• Inhassoro

    September 26, 2022 in Mozambique ⋅ ☀️ 27 °C

    Nach der tollen Zeit in Vilankulo planen wir einen kurzen Aufenthalt in Inhassoro, weiter im Norden von Mozambique. Im Vergleich zu Vilankulo wirkt dieser Ort wie ein kleines, unscheinbares und von vielen verlassenen Lodges geprägtes Dorf. Nach einer kurzen Fahrt über die einzig asphaltiere Straße führt uns eine Sandpiste zum Campingplatz “Goody Villas”. Bereits bei der Ankunft vermittelt uns der Mann an der Rezeption ein entspanntes Gefühl. Bezahlen dürfen wir auch morgen und überhaupt könnten wir ja noch überlegen, wie lange wir bleiben möchten.
    Am nächsten Tag legen wir einen Wasch -, Putz - Reparatur - , Wartungs -und Aufräumtag ein, was wieder einmal dringend nötig ist.
    Ein kleines Abenteuerhighlight folgt am 25.9. , die Fahrt zur Spitze einer wunderschönen Halbinsel. Diese kann man nicht auf normalen Wegen, sondern nur über einen ca 30 km langen Strandabschnitt erreichen. Das Permit, was man dafür benötigt, besorgen wir uns.....und dann kann es losgehen.
    Dem Tidenhub entsprechend angepasst brechen wir morgens auf, damit wir zurück sind, bevor die Flut den Strand eingenommen und uns den Rückweg abgeschnitten hat.
    Wir bocken die Kabinen ab, um nicht die zenterschwere Last auf dem Buckel tragen zu müssen ..... und auf geht's!
    12 Kilometer liegen vir uns bis zur Einfahrt zum Strand, das klingt nach lächerlich wenig. Einmal von Jülich nach Düren....auf einer Ar.....backe, kein Problem.
    Aber - jetzt kommt das große Aber:
    Für den heutigen Ausflug ist die Kabine - wie gesagt- abgebockt, und wir fahren mit einer aufs Minimalistischste abgespeckten Version unseres Toyota Landcruiser.
    Ohne die 700 kg, die jetzt am Campingplatz auf uns warten, sind wir nun federleicht. Klingt gut, ist es aber nicht.
    Die normale Blattfederung sowie die zusätzlich eingebaute Luftfederung sind nicht annähernd beansprucht oder gefordert. Entsprechend hart und wenig nachgiebig ist das Ganze.
    Trotz der wunderbaren Sitze, die Viktor uns extra für die Reise spendiert hat, fühlen wir uns wie auf Brettern.
    ( Viele von euch werden sich erinnern, dass ich in Südamerika kilometwerweise weinend neben dem Auto hergelaufen bin, weil mein Rücken völlig am Ende war.....3 Wirbel waren am Ende der Reise nicht mehr da, wo sie ursprünglich hingehörten)
    So schlimm ist es jetzt bei weitem nicht, aber selbst von Minimalkomfort sind wir Lichtjahre entfernt.
    Ihr müsst euch vorstellen, jemand schnallt ein nacktes, hartes Holzbrett auf ein paar Vollgummiräder und packt euch ( ohne Kissen oder sonstige Polsterung) darauf.
    Und dann stocht er durch einen unserer Tagebaue, aber nicht auf Wegen, sondern in ausgewaschenen Spurrillen verbaut mit Steinen und sonstigen Hindernissen.
    Man ist ausgeliefert und wartet nur auf den Punkt, an dem man es endlich überstanden hat.
    Es gibt verschiedene Arten, die Tortur auszuhalten:
    Bauch waschbrettartig anspannen (ist auch als Training nicht schlecht), Luft anhalten bis zu einem Punkt, an dem man fast ohnmächtig wird oder Pobacken fest zusammenkneifen. Dazu Musik abspielen, bei der man mitsingen und sich somit ein wenig ablenken kann. Ich favorisiere eine Kombination von allem.
    70 - er Jahre Beats sind ideal. Vielleicht, weil man sich dabei fühlt als wäre man nochmal 20 und entsprechend die Qualen so wegsteckt wie mit 20. 🤔
    Mein Lieblingslied ist von den Seekers ( nur die älteren Semester unter euch werden die Gruppe kennen, vielleicht noch nicht einmal die) Es heißt:
    " I will never find another you" . Ich singe das so inbrünstig und voller Emotionen, dass es Viktor sogar einmal die Tränen in die Augen 🙈 treibt. Ich weiß nicht, ob aus Rührung oder aus lauter Verzweiflung. Ist auch egal, Hauptsache es hilft.
    Langer Rede kurzer Sinn: selbst auf den schlimmsten Pisten herrscht bei uns meist eine gute Stimmung im Cockpit.
    Dann endlich sind wir angekommen und abermals präsentiert sich die atemberaubend schöne Küste Mosambiks vor unseren Augen.
    Zu Beginn der Strecke passieren wir ein paar Fischer, die ihre riesigen Netze für den nächsten Fang ausbreiten.
    Mit ihren kleinen, bunt angemalten Booten wirken sie ein wenig wie Relikte aus vergangenen Zeiten.
    Die letzten Kilometer aber sehen wir niemanden mehr. Die Sandpiste ist völlig menschenleer. Es gibt nur noch das Meer, den Strand und die Dünen.
    Und all das gehört scheinbar uns allein.
    Rechtzeitig vor der Flut erreichen wir die Straße, rütteln und rappeln zurück zum Campingplatz und blicken wieder einmal zurück auf einen unvergesslichen Tag in unserem Leben.
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