• Grenzerfahrung oder Déjà Vue

    September 28, 2022 in Zimbabwe ⋅ ⛅ 23 °C

    Grenzübertritt: Mozambique - Simbabwe

    Nach all den Erfahrungen bei der Einreiseprozedur nach Mozambique sowie diversen Polizeikontrollen in den letzten Wochen sind wir immer noch nicht mental gerüstet für das, was uns jetzt an der Grenze erwartet:
    Nachdem sich die Ausreise aus Mozambique erstaunlich problemlos gestaltet, kommt der Hammer bei der Einreise nach Simbabwe.
    Kaum haben wir einen Fuß auf den Boden gesetzt, stehen unzählige, extrem aufdringliche Leute neben uns, angeblich um uns beim Grenzübertritt behilflich zu sein, in Wahrheit aber wollen sie nur die Hände aufhalten.
    Zunächst geht es zur "Health Station ", einem klapprigen Tisch vor der Zollbaracke, wo drei Typen sitzen, von denen aber bloß einer arbeitet.
    Karola zeigt ihre Impfzertifikate vor, von uns will er gar nichts sehen. Als einziger der Gruppe erhält Kai erhält einen kleinen Schmierzettel, auf den nur das heutige Datum aufgekritzelt ist.
    Dann geht es zur Passkontrolle. Eigentlich haben wir von den vielen Straßenkontrollen gelernt, unsere Papiere nicht aus der Hand zu geben. Denn den Trick kennen wir inzwischen:
    Wenn der Polizist die Dokumente einmal in der Hand hat, kriegt man sie nur gegen eine Lösegeldzahlung in willkürlich festgesetzter
    Höhe zurück.
    Auf der Straße kann man unter Umständen entgegnen: " Gar kein Problem, wir kommen sehr gern mit dir zur Polizeistation und zeigen sie dir dort "
    HA, er weiß, dass er dann das zu Unrecht einkassierte Geld mit den lieben Kollegen teilen muss und entscheidet, dass die ganze Sache diesen Aufwand nicht wert ist. Meistens hat man dann gewonnen und kann weiterfahren.
    Hier aber gibt es kein Entrinnen: Wir müssen die Pässe zum Stempeln abgeben und sehen sie in den nächsten dreieinhalb Stunden nicht wieder.
    Sie wandern hinter der Scheibe von Platz zu Platz..... drei Mal.
    Jeder Officer nimmt die Papiere in die Hand und malt Buchstaben für Buchstaben unsere Namen ab. Dabei sorgt es immer wieder für Irritationen, dass wir alle Hohmeier heißen. Wie kann das sein? 25 Fragezeichen in seinen Augen 🤔.
    Die Prozedur dauert lange, und wir fragen uns, warum das dreimal hintereinander passieren muss? Jeder von ihnen arbeitet sich neu, sozusagen von Null, in den schwierigen Vorgang des Abschreibens ein.
    Kann nicht der eine vom anderen eine Kopie bekommen, denn immerhin werden bei jedem Schritt drei Durchschläge erstellt.
    Ein Blick in den hintersten Teil der Baracke beantwortet uns die Frage, was mit dem Zeug passiert: Da liegt ein riesiger Berg an Papiermüll, der aus all den Durchschlägen besteht und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in diesem Leben nie wieder angeschaut wird.

