• Briksdalsbreen Gletscher

    22. Juni in Norwegen ⋅ ☁️ 5 °C

    Wir verabschieden uns vom majestätischen Geirangerfjord.
    Vor uns liegt heute eine der spektakulärsten Hochland-Passagen des Trips. Wir nehmen Kurs auf die Fv63 nach Süden und steuern tiefer hinein in das eisige Herz Norwegens. Unser Ziel: der mächtige Briksdalsbreen Gletscher.
    Die Straße schmiegt sich eng an das Ufer des riesigen Oldevatnet-Sees. Das Wasser ist spiegelglatt und leuchtet in so unglaublich schönen Farben, dass es fast künstlich wirkt.
    Links und rechts schießen hunderte Meter hohe Wasserfälle von den Felswänden hinab.
    Nach und nach verengt sich das Tal, bis die Straße schließlich am Parkplatz der Briksdal Fjellstove abrupt endet.
    Kapuzen hoch, Kameras raus – ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter. Ein etwa 3 Kilometer langer Wanderweg soll uns hinauf zur Gletscherzunge führen.
    Überall entlang des Pfades stehen kleine Jahreszahlschilder. Sie zeigen erschreckend und faszinierend zugleich, bis wohin die Eismassen in den letzten Jahrhunderten noch gereicht haben. Wo wir heute gemütlich im Wald wandern, lag vor wenigen Jahrzehnten noch eine hunderte Meter dicke Eisschicht.

    Am Ziel angekommen, stehen wir ehrfürchtig am Ufer des eiskalten, grünen Gletschersees. Direkt vor uns stürzt die gewaltige, zerklüftete Zunge des Briksdalsbreen ins Tal.
    Was für ein unfassbarer Kontrast zu den Wellen der Atlantikstraße und dem nebligen Trollstigen. Jetzt sind wir im ewigen Eis Norwegens angekommen!

    Der gesamte Weg zum Gletscher fühlt sich wie eine Reise in die nordische Mythologie an:
    Moosbewachsene Urgesteine und knorrige Bäume säumen den Weg. Steile, nackte Felswände ragen gefühlt bis in den Himmel.
    Gelegentlich hallt ein tiefes, grollendes Krachen durch das Tal. Viele Einheimische erzählen, dieses tiefe Knacken des Gletschers sei das Grummeln der Trolle in den Bergen.
    Alten Volkssagen nach versteinern diese Wesen, sobald sie vom Sonnenlicht getroffen werden – wer weiß, welcher der riesigen, bemoosten Felsbrocken am Wegrand in Wahrheit ein schlafender Riese ist?
    Die norwegische Wildnis steckt voll von diesen Kreaturen, jenen riesigen, steinernen Gestalten, die im fahlen Licht mit den Bergen zu verschmelzen scheinen.
    Wenn wir durch die Wälder wandern, erzählen sie uns die uralten Geschichten von den geheimnisvollen Geschöpfen, die das Land bis heute bewachen.
    Genau in diesem Gefühl liegt die Magie Norwegens.
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