• Gryllefjorden

    5. juni, Norge ⋅ ⛅ 17 °C

    In der Arktis weckt uns
    der Morgen mit Sonnenstrahlen, die die Camper-Fenster aufheizen, und dem leisen Kreischen der Möwen in der Ferne.
    Wieder ist der Himmel blau über Nordnorwegen – wir werden unruhig.
    Nach einem schnellen Kaffee im Freien mit dieser so unbeschreiblich kühlen, klaren Luft des Nordens rollen die Reifen vom Schlafplatz. Unser Ziel heute:
    das malerische Fischerdorf Gryllefjord, wo das Schiff nach Andenes auf uns wartet, dem Startpunkt eines der spektakulärsten Insel-Hoppings Europas.

    Die Kulisse auf den ersten Kilometern der heutigen Etappe möchte ich euch so beschreiben:
    Spiegelglatte Fjorde mit Wasser - so ruhig, dass sich die schneebedeckten Berggipfel in der Oberfläche spiegeln.
    Mit einer kleineren Fähre setzen wir
    über den gewaltige Tysfjord mit seinen steilen, dunklen Felswänden, die links und rechts ins Wasser zu stürzen scheinen.
    Unter den Sonnenstrahlen schimmert das arktische Fjordwasser in einem tiefen glitzernden Blau.
    Wieder haben wir das beste Wetter erwischt.
    Viel zu schnell taucht die Rampe von Skarberget vor uns auf. Das Schiff legt an, die Bugklappe öffnet sich und die Reifen rollen erneut auf den Asphalt der E6.
    Nächster Halt: Narvik, hier müsssen wir scharf links abbiegen und dann geradeaus zu den Lofoten!
    Am Nachmittag erreichen wir Gryllefjord.
    Gerade einmal rund 310 Menschen nennen dieses rauhe Fleckchen Erde am Ende des Fjords ihr dauerhaftes Zuhause. Während im Sommer die Wohnmobile die Straßen beherrschen, bricht im Winter die arktische Ruhe ein. Dann leben die Bewohner ganz in ihrem eigenen Rhythmus – geprägt vom wilden Meer und der Fischerei in einer der isoliertesten, aber wunderschönen Ecke Norwegens.

    Am Fähranleger mischt sich der Geruch von salziger Seeluft mit der Prise Anspannung der vielen Reisenden. Da man die Überfahrt nicht im Voraus reservieren kann, gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
    Vans, Wohnmobile und Motorradfahrer reihen sich ordentlich in die Wartespuren ein.
    Dann öffnet sich die Bugklappe, und das große Rangieren beginnt. Es ist fast surreal, wie viel Blech auf diesem doch eher kleinen Schiff verschwindet: Gewaltige Wohnmobile, vollgepackte LKWs und eine ganze Flotte von Motorradfahrern werden von der Crew im Zentimetertakt auf das Deck gelotst. Die Schlange bewegt sich, die Vorfreude steigt –
    ...Und dann der Moment, den jeder Roadtripper in Norwegen fürchtet: Die Crew kreuzt die Arme. Die Rampe geht hoch. Ein kurzes, entschuldigendes Achselzucken des Einweisers. Nichts geht mehr – die Fähre ist voll.
    Aber unsere Autos stehen nun ganz vorne in der Pole-Position für das nächste Schiff morgen früh.
    Während wir es uns im Camper gemütlich machen, bricht die magische arktische Nacht an – die eigentlich gar keine ist. Hier oben, weit nördlich des Polarkreises, geht die Sonne im Sommer nicht unter.
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