entfaltet, leuchtet die Milchstraße und das Kreuz des Südens ist klar zu erkennen. Der Mond erhebt sich in einem feurigen Orange am Horizont. Für einen Moment sagt niemand etwas, lediglich das Rascheln der Palmenblätter und das Meeresrauschen ist zu hören. Es ist der perfekte Ausklang eines perfekten Tages im Paradies.
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