• Wir und die Gorillas

    7 de febrero de 2023, Uganda ⋅ 🌩️ 22 °C

    Die Tierwelt in Ostafrika ist, wie ihr mit uns erlebt habt, wirklich einzigartig.
    Wir hatten bisher auf unserer Tour das große Glück, eine unglaubliche
    Vielfalt, allen voran die Big Five, in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu dürfen.
    Doch eine Tiergattung fehlt uns noch: Die Primaten.... oder Menschenaffen.
    Ein Traum von vielen, unter anderem auch von uns ist es, einmal im Leben Berggorillas im Urwald zu erleben.
    Der Nationalpark Bwindi Impenetrable Forest im Südwesten Ugandas bietet die perfekte Gelegenheit dazu.

    Von der Gesamtpopulation der Berggorillas, die derzeit weltweit auf rund 880 Tiere geschätzt wird, sind etwa die Hälfte im Bwindi Regenwald beheimatet.
    20 Gorillafamilien mit insgesamt circa 400 Mitgliedern leben hier. 12 davon wurden habituiert, also an die Anwesenheit von Menschen angepasst.
    Sie kann man in Begleitung von geschulten Guides besuchen.

    Nach jahrelanger Wilderei haben die Einheimischen in Uganda erkannt, dass ein lebender Gorilla mehr Geld bringt als ein toter, schafft doch der Affen - Tourismus jede Menge Arbeitsplätze und lockt viele Besucher in das Land.
    Massentourismus allerdings wird nicht angestrebt und durch die hohen Preise für ein Permit auch verhindert.
    Denn wer Gorillas in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen will, muss dafür viel Geld bezahlen.
    Obwohl man mit seinem Besuch unweigerlich in die Freiheit und die Natur der Gorillas eingreift, unterstützt man auf der anderen Seite damit ihren Schutz, denn ein Wegfall des Tourismus würde zweifellos wieder zur Wilderei der mächtigen Tiere führen.

    Dadurch nämlich, dass die lokalen Ranger und Gorillaführer durch die Trekkings Geld verdienen, besteht für sie keine Notwendigkeit mehr, die Tiere zu jagen.

    Heute ist es für uns so weit:
    In den geschützten Gebieten ihrer natürlichen Lebensräume tief im tropischen Bergregenwald wollen wir uns den gewaltigen Tieren bis auf wenige Meter nähern.
    Wir sind extrem aufgeregt, auch geschlafen haben wir ( ich) kaum.
    Am Parkeingang warten der Ranger und 2 mit Gewehren bewaffnete Soldaten auf uns, für den Fall, dass unsere Gruppe von irgendwelchen Tieren angegriffen werden sollte.
    Sogenannte Tracker befinden sich schon seit den frühen Morgenstunden im Wald und suchen nach den Familien. Ihrem zurückgelegten Weg entsprechend legen sie Spuren und Hinweise, so dass unsere Guides wissen, in welche Richtung wir uns bewegen müssen.
    Außerdem stehen alle ständig über Funk in Kontakt miteinander.

    Dann geht es los.
    Zuerst marschieren wir über einen breiteren Weg bergauf. Später geht's in den Wald hinein. Hoch, runter, hoch, runter … Auf über 1.400 m eine Angelegenheit, die einem schon den Atem rauben kann. Zudem ist es ziemlich matschig und steil.
    Manchmal findet man kaum einen Halt, glitschig wie Schmierseife ist die Erde unter unseren Füßen. Der dichte Wald scheint undurchdringlich: Vor, neben, über und unter uns eine Decke aus Farnen, dornigen Gewächsen und Schlingpflanzen, die den Weg versperren.
    Impenetrable, undurchdringlich, heißt der Wald und sehr schnell wird uns klar, warum.
    Auch das Blätterdach ist so dicht, dass kaum ein Lichtstrahl den Weg zu uns findet. Es ist schummrig und düster.

    Plötzlich geht alles ganz schnell......Da ist er endlich der Funkspruch: Die Tracker haben die Gorillas gefunden.
    Beim Annähern an die Gruppe kommunizieren sie und die Ranger nur noch durch kurze, der Affensprache ähnliche Laute.

