• Eine ganz neue Grenzerfahrung

    18 Januari 2023, Rwanda ⋅ ⛅ 25 °C

    Am 18. Januar erreichen wir nachmittags die Grenze nach Ruanda.
    Wegen der vielen negativen Border Experiences, die wir schon durchlitten haben, fühlen wir uns aufgeregt und erwarten insgesamt nichts Gutes.
    Doch dann erleben wir ein kleines Wunder:
    ALLES spielt sich in einem einzigen Gebäude ab. Wir werden nicht willkürlich von A über C nach B geschickt.
    Nein, das ganze Prozedere verläuft logisch nachvollziehbar, geordnet und durchdacht.
    Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass so etwas in Afrika möglich ist.
    Obendrein sind die Menschen unglaublich höflich, freundlich und zugewandt.
    Niemand hämmert scheinbar sinnlos auf irgendeiner Computertastatur herum oder quengelt für Geld oder ne Cola.
    Der reibungslose Ablauf kommt uns schon fast verdächtig vor, aber wir finden keinen Haken an der Sache.
    Ohne Probleme und erstaunlich zeitnah erhalten wir alle unser Ost - Afrika Visum, mit dem wir nun für 3 Monate problemlos nach Ruanda, Kenia oder Uganda ein - und ausreisen können so oft wir wollen.
    Sogar der Bankschalter, wo wir die Gebühren bezahlen müssen, befindet sich in dem Gebäude und nicht wieder 3 km entfernt irgendwo in der Pampa.
    Der Höhepunkt kommt am letzten Schalter, wo wir unser Carnet de Passage abstempeln müssen. Als der junge Beamte sieht, dass wir aus Deutschland kommen, gerät er völlig aus dem Häuschen. Er liebe deutsche Fußballvereine und sei ein absoluter Fan von Borussia Dortmund.
    Das gibt's doch gar nicht: Ein BVB Fan mitten im tiefsten Afrika.
    Nach einiger Fachsimpelei - ich gebe mein Bestes - verabschieden wir uns mit einem warmen Händedruck und einem von Herzen kommenden : God bless you" wie langjährige Freunde voneinander.
    Das Erstaunlichste ist, dass sich vor dem Schalter inzwischen aufgrund unsereres längeren Fangespräches eine Schlange gebildet hat Doch wirklich keiner der Wartenden ist ungeduldig oder böse geworden. Alle verfolgen interessiert unsere Unterhaltung, und als wir dann über die ( hoffentlich überstandene) Krebserkrankung von Stürmer Sebastian Haller reden, hat jeder zweite in der großen Zollhalle Tränen vor Rührung in den Augen.
    Auch die, die bestimmt noch nie etwas vom BVB gehört haben.
    Undenkbar in Deutschland!

    Dann ist aller Papierkram erledigt, und es folgt die Kontrolle der Autos.
    Ruanda hat sich auf die Fahne geschrieben, in puncto Sauberkeit und Ökologie eine Vorreiterrolle in Afrika einzunehmen.
    Deshalb ist die Einfuhr von Plastiktüten als Einwegprodukt verboten.
    Doch der junge Officer verrät mir, dass sie wohl auch nach illegal eingeführten Waffen suchen.
    Ganz interessiert lässt er sich von Viktor dessen umfangreiches Werkzeugarsenal zeigen. Besondere Neugier erweckt die japanische Baumsäge, deren Handhabung und Einsätze er sich genau erklären lässt.
    Während Viktor schließlich den ganzen Kram wieder an Ort und Stelle verstauen muss, klettere ich mit dem Grenzbeamten in den Wohnbereich des Campers, also in unser Haus.
    Ich bin heilfroh, dass er nun endlich sein Riesengewehr an eine Kollegin weitergibt, die ungefähr die gleiche Größe wie die Waffe hat.
    Während der gesamten Inspektion des Außenbereiches war ich schon äußerst nervös, aber mit ihm und seiner Kalaschnikov in den Camper zu steigen, hätte mich regelrecht in Panik versetzt.
    Stellt euch doch einmal vor, er hätte uns in die Dachluke - noch viel schlimmer - mir ins Bein geschossen.
    Längst geht es nicht mehr um Plastiktüten. Er ist neugierig geworden, so ein rollendes Heim hat er noch nie gesehen