    An einem vierten Schalter werden unsere Autopapiere kontrolliert. Wieder beschäftigen sich drei Leute gleichzeitig mit dem Fall,
    effektiv arbeiten tut dabei aber keiner.
    Der Helfer, oder Schleuser? kommt und will 50 US Dollar. Unser Auto sei angeblich geschäftlich genutzt. Gott sei Dank können wir anhand unserer Papiere beweisen, dass das nicht stimmt. Ok, erstmal gibt er Ruhe.
    Dann will der arbeitende Officer 50 USD für ein temporäres Carnet de Passage haben. Nein, wir haben dieses Ding aus Deutschland mitgebracht, es ist bereits bezahlt und soll nun in jedem Land einfach nur abgestempelt und nicht jedes Mal neu käuflich erworben werden. Ok, er verzichtet nach einigem Hin und Her.
    Aber versuchen kann man es ja mal bei den blöden Touristen.
    Besonders ich muss mir die reflexartig in den Sinn kommenden Beleidigungen verkneifen und bringe mühsam ein hoffentlich dankbar klingendes : " Thank you" heraus. Alles Andere wäre kontraproduktiv und würde uns im Augenblick nur schaden.
    Meine Selbstbeherrschung wird allerdings auf eine äußerst harte Probe gestellt, als nun auch noch einer von denen nach einer Cola fragt, die er abstauben will. Ich kann es kaum glauben.
    Dann müssen wir wieder zurück zum letzten Schalter des Passkontrolldreischrittes: Der Typ hat inzwischen eine geschlagene Dreiviertelstunde unsere Daten und Namen abgemalt. Und was ist dabei heraus gekommen? Wieder einmal wird Hohmeier total verhunzt. Ich heiße Hommier, den drei anderen hat er den Namen Hommeir verpasst. Wie ist das möglich? Die Vorlage hält er doch in der Hand.🙈
    Den ersten Platz im Wettbewerb um die am schlimmsten versaubeutelte Version unseres Namens hält übrigens nach wie vor Lars. In Japan haben sie einen Rasu Homaiya aus ihm gemacht. 🤣
    Plötzlich fragt der Typ aus heiterem Himmel nach Health Certificates. Wo bitte sollen wir die bekommen haben? Es stellt sich heraus, dass es sich um die kleinen Schmierzettel handelt, von denen Kai einen erhalten hat.
    Viktor und Karola hatten, während wir am Schalter warten mussten, drei zerknüddelte Zettel vom Boden aufgehoben. In welch weiser Voraussicht: Die holen wir jetzt aus der Tasche und jubeln sie dem Typ unter. Er nimmt sie, ohne mit der Wimper zu zucken.
    Was für eine Farce!
    15.30 Uhr: Endlich stehen wir am Schlagbaum und warten darauf, dass er Finally geöffnet wird.
    NEIN, ZU FRÜH GEFREUT!!SIE WOLLEN ALLES, WIRKLICH ALLES NOCH EINMAL SEHEN.
    Meine mühsam nach jedem Einzelschritt wieder geordneten Unterlagen bringen sie zum xten Mal komplett durcheinander, wurschteln hier und blättern da.
    Jedes Blatt wird noch einmal kontrolliert, obwohl sie wahrscheinlich nichts von alledem wirklich kapieren.
    15:29 Kai muss seinen Wagen aufmachen.
    Oh, mein Gott.
    Sie werden alles abstauben wollen😱
    15:33 Inzwischen sind wir umringt, nein umzingelt von gefühlt 20 Leuten. Jeder will etwas haben vom großen Kuchen 🎂 😬
    Eine Grenzbeamtin stellt sich direkt neben unser Auto. " What is this?"
    HÄ?!?! " A car, Madam."
    " No, this is not a car". Ich kapiere, dass sie verwirrt 😕 ist und erkläre dann :
    " It is our home, a mobile home for one year."
    Ungläubiges Staunen😳
    " You live one year in this??????"
    Ja, antworte ich, und dann muss ich zurück zu meinen Kindern, die in Deutschland auf uns warten.
    Das mit den Kindern hat gezogen. Da war in Sekundenschnelle eine Verbindung von Mama zu Mama hergestellt.
    Sie zieht ihren Kopf aus dem Camper heraus, schaut mich verständnisvoll, ja fast liebevoll an und wünscht uns: A good and safe journey.
    Und dann ist es vollbracht. Wir sind erfolgreich in Simbabwe eingereist.
    Es fühlt sich an wie ein Traum. 🙏
    Read more