    Wir müssen jetzt schnell sein, die Gorillas sind in Bewegung. Zu groß ist die Gefahr, dass wir sie verlieren.
    Immer noch kann ich nichts ausmachen, was einem Gorilla auch nur annähernd ähnelt.
    Unser Ranger geht voraus und schlägt mit seiner Machete den Weg frei.
    In kleinen Schritten nähern wir uns und hören immer deutlicher die Geräusche von abknickenden Ästen.

    Plötzlich erkenne ich einen Schatten. Schemenhaft und ungenau ....nur eine Einbildung?

    Nein, da ist er wirklich, der Silberrücken, der Anführer der Gruppe, mit seinem mächtigen Kopf und Riesenkreuz.
    Es ist unglaublich und nicht real. Nein, es
    kann nicht sein, dass er mich genau so ansieht wie ich ihn. Es kann nicht sein, dass ich einem Menschenaffen
    Auge in Auge gegenüber stehe.
    Mit Mühe unterdrücke ich einen Schrei.
    Das haben uns die Ranger eingeschärft, unter keinen Umständen darf so etwas passieren.
    Ich habe mir das als oberstes Ziel gesetzt......
    und es klappt, sogar ohne Panzerband auf meinem Mund!
    Wirklich und leibhaftig thront er vor uns und den Trackern. Welch mächtiges Geschöpf....ich weiß nicht, was genau ich spüre: Glück, Furcht, Demut, Aufregung oder Dankbarkeit?
    Vielleicht ist es von allem etwas.
    Ein paar Tränen laufen mir die Wangen herunter.....dieser Moment ist unglaublich berührend.

    So aufgeregt wir sind, so wenig Notiz nimmt er von uns. Lässig sitzt er da, das Oberhaupt der Gorillafamilie und kaut auf Ästen herum.
    Weitere der insgesamt 14 Familienmitglieder zeigen sich uns nach und nach. Mal hängen sie im Baum, mal unter Büschen, mal präsentieren sie sich auf einer Lichtung. Sie futtern unentwegt, lausen sich oder balgen miteinander. Besonders die Babys sind unglaublich putzig anzusehen. Sie lassen sich durch unsere Anwesenheit in keiner Weise stören.

    Dann schwingt der behäbige Silberrücken sich mit einer nicht erwarteten Leichtigkeit kurz zwischen zwei Bambusstauden hin und her, um sich dann elegant durch das Geäst nach oben zu winden.
    Anschließend trommelt er wie wild auf seiner mächtigen Brust herum - so wie man das von einem Affenkönig erwartet, ehe er im Dickicht verschwindet.
    Instinktiv mache ich einen Schritt zur Seite. „Don't move“ – ruft der Guide.
    Wie jetzt?
    Wer, bitte, bleibt ruhig stehen, wenn sich ein ausgewachsenener Gorilla von 200 kg nähert?
    Doch voller Respekt und Ehrfurcht schaffen es alle, mucksmäuschenstill zu verharren.
    Wir sind zutiefst überwältigt und total fasziniert. Die Zeit scheint stehen zu bleiben.

    Plötzlich höre ich wie aus der Ferne die Stimme von James, unserem Guide. Er meint, es sei Zeit, die Gorillas zu verlassen und ihnen wieder ihre Ruhe zu gönnen.
    Ich kann nicht sagen, wieviel Zeit wir bei der Familie verbracht haben. Wir haben jegliches Gefühl dafür verloren.

    Glücklich, zufrieden und dankbar verabschieden wir uns von den Trackern und unseren Guides, ohne die dieses Erlebnis nicht möglich gewesen wäre.
    Erst später am Abend realisieren wir, dass wir wirklich bei den Gorillas waren.
    Dieser Tag war etwas ganz besonderes,
    ein einmaliges, emotionales Erlebnis der once in a lifetime Art, an das wir uns mit Sicherheit ein Leben lang erinnern werden.
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