• Hell's Kitchen and Gede Ruins

    27. marts 2023, Kenya ⋅ 🌧 22 °C

    An der Küste ist es nahezu unerträglich heiß, selbst in der Nacht wird es kaum spürbar kühler.
    Trotzdem organisieren wir einen Tagesausflug, der uns zu zwei sehenswerten Stätten nördlich von Watamu Beach führen soll.
    Dazu buchen wir ein Auto mit einem Fahrer und einen Guide. Um 8.30 Uhr geht es mit einer guten halben Stunde Verspätung ( üblich für Afrika, aber trotzdem immer ein wenig ärgerlich), los.

    Hell`s Kitchen ist ein wunderschöner Sandsteincanyon mit bunt übereinander geschichteten Ablagerungen.
    Durch ständige Regenfälle erodierte das Gestein im Laufe der Jahrtausende, wodurch eine Schlucht entstanden ist, in der sich Zinnen, Schluchten, hoch aufragende Türme und gewundene Strukturen (bis zu 30 Metern Höhe) abwechseln.
    Bei einem Rundgang mit einem lokalen Guide spazieren wir entlang dieser teils skurrilen Gebilde.
    Das angeblich fließende Deutsch unseres Führers beschränkt sich auf 2 bis zur Unkenntlichkeit entstellte Sätze: " Kannscht machen Foto hier" und " Langscham gehen, Pole, Pole".
    Das kann einem nach einer einstündigen Wanderung ganz schön auf die durch die erbarmungslose Sonneneinstrahlung ohnehin stark strapaziertem Nerven gehen.
    Spätestens hier wird uns klar, wie der Platz zu seinem Namen kam: In der Hölle kann es nicht heißer sein. 🔥
    Aber schön ist es trotzdem:
    Mit dem Einfall der Sonnenstrahlen variieren die Farben des Sandsteins zwischen Weiß, Rosa, Orange und tiefem Purpur und schaffen eine einzigartige Kulisse.

    Die Ruinenstadt Gedi ist eine von vielen mittelalterlichen Suaheli-Küstensiedlungen, die sich von Mogadischu, Somalia, bis zum Sambesi in Mosambik erstrecken.

    Als wir ihn erreichen, macht dieser historische Ruinenort seinem Ruf als verlassene Stadt alle Ehre. Gespenstisch leer ist das rund 20 Hektar große Areal, über dem sich an diesem Tag dunkle Wolken am Himmel entlang schieben.
    Nur wir – zumindest scheint es so – und unzählige Äffchen halten hier die Stellung.

    Die Mythen, die sich um
    die einst florierende und später versunkene Handelsstadt im Kilifi-Distrikt im Nord-Osten Kenia ranken, eilen ihr voraus. Damals muss hier das Leben getobt haben. 2500 Menschen, die meisten von ihnen Seeleute, Händler und Siedler aus dem Oman, residierten an dem Ort. Seinen Reichtum verdankte er dem Gewürzhandel, der Gede zu einem der wichtigsten Plätze entlang der afrikanischen Ostküste werden ließ.

    Die Bewohner müssen eindeutig große Händler gewesen sein, denn in den Ruinen wurden venezianische Perlen, Münzen und eine Ming-Vase aus China sowie Waren aus Europa und Indien gefunden.

    Im frühen 16. Jahrhundert führte jedoch ein unbekanntes Ereignis dazu, dass die gesamte Stadt innerhalb kürzester Zeit evakuiert und verlassen wurde.
    Gab es eine Seuche? Wurden die Bewohner überfallen? Lag der Grundwasserspiegel des immer weiter zurückgehenden Meeres schlichtweg zu tief?
    Noch heute tappen die Historiker im Dunkeln. Ein historisches Rätsel – das bislang nicht gelöst werden konnte.

    Fest steht, dass die Natur in der Folge viel Zeit hatte, den Ort, der damals noch tief im Arabuko-Sokoke-Wald versteckt lag, zurückzuerobern. Erst im Jahr 1884 wurde die Stätte von britischen Kolonialisten wiederentdeckt, als diese den Wald roden wollten. Fortan wurden die Überreste der großen, gut etablierten Stadt mit großer Vorsicht freigelegt.
    Was blieb, ist die mystische Atmosphäre, die jedem einzelnen Korallenstein aus dem Indischen Ozean anhaftet, aus dem die Gebäude und Residenzen gebaut und bis heute erhalten sind. Normale Wohnhäuser aus strohgedeckten Lehmbauten sind der Natur gewichen, aber der Torbogen zu einer beeindruckend großen Moschee, der Sultanpalast, mehrere kleine Gebetshäuser, 14 Steinhäuser mit fortschrittlicher Entwässerung, diverse Hallen, Versammlungsstätten und ein Grabmal, dessen Inschrift von Archäologen auf 1399 datiert wurde, sind erhalten geblieben.

    Auf den Steinbänken vor dem Palast, auf denen wir ein wenig im Schatten ausruhen, sollen einst der Sultan und seine Berater debattiert haben.
    Ich würde sie so gerne hören, die vielen Geschichten, die all diese Steine zu erzählen haben.

    Als wir Gede verlassen, wird uns einmal mehr der Kontrast zwischen der wohlhabenden historischen Stadt und dem Leben dort draußen vor den Ruinen bewusst. Denn während die reichen Bewohner bereits zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert in Häusern mit Badezimmern und Toilettenspülung lebten, müssen viele Einwohner im heutigen Gede ganz ohne Strom und fließendes Wasser auskommen.

    Schwer zu begreifen, oder?
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