    Alles schaut er sich an: den Herd, die Dusche, den Kühlschrank ...
    O je, das kann noch Tage dauern.
    Dann kommen wir zum Schrank, in dem unsere Klamotten untergebracht sind.
    Er inspiziert zwei Tüten mit Wollsocken und T Shirts.
    Schließlich findet er einen kleinen Sack, wo Viktors Unterhosen drin sind.
    Es ist mir unangenehm, ihm den Inhalt zu zeigen, doch seine Neugier ist geweckt.
    OK, wenn du darauf bestehst. Ich ziehe eine Boxer Shorts von Viktor hervor und halte sie ihm unter die Nase: Underwear from my husband.
    Ich denke mal, jetzt läuft rot an.
    Genau erkennen kann ich es nicht, denn ich bin ja bekanntermaßen farbenblind.
    Am peinlichsten Punkt der Situation angelangt ruft er kurz und knapp " clean " und springt aus dem Auto.
    Mit clean meint er aber nicht den Zustand der Boxershorts - wie ich eine Hundertstel Sekunde geglaubt habe - sondern, dass die Inspektion unseres Campers beendet ist und nichts Verdächtiges gefunden wurde.
    Wir haben es geschafft und reisen erfolgreich in unser achtes afrikanisches Land ein.

    Man sieht sich immer zweimal im Leben.
    Warum ich das jetzt schreibe?
    Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an die letzten Vorbereitungen für unsere Reise.
    Im Juni brachten wir im Zuge derer unseren Camper nach Antwerpen, damit er seine große Reise nach Afrika antreten konnte.
    In einem meiner ersten Blogs: " Jetzt ist er weg " heißt es zum Schluss:

    Am Ende des Piers, wo wir losfahren, steht ein junger Mann, der versucht zu trampen. Ich habe ihn schon eine Weile beobachtet, niemand nimmt ihn mit.
    Wir halten an und fragen, wo er hin will. Er möchte nach Antwerpen, ins Zentrum. Das ist zwar ein großer Umweg für uns, doch kurz entschlossen laden wir ihn ein und bringen ihn in die Stadt. Es stellt sich heraus, dass er aus Ruanda ist und dort auch immer ein paar Monate im Jahr verbringt. Am Ende der Fahrt besteht er darauf, uns seine Adresse zu geben, damit er sich revanchieren kann, wenn wir - so Gott will - im November in Ruanda aufschlagen.
    Es heißt ja, man sieht sich immer zweimal im Leben. Lassen wir uns überraschen. 😉

    Nun sind wir also in Ruanda, 2 Monate später als geplant.
    Vor ein paar Tagen habe ich Samuel, dem jungen Mann, eine WhatsApp geschickt und ihm mitgeteilt, dass wir demnächst in sein Land einreisen werden. Er antwortet, dass er sich im Moment wieder für längere Zeit in Belgien aufhält. So weit so gut.
    Nach unserem Grenzübertritt poste ich in meinem Status ein Bild mit der Flagge von Ruanda und der Info, dass wir gut im Land angekommen sind .
    Es vergehen keine 10 Minuten da erhalte ich eine Herzlich willkommen Nachricht von Samuel.
    Ein paar Fragen, wo wir sind, wohin wir wollen und ein paar Antworten werden hin - und hergeschickt.
    Tatsächlich haben wir für den Tag noch keinen Übernachtungsplatz gefunden und ziehen deshalb in Erwägung, einfach wild irgendwo zu campieren.
    Doch schon in der nächsten Stunde ist unser Problem gelöst: Samuel kennt den Besitzer einer Lodge vor den Toren des Nationalparks, den wir als nächstes besuchen wollen.
    Ein paar SMS wandern von hier nach da - und wir haben eine Einladung für die luxuriöse Rhino Lodge.
    Wir dürfen auf dem Parkplatz campen und die blitzsauberen sanitären Anlagen eines der Bungalows benutzen.
    Samuel besteht trotz meines Widerspruchs darauf, die Kosten für die Übernachtung von uns Vieren zu übernehmen.
    Nach einem wunderbaren Frühstück auf der Terrasse verlassen wir die schöne Lodge am nächsten Morgen.
    Danke Samuel und danke Joseph, dem Besitzer der Lodge.
    Mit so einem Willkommensgeschenk in eurem Land haben wir nicht gerechnet.

    Als ich mich bei Samuel im Namen aller bedanke erhalte ich folgende Antwort:

    Y're most welcome all of you in our very loved country. It's up to me to thank you. First, you pick-up me in your car from Antwerp port while I was unknown to you. It showed me that in this world there are people like you who still have humanity. Do not hesitate to ask for any thing that I can help you.

    Ich bin zutiefst gerührt und
    fest überzeugt: Alles, aber auch wirklich alles im Leben kommt zurück.
    Schlechtes wie Gutes.
    Also, lasst uns nicht müde werden, andere Menschen und Lebewesen überall auf der Welt anständig und mit Respekt zu behandeln.
    Denn man sieht sich immer zweimal im Leben.❤️
    Baca lagi