• Vom wilden Polarkreis zum stillen Fjord

    4 de junho, Noruega ⋅ ☀️ 20 °C

    Nach dem Frühstück verlassen wir die karge Ebene des Saltfjellets, das arktische Hochgebirge in Nordnorwegen auf knapp 700 Metern über dem Meeresspiegel.
    Es ist eine baumlose, weite Tundra – eine fast surreale Kulisse aus schroffen Felsen und eiszeitlichen Geröllfeldern.
    Das Schmelzwasser der Schneemassen sammelt sich in kleinen, schwarzen Tümpeln direkt neben dem Asphalt.
    Rechts und links davon breiten sich riesige, vom Eis flachgehobelte Felsflächen aus. Es gibt keine Zäune, keine Leitplanken, nur die hölzernen Schneezeichen, die im Winter die Straße markieren.
    Vom Polarkreiszentrum zieht sich die Straße wie ein schnurgerades Lineal durch die Weite.
    Nach etwa 15 Kilometern lassen wir allmählich die kahle Hochebene hinter uns.
    Und ganz behutsam tauchen sie wieder auf – die ersten Überlebenden der Pflanzenwelt. Zuerst sind es nur winzige, verkrüppelte Zwergbirken, die kaum höher sind als das Moos. Doch von Kilometer zu Kilometer wachsen sie. Aus den Sträuchern werden kleine Bäume, bis uns schließlich wieder ein lichter Wald umgibt.
    Später folgen wir dem Fluss Saltdalselva, der sich durch ein tiefes, von steilen Bergwänden eingerahmtes Tal schneidet.
    Was oben auf dem Plateau als träger Schmelzwasserbach begann, wird hier zu einem reißenden Gebirgsfluss.
    Und nur eine Kurve weiter plätschert ein winziges Bächlein, so unendlich beschaulich, kristallklar und still, als würde die Zeit für einen Moment komplett stillstehen

    Dann öffnet sich das Tal erneut. Die Luft riecht plötzlich wieder salziger und nach Algen.
    Am Nachmittag erreichen wir unseren Standort für die Nacht.
    Vor der Stoßstange unserer Camper liegt eine grünblaue Wasserfläche, so spiegelglatt und friedlich, dass man sie für einen idyllischen Bergsee halten könnte. Doch der Schein trügt: Es ist das eisige Wasser des Nordatlantiks, das sich tief in die Rinnen des Sørfoldfjords hineinschneidet.
    Zur Rechten ragen die
    senkrechten Felswände des Rago-Nationalparks in den Himmel.
    Es ist eine Kulisse, die einen ganz klein und ehrfürchtig werden lässt.
    Leia mais